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Peter Heppner sprach mit stagePRESS vor dem Konzert in Köln über große und kleine Bühnen, „böse Worte“ und Schauspielerei. Und natürlich über Musik.
stagePRESS: Ich habe den Bühnenaufbau eben schon gesehen – das ist, im Vergleich zu Oberhausen z. B., ja ziemlich minimalistisch?
Peter Heppner: Das Problem ist, dass wir hier unser Licht nicht aufbauen konnten, weil die Bühne zu flach ist. Das haben wir leider jetzt erst gemerkt, darum konnten wir auch keine Alternative aufbauen. Das tut mir leid für die Fans – aber da muss man jetzt damit leben, und ich hoffe, es wird dem Vergnügen keinen Abbruch tun.
sP: Bestimmt nicht. Was mich beim Auftritt in Oberhausen sehr fasziniert hat, sind die wunderschönen Live-Arrangements. Wird es Aufnahmen von der Tour geben?
PH: Auf jeden Fall. Wir nehmen fast jeden Auftritt auf – ob wir dann Stücke von verschiedenen Orten nehmen oder ein Konzert ganz, wird sich zeigen. Die Arrangements sind größtenteils von Lothar Manteuffel und Dirk Riegner - die haben da eine tolle Arbeit gemacht, das finde ich auch. Es macht auch sehr sehr viel Spaß, das Konzert zu singen.
SP: Du singst Dich ja durch Dein gesamtes musikalisches Schaffen, die Setlist ist ja quasi Deine musikalische Autobiografie.
PH: Ich kann ja das erste Mal wirklich alles aus allen Projekten singen. Das erwartet das Publikum, und das macht mir auch sehr viel Spaß, weil ich mit einigen Sachen bisher selten oder sogar noch nie aufgetreten bin. Und dem Publikum macht es scheinbar auch sehr viel Spaß. (lacht) Man sieht manchmal richtig die Überraschung in den Gesichtern der Leute, wenn ein Stück kommt und sie merken: Ach ja, das gibt es ja auch noch. Es gibt bestimmt auch viele Leute im Publikum, die dann denken: Ach was, das ist auch von dem? (lacht)
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sP: Gibt es für Dich ein Lied, auf das Du Dich den ganzen Abend freust, ein persönliches Highlight?
PH: Die Flut. Da freue ich mich drauf. Wir machen das ja ein bischen anders, ich bin ja alleine und hab keinen Joachim dabei. (lacht) Also geht es nicht als Duett – ich singe es weitgehend alleine, und Carsten singt die zweite Stimme im Refrain dazu. Das ist für mich schon ein Highlight an der ganzen Sache. Und ich empfinde die neuen Stücke als Bereicherung des Live-Sets, weil die mir einfach sehr entsprechen. Wenn ich mit anderen Leuten zusammenarbeite, muss ich ja immer auch Kompromisse eingehen, muss mich auf das einstellen, was von denen kommt. Wenn ich z.B. für Schiller was mache, muss sich das ja auch mit Schiller vertragen. Das habe ich schon im Kopf, wenn ich an den Liedern arbeite. Bei den solo-Sachen konnte ich mich darauf konzentrieren, was ich am besten finde und am besten singen kann. Das ist wie für mich geschrieben...die sind ja auch für mich geschrieben. (lacht) Das merke ich live, die gehen runter wie Butter. Obwohl sie sehr anstrengend sind, lassen sie sich sehr leicht singen – weil sie mir einfach entsprechen.
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sP: Die gute Stimmung auf der Bühne ist auffällig.
PH: Ja. Ich hab auch eine tolle Band dabei, das kann ich gar nicht oft genug sagen! Das macht unglaublich viel Spaß, die Leute sind alle richtig motiviert, wir verstehen uns bombig, es gibt keine Mißstimmung in der Crew – da hab ich richtig Glück. Ich hab ja auch die besten Leute eingesammelt, die ich in den letzten 20 Jahren getroffen hab. Das sind alles Leute, mit denen ich mich gut verstehe, mit denen ich schon lange befreundet bin oder schon lange zusammenarbeite...es ist eigentlich ein Haufen Freunde unterwegs, das ist ein bischen wie Klassenreise. (lacht)
sP: Du hast Dir den Wunsch erfüllt, das „freundlichste Fuck der Musikgeschichte“ zu singen?
