Gräfenhainichen im Ausnahmezustand...

Am 05.06.2004 traten Tom Albrecht, Laith Al-Deen und Pur im Rahmen des Radio SAW Summer-Open-Airs in Gräfenhainichen/Ferropolis auf. Tom Albrecht, der sich am Anfang seiner Karriere für deutsch-sprachige Texte entschied, schaffte es die Menschen mit seinen Aussagen zum Nachdenken anzuregen. Der 24-Jährige überzeugte jedoch nicht nur durch seine einmalige Stimme, sondern auch durch seine Songs, die das Allround-Talent selbst schreibt und produziert. Vor seinem Auftritt traf sich Tom Albrecht mit uns zum Interview.

Interview mit Tom Albrecht

stagePress/Nadine: Gleicht gehts für dich auf der Bühne los, freust Du Dich schon auf Deinen Auftritt?

Tom: Ja, ich freue mich sehr darauf, wieder auf der Bühne zu stehen. Wir haben ja Ende des Jahres bereits eine Tour mit Pur gemacht, wobei wir innerhalb von zwei Monaten 39 Konzerte in ganz Deutschland gespielt haben. Danach folgte Anfang des Jahres eine eigene Clubtour, deshalb waren wir dann ziemlich auf der Bühne eingegrooved. Wir hatten zwar Lust dann auch ins Studio zu gehen und die neuen Ideen umzusetzen, aber es ist schon ein total tolles Gefühl wieder auf der Bühne zu stehen.

stagePress/Verena: Wie war für Dich die Tour mit Pur? Konntest Du neue Erfahrungen sammeln?

Tom: Sehr intensiv, also wenn man vorher nur im Jugendhaus gespielt hat und dann plötzlich in der Köln-Arena vor 15.000 Leuten steht, ist das schon beeindruckend. Es war auch anstrengend, das ist natürlich klar. Es waren manchmal auch ziemlich lange Autofahrten, aber alles in allem war es eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte.

stagePress/Verena: Sieht Du Pur als musikalisches Vorbild?

Tom: Musikalisch nicht unbedingt. Es kann aber immer nur vorbildlich sein, so lange zusammen Musik zu machen wie Pur. Das ist natürlich der Traum eines jeden Musikers. Musikalisch ist unser gemeinsamer Nenner die deutschsprachige Musik, aber ansonsten mach wir unsere eigene Sache.

stagePress/Nadine: Wann stand für Dich fest, dass Du Musik machen willst?

Tom: Das erste Mal mit Musik in Berührung kam ich dadurch, dass meine Schwester zu Weihnachten ein kleines Keyboard bekommen hat und ich mir das dann irgendwann unter den Nagel gerissen habe. Das war irgendwie so ein Selbstläufer, ich wurde niemals zur Musik gezwungen. Es war mein eigener Wunsch. Als alle in der Pubertät angefangen haben in die Kneipen zu gehen und so, bin ich lieber zu Hause geblieben und habe Musik gemacht, weil mir das mehr gegeben hat. Irgendwann stand dann für mich fest, dass ich das gerne zu meinen Beruf machen möchte.

stagePress/Verena: Du schreibst Deine Songs ja alle selbst, wovon lässt Du Dich für Deine Texte inspirieren?

Tom: Eigentlich muss man sich nur die Welt angucken und nicht mit Scheuklappen durch's Leben rennen, dann sieht man schon genug Dinge, über die man schreiben kann.Es gibt genug Kontroversen und Konflikte, aber auch genug schöne Dinge über die man schreiben kann. Wenn man es zu lässt, die Dinge an sich ranzulassen und probiert es mal anders zu formulieren als andere es tun, dann hat man schon ein Lied.

stagePress/Nadine: Wann kommt dann zweites Album auf den Markt?

Tom: Was das Timing angeht, sind wir gerade noch in der Planung. Es hat sich schon ein bißchen nach hinter verschoben, eigentlich war geplant es so ca. im September diesen Jahres raus zu bringen. Wir haben dann aber gedacht, dass wir uns wirklich die Zeit nehmen wollen, um das Beste raus zu holen was irgendwie geht. Das zweite Album ist sehr wichtig für mich, weil ich zwar schon Achtungserfolge mit dem ersten Album erzielt habe, aber noch nicht den großen Durchbruch geschafft habe und deswegen wollen wir uns Zeit nehmen, die wir auch brauchen. Ich kann also noch keinen Termin sagen.

stagePress/Verena: Steht schon fest, welche Deine nächste Single sein wird?

Tom: Nein, noch nicht. Es gibt schon einige Kandidaten, ich habe schon recht viel geschrieben - wie auch andere sagen, gute Sachen - aber ich kann noch keinen Titel nennen.

stagePress/Nadine: Welcher ist Dein Lieblingssong auf Deinem ersten Album?

Tom: Das kommt schon immer auf die Stimmung an, in der ich gerade bin. Ich finde das auch ganz schön an meinem Album, dass es schon recht stilverschieden geworden ist, also nicht so "kennst du einen Song, kennst du alle" und das finde ich auch ganz gut. Man kann sich das Album anhören, egal in welcher Stimmung man gerade ist. Ein Song den ich sehr gerne höre, ist "König meines Reichs" und natürlich "Wir sind eins", weil es die erste Single war und da hat man dann selber, als Künstler, ganz starke Assoziationen zu, wie es war als das Video auf Viva lief und so.

stagePress/Nadine: Wie stehst Du zum Thema Casting Shows? Du machst schon lange Musik und hast Dir alles selbst erarbeitet und dann kommen Leute, die in acht Wochen gepusht und als Stars bezeichnet werden.

