|
Zu keinem Thema ist Christopher von Deylen a.k.a. Schiller bislang soviel eingefallen wie zum Thema 'Sehnsucht': Neben 31(!) neuen Songs auch noch eine DVD, eine Vinyl (die einen zusätzlichen Track enthält, damit sind wir dann bei 32) und ein Buch. Hier geht es aber 'nur' um die beiden CDs und die DVD. Also um die 'Super DeLuxe Edition', wie das gute Stück etwas unglücklich getauft wurde. Aber luxuriös kommt sie schon daher: Schuber, Hardcover-Buch im DIN A 5-Format, in dem die CDs und die DVD die Innencover zieren und ein 36-seitiges Booklet umschließen, das neben dem 'üblichen' Inhalt auch viele Fotos sowie Berichte von Christopher über das Zusammentreffen mit den Gastmusikern, seine Erlebnisse auf der Rallye Berlin-Kalkutta und seine Empfindungen bei Live-Auftritten enthält.
(c) Ben Wolf |
Musikalisch beginnt die Reise wie gewohnt: 'Guten Abend. Herzlich willkommen in der neuen Welt von Schiller. Schließen Sie die Augen, entspannen Sie sich...' Übrigens wieder in der 'Ur-Version' mit der Stimme von Franziska Pigulla. Das ist einerseits schön, andererseits fehlt dadurch leider der liebgewonnene Bezug zum Albumtitel.
Aber auch ohne die bekannte Begrüssung ist das 'Schiller-Feeling' sofort wieder da. Nicht nur, weil der erste Titel 'Herzschlag' das Grundthema von 'Nachtflug' noch einmal aufnimmt und so einen direkten Bogen zu 'Tag und Nacht' baut, sondern einfach, weil dieser Sound einfach unverwechselbar ist.
Es gibt aber auch deutliche Unterschiede. Zum einen ist die Musik ruhiger, noch sphärischer, auch trauriger geworden. Die 'Chill und Grill-Momente' sind deutlich rarer gesäht als auf vorherigen Alben, das Ganze wirkt einheitlicher - was den Versuch, sich beide CDs und die DVD mehrmals hintereinander am Stück anzuhören, ehrlich gesagt auch ein wenig anstrengend macht. Aber das muß außer dem armen Pressemenschen mit Termindruck ja auch keiner...
Zum anderen geht der Trend noch weiter weg von den reinen Computer-Klängen. Neu und sehr schön anzuhören: 'Echte' Streicher, im Fall des fantastischen 'In der Weite' sogar ein komplettes Orchester. Aber auch in 'Denn wer liebt' erklingt ein Cello, was dem Song zusätzliche Intensität verleiht. Gespielt wird es übrigens von Christian Kretschmar, dem Schillerfan bislang eher als Keyboarder (Live-Band) bekannt.
Was uns mehr oder weniger elegant zu den musikalischen Gästen bringt. Da sind mit Ralf Gustke, Tissy Thiers und Mickey Meinert die Mitglieder der 'besten Band der Welt' dabei. Mit Klaus Schulze DIE deutsche Elektronik-Legende - der Titel 'Zenit' ist auf der CD nur 'kurz' zu hören, aber auf der DVD in voller Länge (32:43!)
(c) Phiip Glaser |
Und dann wird noch gesungen und gesprochen - und das dafür, dass ursprünglich ein reines Instrumental-Album geplant war, reichlich. Ben Becker und Anna Maria Mühe rezitieren Byron, Grillparzer, de Troyes und - natürlich - Goethe. Und neben der schon zum Inventar gehörenden Kim Sanders, die wieder für zwei echte Highlights auf dem Album sorgt, und der vom 'Tag und Nacht'-Album bereits bekannten Jette von Roth sind sage und schreibe 8 Sängerinnen aus ganz Europa neu mit von der Partie. Und als 'Quotenmann' Xavier Naidoo, der den Titelsong zum Besten gibt.
Bei Naidoo hab ich, da muß ich ehrlich sein, einen blinden Fleck, ich komm mit seiner Art zu singen nicht klar, mit seinen Texten auch nicht. Das bleibt auch so, wenn mir die Musik dazu gefällt... Also schneller Themenwechsel, die Sängerinnen. Um es kurz und gemein auf den Punkt zu bringen: Sie fallen mehrheitlich in die Rubrik 'glockenhell gehauchtes Stimmchen', nett anzuhören, aber nun wirklich nicht weltbewegend. Hätten sich die beiden Damen aus der 'Stammbesetzung' die Titel geteilt, hätte dem Album in meinen Augen nichts gefehlt (zumindest musikalisch nicht, vom Standpunkt der internationalen Vermarktung natürlich schon), eher im Gegenteil. Ausnahmen: Stefenie Coker (aber mit dem Thema Weltmusik bin ich irgendwie auch durch) und - die positive Überraschung - Isis Gee. Die klingt zwar streckenweise auch verdächtig nach Clannad, kann aber zumindest auch anders. Davon hätte ich mir mehr gewünscht...
(c) Philip Glaser |
Fazit: Idealer Soundtrack für das Kino im Kopf und entspannte Autofahrten durch den Sommer, für Schiller-Fans ein Muß (und bitte unbedingt die 2 CD-Version, mir persönlich gefällt die zweite CD fast besser), der eine oder andere durch die letzten Alben dazugewonnene Fan wird vielleicht seine Schwierigkeiten haben. Anspieltipps kann ich mir schenken, die decken sich weitestgehend mit den Videos auf der
DVD: Und da kann man nur sagen: Hut ab!!! Sowas als 'Zugabe' zur CD zu packen ist schon Dienst am Kunden, die hätte auch einzeln ihre Käufer gefunden und wäre nicht mal überbezahlt gewesen. 10 Videos (übrigens ohne das fernsehbekannte 'Sehnsucht'!) zu den stärksten Titeln des Albums, sehr vielseitig und hochprofessionell umgesetzt (auch hier sticht 'In der Weite' wieder hervor, der gute alte Goethe scheint sehr inspirierende auf alle Beteiligten gewirkt zu haben). Ein sehr sehenswerter Reisebericht über die Rallye Berlin - Calcutta. Das bereits erwähnte 'Zenit' mit Klaus Schulze (optisch übrigens herzerfrischend simpel umgesetzt, aber seht selbst...). Interview und Photos. Und 4 Live-Titel aus dem Auftritt in Kiew mit der Radio Band Kiew. An dieser Stelle nehme ich übrigens alles zurück, was ich vorhin zum Thema 'Akkustische Instrumente veredeln Musik' von mir gegeben habe. Der Auftritt fällt eher unter die Rubrik 'Ja, interessant', aber ohne Orchester gefallen mir die Titel live besser.
A propos live: Wie 'Sehnsucht' live klingt, lest ihr im Mai hier.
© Michaela Suchlich
![stagePRESS - stories from beyond the [what you want]](/data/template/main/images/leer.gif)