PH: (lacht) Das ist dabei herausgekommen! Man spinnt sich ja immer Sachen zurecht, und ich wollte schon immer mal in ein Lied „fuck“ einbauen. Aber ich wollte es auch nicht einfach so plump machen, sondern in einem Zusammenhang, in dem man es vielleicht nicht erwarten würde – und rausgekommen ist dann, finde ich, das freundlichste „fuck“ der Musikgeschichte. (lacht) Es klingt doch auch sehr freundlich? Aber es passt einfach auch. Ich hätte ja jederzeit einfach mal ein „fuck“ singen können, aber es sollte schon besonders passen. Das war mir schon wichtig.
sP: Es hat was vom berühmten letzten Satz in „Vom Winde verweht“.
PH: Ja. Ja? Ja. (lacht) Auf jeden Fall ist es schön geworden, mir gefällt Suddenly sehr sehr gut. Für die Konzerte hätten wir es vielleicht einen Tick schneller machen sollen. Für die LP hat es genau das richtige Tempo, aber es gibt Lieder, die wirken live langsamer. Da würde ich mir jetzt wünschen, wir hätten es vorbeugend etwas schneller vorbereitet. So spontan kann man das nicht machen. Wenn man viel mit elektronischer Musik arbeitet, dann sind die Vorbereitungen alles, da kann man während der Tour wenig ändern. Es geht auch, es ist ja jetzt nicht so, dass man dabei einschläft. (lacht) Aber das ist das einzige, wo ich sagen würde, da hätte man was anders machen können. Und das ist nun wirklich ein Luxusproblem.
sP: A propos schnelle Titel. Ich fand die Entscheidung, Alleinesein als Single auszukoppeln, recht ungewöhnlich.
PH: Ja, fand ich auch. Ich war auch nicht nur glücklich über die Auswahl. Ich habe gesagt, es gibt bis auf ein, zwei Titel keine Lieder auf der LP, die ich mir nicht als Maxi vorstellen könnte, und hab die Plattenfirma gefragt, was ihr Vorschlag wäre. Und die haben Alleinesein vorgeschlagen. Ich hab denen auch gesagt: Das ist eher ungewöhnlich, da wird es wenig Wiedererkennungswert geben zu Liedern wie der Flut oder Wir sind wir oder Kein zurück. Die LP ist zwar recht abwechslungsreich, das Lied, das die LP repräsentiert, gibt es auch nicht – aber es hätte schon Heppner-typischere Lieder gegeben. Das haben die so hingenommen – aber ich finde, sie haben nicht so richtig darauf reagiert. Man hätte da schon ein bischen mehr Arbeit machen müssen in der Promo, um das besser vorzubereiten. Aber das führt jetzt zu weit. Es wird aber noch eine zweite Maxi geben, und „Das geht vorbei“ ist ein typischerer Heppner-Song.
sP: Auch mit einer B-Seite?
PH: Ja, hoffentlich. (lacht)
sP: Ich hoffe ja auf Mr. Blue, das hat mich in der Setlist ein wenig überrascht.
PH: Wir wollten 20 Lieder haben, das ist eine gute Länge für ein Konzert. Und uns fehlte noch eines. Wir hatten ein paar Kandidaten – und dann fiel uns Mr. Blue ein. Das ist schön, das passt auch gut da hin. Das Lied wird auch von den Fans sehr gut angenommen. Ich mag das Lied sehr gerne, es ist eines meiner Lieblingslieder von Yazoo. Und es macht doch auch Spaß live, oder?
sP: Ja! Bekommt man eigentlich Rückmeldung von Musikerkollegen? Auf Coverversionen oder auch auf die Live-Versionen von Projekten jetzt auf der Tour?
PH: Schon. Von Yazoo jetzt nicht – wobei ich mich schon gefreut habe, dass sie es genehmigt haben. Sie haben es gehört und „Ja“ gesagt und das habe ich dann schon als schönes Feedback empfunden. Mehr kommt da aber nicht. Es gab keinen persönlichen Kontakt zwischen den Musikern, da fragt die eine Agentur bei der anderen an, mehr passiert da nicht.
Die Live-Produktion hat von den „Betroffenen“ noch keiner gehört. Aber das Feedback allgemein, dass ich auf die Live-Versionen bekomme, ist sehr positiv. Ich habe gestern in Hamburg gespielt, in meiner Heimatstadt, und da waren viele Freunde und Bekannte, die schon seit Jahren verfolgen, was ich so mache, und die waren alle ziemlich begeistert.
sP: Eine Frage zum Thema Wolfsheim: Gibt es Hoffnung, dass die DVD zur Casting Shadows-Tour noch auf den Markt kommt?
PH: Von mir aus sehr gerne und jederzeit. Mehr...sag ich dazu nicht. (lacht)
sP: Du bist für das M’Era Luna bestätigt. Sind auch noch andere Festivals geplant?