Tom: Die Frage die Du mir da stellst, beschreibt ja schon das Problem. Die Leute werden gepusht und sind dann meistens, nicht immer, recht schnell wieder weg. Man muss das als Künstler selber für sich entscheiden, ob man das will. Den schnellen Ruhm oder vielleicht doch probieren den langen Weg zu gehen. Viele Konzerte zu spielen, sich z. B. auch für ein Album Zeit zu nehmen. Das muss man halt selbst entscheiden. Also ich verurteile die Leute nicht, die da mitmachen, das müssen die selbst wissen. Vielleicht kann man das System ein bißchen verurteilen, die Medien, die die Leute vielleicht ein bißchen durch den Wolf drehen und dann wegschmeissen. Für mich wäre das nichts.

stagePress/Verena: Würdest Du auch schauspielerisch tätig werden, wenn Dir eine Rolle angeboten werden würde, die zu Dir passt?

Tom: Schwer zu sagen, also nur wenn ich das könnte. Ich weiß nicht, ob ich das kann. Ich sehe mich in erster Linie als Musiker, es kann natürlich sein, dass man irgendwann sein Talent noch erweitert. Man sollte erstmaldie eine Sache 100%ig fertig machen und sich nicht jetzt schon umorientieren, bevor man das zweite Album draussen hat. Deshalb denke ich an solche Sachen noch gar nicht.

stagePress/Nadine: Wie siehst Du im Moment die Situation mit Downloads? Siehst Du darin eine große Gefahr für die Musikbranche oder denkst Du die Thematik verläuft sich irgendwann wieder?

Tom: Das ist wirklich schwer zu sagen, es ist ziemlich einfach für die Leute draussen, sich die Sachen aus dem Internet zu ziehen. Auch wenn es natürlich nicht rechtens ist, ist es auch kaum zu verurteilen, weil ja wirklich so einfach ist. Vielleicht trägt die Musikindustrie auch einen Teil Schuld daran, das es so ist. Auch durch diese Castingbands oder Projekte die aus dem Boden gestampft werden, wo der Konsument gar nicht die Möglichkeit hat, sich mit dem Künstler zu identifizieren. Wenn der Konsument das kann und sagt dem Künstler kann ich was abgewinnen, dann wird er sich auch die CD kaufen, dann will er auch das Unikat mit dem Cover und allem drum und dran. Da besteht vielleicht auch von Seiten der Plattenfirmen oder Musikindustrien ein falsches Denken.

stagePress/Verena: Wie sieht ein normaler Tagesablauf bei Dir aus?

Tom: Gibt es nicht! Das habe ich mir auch so ausgesucht, ich wollte nie so einen Job, wo ich von 9 - 17 Uhr arbeite und dann abends Fußball gucke und ein Bier trinke. Okay, das war jetzt so ein Klischee, das ist ja nicht bei jedem so. Meine Tagesabläufe sehen immer anders aus, weil ich halt immer anderen Dinge mache. Es gibt keine festgelegten Zeiten, ich bin ja kein Angestellter. Ich bin eher ein Selbstständiger, mein eigenes Unternehmen, was ich auch nach vorne bringen muss. Oft bin ich aber auch nachts im Studio, weil mich das kreativer macht.

stagePress/Nadine: Hast Du überhaupt noch Freizeit?

Tom: Ja, das braucht man auch, weil wenn man nur arbeitet, dann funktioniert man irgendwann nur noch und dem entsprechend ist das Ergebnis dann auch schlechter. Eine Auszeit muss man sich auf jeden Fall mal nehmen.

stagePress/Nadine: Wie bereitest Du Dich auf Deine Auftritte vor?

Tom: Ich gucke mir die Setliste an und überlege mir was ich zu den Songs gerne sagen würde. Manche Songs stehen für sich selbst und man braucht dazu nichts mehr sagen. Man muss sich schon, wenn man vor so großen Menschenmengen spielt, überlegen was man zwischendurch sagen kann. Immer nur da stehen und sagen "das nächste Lied ist" ist langweilig. Vor dem Auftritt fang ich an mich einzusingen und so fünf Minuten vor Beginn brauch ich dann auch meine Ruhe im engsten Kreis mit der Band.

stagePress/Verena: Bist Du vor Auftritten noch genau so aufgeregt wie am Anfang?

Tom: Bei Konzerten ist das echt verschieden, gestern z. B. in Bonn sind wir vor 7.000 Leuten aufgetreten und ich war ganz komisch aufgeregt und lustiger Weise in der Köln-Arena vor 15.000 Leuten war ich nicht aufgeregt. Das ist überhaupt nicht zu kalkulieren.

stagePress/Nadine: Ist es Dir lieber in kleineren Clubs zu spielen oder in großen Konzerthallen?

Tom: Das kann ich gar nicht gar nicht so sagen, was ich da lieber mache. Das sind eigentlich zwei verschiedene Dinge, wahrscheinlich kann man das nicht nachollziehen, wenn man kein Musiker ist bzw. nicht auf der Bühne steht, weil man als Außenstehender denkt, man macht immer das selbe. So ein Clubkonzert ist wesentlich intimer, die Leute stehen viel näher und du siehst die Reaktion in ihren Gesichtern viel besser. Bei so einem Festival wie heute,ist einfach der Reiz, dass gleich unheimlich viele Leute da sind, die auch eine Menge Krach machen können. Es hat beides seinen Reiz, deshalb kann ich nicht sagen, was ich lieber mache.


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