Jung, sympatisch, bodenständig

Ein Musikact wie man ihn sich eigentlich nur wünschen kann. Als wir seinen ersten Auftritt im Rahmen des Marienhof Castings in Hamburg beobachten, wirkt der 23-jährige entspannt und spielt mit Spaß seine ersten beiden Singles "Nur die Sterne" und "Umlaufbahn", und das obwohl noch wenige Minuten zuvor die Zuschauer noch nicht wußten, wer Timo Langner überhaupt ist.

Seine Band hat er heute mal zu Hause gelassen. Einzig sein Kumpel Andreas unterstützt ihn mit einer Gitarre. Wie es heutzutage also kaum noch üblich ist, spielt Timo live. Er spielt mit dem Text und genießt es sichlich auf der Bühne zu stehen. Geht er von der Bühne, gibt er Autogramme und stellt sich für Fotos bereit. Als ich ihn zum Interview treffe, schnappt er sich seine Gitarre und wir gehen nach draussen.

Ein lockerer Plausch

Ein lockerer Plausch

stagePRESS/Magda: Du stehst ja im Moment im Rahmen der Marienhofcasting-Tour auf der Bühne. Mach Dir die Promo Spaß?

Timo: Man muß dazu sagen, dass diese Marienhofgeschichte ja jetzt nicht nur aus der Castingtour besteht, sondern ich spiele ja auch mit und ich bin beim Marienhof Fantag aufgetreten. Ich bin da jetzt wirklich auch reingewachsen und habe die Leute auch kennengelernt. Daher muß ich sagen, dass es ein riesen Spaß ist. Die Leute sind wahnsinnig nett und man merkt auch schon, dass es irgendwie so eine große Familie ist, die absolut offen für jemand neuen sind, es ist nicht irgendwie so ein geschlossener Kreis. Das Mitspielen hat auch einen riesen Spaß gemacht. Die Tour macht Spaß, weil ich live singen darf. Aber es ist natürlich ein bißchen wenig los. Da muß man nicht drum herum reden. Es wäre nett, wenn mehr los wäre!

stagePRESS/Magda:Spielst Du gerne live?

Timo:Ich spiele auf jeden Fall lieber live!! Es ist so, dass ich es absolut liebe, mit meiner ganzen Band auf der Bühne zu stehen und mit meinen Technikern unterwegs zu sein. Das ist aber immer ein immenser Kostenpunkt, es kostet einfach immer wahnsinnig viel Geld. Das machen nicht viele Veranstalter. Dann gibt es die Geschichte mit dem Halbplayback, das die Band vom Band kommt und ich singe live. Das geht aber wirklich nur, wenn man weiß wo man hingeht, was für eine Technik und was für ein Techniker da ist, sodass es wirklich gut klingt. Ich habe auch schon oft die Erfahrung gemacht, dass man irgendwo hinkommt und das ganze einfach nur scheiße klingt und dann ist auch kein Mensch dankbar, dass es jetzt live war. Ich mache es auch teilweise so, dass wenn ich irgendwo einen Auftritt z.B. bei einem Radiosender habe und ich überhaupt nicht weiß was mich erwartet, dass wir ein Safety Vollplayback machen. Das Mikro ist dann offen und so kann ich auf jeden Fall live drüber singen, so hat der Zuhörer dann auch was davon. Es ist dann keine vollkommene Verarschung, das braucht nämlich kein Mensch. Aber wenn die Technik halt nicht stimmt und der Techniker schlecht ist, ist das auch Scheiße. Und dann ist auch keine Zeit für einen Soundcheck, es muß alles schnell gehen, ein Song und Tschüß. Ich hatte mal einen Auftritt in Berlin, da war es genau so. Wir haben Percusion gemacht, das ging überhaupt gar nicht und da habe ich halt mitten im Song abgebrochen und hab dann 300 Leuten gesagt "Okay, jetzt seid mal 3 Minuten leise wir machen das jetzt halt so". (Timo fängt an auf seiner Gitarre zu spielen) Das geht dann auch und im Endeffekt war es dann auch viel geiler!

stagePRESS/Magda: Gerade auf der Bühne hast Du kurz von Deiner neuen Single Jenny erzählt. Wovon handelt der Song?