PH: Geplant ja, aber es ist noch nichts wirklich fest. Es sollen auf jeden Fall noch mehr werden.
sP: Was macht Dir mehr Spaß – großes Festival oder kleiner Club?
PH: Kann man nicht vergleichen. Es ist eine komplett andere Situation. Es ist natürlich toll, vor einer Riesenkulisse zu spielen, aber auf der anderen Seite sieht man in Clubs und kleinen Hallen die Leute viel direkter. Das hat schon noch eine andere Qualität, die Reaktion der Leute in den Gesichtern lesen zu können. Bei einem Festival sind die Leute in der ersten Reihe schon 10 oder 15 Meter entfernt. Da sieht man nicht mehr viel, und wenn es dunkel ist, schon gar nicht. Vom Technischen her gibt es sich nicht viel. Es ist ein bischen leichter, auf einem Festival zu singen, weil Sound von außen nicht so stört. In Clubs ist das schwieriger, das ist ein akustisches Problem. Auf einer Wiese geht der Sound dahin, wo man will, in einem kleinen Raum ist das anders.
sP: Und vom Lampenfieber her?
PH: Neee...das ist immer Scheiße. (lacht) Das ist mal ein bischen mehr oder weniger, aber Lampenfieber hab ich immer. Es ist natürlich schon so, dass es einem mehr Angst macht, wenn mehr Leute da sind...aber das ist minimal.
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sP: Was hast Du sonst noch für Pläne für die nächste Zeit?
PH: Erst steht jetzt mal die Maxi an – und dann fang ich an, wieder Musik zu machen. Es gibt noch ein paar Projekte, die ein bischen liegengeblieben sind, weil ich mich um solo kümmern musste. Und ich werde auch schon wieder neue Stücke einspielen.
sP: Du arbeitest grade auch an Filmmusik?
PH: Ja, es wird einen Film geben. Ich kann noch nicht im Detail drüber sprechen, aber das ist schon ein interessantes Projekt. Ich habe ein Lied dazu beigesteuert, aber das Interessante für mich oder für die beteiligten Musiker ist, dass es nicht nur um den Soundtrack geht, sondern die Künstler treten auch auf. Das wird eine Art Collage, in der auch Musikvideos gespielt werden, die extra für den Film gedreht werden. Es ist eine deutsch-englische Co-Produktion mit deutschen und englischen Bands, das ist auch interessant, so ein Kulturaustausch innerhalb eines Films.
sP: Macht Dir Schauspielerei Spaß?
PH: (überlegt) Da muss ich sagen: Vielleicht. (lacht) Das, was an Schauspielerei bei mir bis jetzt stattgefunden hat, in den Videos – was relativ viel ist, offensichtlich traut man mir das wohl zu – ist immer ein bischen Hau-Ruck. Man kommt auf den Set, kann sich ein bischen vorbereiten, aber es gibt keine Proben und relativ wenig Besprechungen. Das was da stattfindet, denke ich mir spontan aus, oder mir wird eine kurze Anweisung gegeben und ich muss mir überlegen: OK, wie mach ich das jetzt im Detail. Man sagt Dir: Lauf mal darüber und dann mach mal das, aber in dem Augenblick, in dem man es machen muss, merkt man erst, dass es damit nicht einfach getan ist. Man läuft nicht einfach irgendwo hin. Man muss sich überlegen: Wie komm ich an, wie bleib ich im Kamerafeld, wohin muss ich mich drehen, das Licht fällt dann auch noch irgendwie, und dann ist so eine Kamera ja auch nicht die richtige Welt, sondern man muss sich anders geben, damit es am Ende normal aussieht, die eine oder andere größere oder auch kleinere Geste machen, weil die Kamera genau hinschaut oder man es eben nicht so genau sieht, das kommt sehr auf die Situation an. Ich würde mir mal wünschen, irgendwo wirklich schauspielern zu können, mit allem Drum und Dran, anständigen Besprechungen mit dem Regisseur und Proben, um hinterher zu wissen, ob es mir gefällt. (lacht) Im Moment muss ich sagen: Mir ist es ein bischen zu schwierig, auf diese Art und Weise zu schauspielern. Denn so spontan bin ich normalerweise nicht. Die Ergebnisse gefallen mir schon, also die Videos, wo ich ein bischen mehr spielen musste, Wir sind wir oder Die Flut oder Blind. Aber ich würde es gern so erleben, wie es eigentlich sein muss, um dann entscheiden zu können, ob es mir gefallen könnte.
Interview: Michaela Kaebe, Fotos: © Michaela Kaebe
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