Timo: Jenny ist ein Song, der in eine ganz andere Richtung geht als meine bisherigen Lieder. Denn er hat, auch wenn man das als erstes bei dem Titel Jenny denkt, nichts mit einer Beziehung oder so zu tun! Sondern es geht um die ganze Popstar-Castingsituation, die mich jetzt schon seit fast einem ganzen Jahr beschäftigt und mir mein Leben auch nicht unbedingt leichter macht. Ich habe darüber einen Song geschrieben und erzähle jetzt diese Geschichte von Jenny, die aber auch Gracia oder Vanessa heißen könnte, das ist egal. Sie geht zu einem Casting, findet das alles total spannend und hofft auf dem schnellen und einfachen Weg berühmt zu werden. Sie denkt: Ich gehe einfach zu Dieter Bohlen, singe da und werde ein großer Star. [...] Die Geschichte erzählt davon wie es Ihr ergeht. Ihr kleiner Bruder ist total stolz und klaut ihr die Schlüpfer und verkauft die dann an die Jungs auf dem Schulhof. Der Papa findet das total scheiße was sie macht, die Mama ist ganz stolz. Am Ende des Songs wird dann klar, dass dieser Traum zusammenbricht und alles worauf sie gesetzt hat und der Gedanke, dass alles gut ist wenn sie Popstar ist, nur eine Illusion war. Sie wird aus der Traumwelt rausgerissen und dann bricht alles so ein bisschen zusammen.

stagePRESS/Magda: Drückt der Song Deine Meinung zum Thema Castings aus?

Timo:Das ist ein bißchen schwierig zu sagen. Grundsätzlich ist es ein gute Möglichkeit, um zu zeigen was man kann! Ich hab halt auch die Erfahrung gemacht, dass ich viele, viele Demotapes verschicken musste und ganz ganz oft in irgendwelchen Plattenfirmen die Leute genervt habe und in Büros vorgespielt habe. Das ist halt ein sehr, sehr harter Weg. Es hat bei mir über zehn Jahre gedauert, bis ich dann einen Plattenvertrag hatte. Daher kann man schon nachvollziehen, dass man irgendwie die Chance ergreift und sagt "Hey, moment mal. Ich glaub ich kann singen, ich geh da hin und ich möchte es den Leuten zeigen." Der Punkt ist bloß, dass das ganze jetzt ein bißchen Überhand genommen hat. Es ist ein bißchen zu viel geworden und ich finde, dass jetzt wieder etwas Anderes passieren kann.

stagePRESS/Magda: Hättest Du bei einem Casting mitgemacht um berühmt zu werden?

Timo:Ich hatte ja die Wahl und hab es nicht gemacht. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als die erste Popstar-Staffel bei der die No Angels entstanden sind anfing. Ich hab mir das angeschaut und fand es lustig, spannend, unfassbar und auch ein bißchen erschreckend, was für Leute zu so einem Casting gehen. Vorallem auch, dass die Leute keine Freunde haben, die ihnen sagen: "Pass mal auf, Du kannst das nicht!" oder "Geh da nicht hin, weil Du Dich blamierst!" Jeder hat mit Sicherheit eine Gabe, aber nicht jeder hat die Gabe singen zu können. Ich bin da nie hingegangen, das war nicht mein Ding, nicht mein Weg! Ich habe ja auch meine eigenen Sachen geschrieben und hatte ein komplette Band, daher war es gar nicht möglich an einem Casting teilzunehmen. Denn es konnten ja nur Solokünstler alleine zum Vorsingen, deshalb habe ich auch keine Sekunde darüber nachgedacht.



stagePRESS/Magda: Kannst Du uns schon etwas zu Deinem Album verraten? Ursprünglich hieß es ja, es würde im Frühjahr erscheinen.

Timo:Das ist eine gute Frage... Es ist so, dass es ein bißchen davon abhängt, wie jetzt die dritte Single läuft. Man kann da auch ganz ehrlich sein. Der Punkt ist einfach, die dritte Single muss wirklich einigermaßen einsteigen, damit es sich auch lohnt, das Album rauszubringen. Fakt ist einfach, dass die Single jetzt bei 70 oder 60 einsteigen kann, da ja noch nicht so wahnsinnig viel Promotion gelaufen ist. Eigentlich ist das schon ein guter Erfolg, aber die Plattenfirma erhofft sich mehr und möchte warten, bis wir an dem Punkt sind, wo wir wirklich mehr Erfolg haben. Und dann kommt das Album raus, damit auch der Verkauf stimmt. Die Plattenfirma sagt: "Hey, wir warten, weil wir Dich richtig aufbauen wollen", da bin ich auch sehr froh drüber. Als es im Frühjahr hieß, wir bringen das Album raus, hat es mit Umlaufbahn jetzt nicht so gut funktioniert. Wir haben dann gesagt: Okay warten wir bis zur dritten Single. Es kann aber auch sein, dass wir auch noch eine vierte Single abwarten. Das Album ist eigentlich fertig, es fehlen noch zwei Songs, aber wir könnten jeder Zeit damit rausgehen. Das Ding soll halt funktionieren und dafür soll sich auch die Zeit genommen werden.


Mit dem Handy auf der Bühne. Als Timos Hose anfängt "zu vibrieren" geht er natürlich ran...

Mit dem Handy auf der Bühne. Als Timos Hose anfängt "zu vibrieren" geht er natürlich ran...

stagePRESS/Timo: Wird es zum Album eine Tour geben?

TimoDas hängt erst mal alles davon ab...Wir haben jetzt im Sommer Open-Air-Festivals. Das ist jetzt erstmal so der nächste Schritt. Wenn das Album dann rauskommt und auch funktioniert, wird es auch eine Tour geben. Man sieht ja z. B. bei Patrick Nuo, das Album war auch ganz okay, aber es gibt trotzdem keine Tour, also jetzt werden erstmal Festivals gespielt und dann lässt man sich Zeit. Es ist heutzutage wirklich schwierig, eine Tour vollzukriegen, aber ich würde es mir wahnsinnig wünschen und es ist so, dass ich auch gar nicht den Anspruch habe zu sagen, wir müssen jetzt Tausender-Hallen füllen. 150er-Hallen wären super, so kleine Clubs. Ich hoffe, dass wir das machen werden, es hängt aber davon ab, ob die Leute da draußen das Zeug runterladen oder kaufen.

stagePRESS/Magda: Was sagst Du zum Thema Filesharing?

Timo: Es ist halt eine riesen Versuchung, das muß man halt einfach so sagen. Deswegen ist es auch schwierig jetzt irgendwo vorwurfsvoll zu sein und zu sagen "Das ist unfair". Man hat halt einfach die Möglichkeit, entweder ich lade es mir runter oder ich gebe da 5 Euro für aus. Daher ist es schon verständlich, aber man muss sich auch darüber bewußt sein, was man damit anrichtet. Man hat dann immer so das Ding "Ja, aber ob ich das jetzt mache - einer mehr oder weniger". Fakt ist aber, dass heutzutage das schon sehr sehr viel ausmacht. Man muß z. B. auch gar nicht mehr so viele CDs verkaufen um in die Charts einzusteigen. Wenn ich z.B. meine Single rausbringe, sage ich meinen Freunden auf jeden Fall auch Bescheid "Wenn ihr mich unterstützen wollt, dann kauft meine Single", weil hundert verkaufte Singles machen wahnsinnig viel aus. Daher ist das wirklich sehr wichtig, dass sich jeder bewußt ist, dass er eine Verantwortung hat. Wo vor drei Jahren 10 Newcomerbands einen Vertrag bekommen haben, ist heute mit viel, viel Glück noch einer. Das hängt alles damit zusammen.


stagePRESS/Magda: Ich habe jetzt in einem Artikel gelesen, dass Du mit Patrick Nuo verglichen wirst, weil ihr z. B. auch beide von David Jost produziert werdet?

Timo:Ach, das ist doch super. Also ich mag Patrick total gerne. Ich habe jetzt noch nicht so viel mit ihm zu tun gehabt, wir haben uns kurz kennengelernt. Und ich finde an dem Vergleich ist auch was dran: Wir sind beide junge... Jungs und wir sprechen glaube ich die gleiche Zielgruppe an. Ich finde auch, dass die Musik sich ein bißchen vergleichen lässt, bis auf die Tatsache, dass es halt Deutsch und Englisch ist, klar. Natürlich ist dann der Jost noch im Spiel und das ist natürlich schon so, dass man dann auch gewisse Vergleiche hört. Also ich habe damit kein Problem. Ich hätte jetzt mehr ein Problem wenn jemand sagt "Hey das ist jetzt der neue Oli. P.", dann würde ich sagen "Moment mal..habt ihr da nicht irgendwas missverstanden?!" (wir fangen beide herzlich an zu lachen, und gehen in eine kleine Fotosession über)