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Peter Heppner hat einen wunderbaren Alleingang hingelegt: melancholisch, melodisch – „solo“ klingt sehr nach Heppner und damit ganz anders, als man nach der Vorabsingle „Alleinesein“ hätte erwarten können.
Peter Heppner bei einem Promotermin zu Solo bei Radio Hamburg. Foto: M.Pawlas |
Ehrlich gesagt hatte ich hatte ein bisschen Angst vor dem ersten Hören. „Alleinesein“ ist nicht wirklich mein Fall – zu gut gelaunt, zu radiokompatibel. Irgendwie gefällt mir Peter Heppner besser, wenn er mit der Welt nicht im Reinen ist… Und der Gedanke „OK, Peter Heppner alleine ist mein Ding nicht – warte ich halt auf die neue Wolfsheim-CD“ hätte momentan auch wenig Tröstliches gehabt.
Also leichte Bangigkeit beim ersten Reinhören in die CD. Vorsichtige Hoffnung bei den ersten düster-elektronischen Klängen. Und dann diese Stimme, traurig, verloren, die von Wegen singt, die man nie gehen wollte. Und schon hat er mich wieder, komplett mit Gänsehaut und versunken-dämlichem Blick (hab ich mir sagen lassen). Mit den unsterblichen Worten von Dieter Thomas Heck: „Da ist er wieder. Der Peter. Der Heppner.“ (Anmerkung für die jüngeren Leser: Heck hat in meiner Kindheit (ist schon eine Weile her) eine Sendung moderiert, die hieß „Hitparade“. Das war so eine Art Vorgänger von „The Dome“, nur dass die Zuschauer da nicht so laut waren, dafür ihren Stars aber Blumen überreichen durften. Und seine etwas anderen Anmoderationen waren und sind legendär).
Er leidet. Er trauert und klagt und zürnt und sinniert über das Leben. Und das tut er noch immer so gut wie kaum ein anderer. Stimmlich einfach eine Liga für sich, textlich gewohnt brilliant, wenn auch gradliniger als früher. Die Zeiten, in denen „Metaphernentschlüsseln mit Peter Heppner“ als Hobby durchgehen konnte, scheinen endgültig vorbei zu sein. Obwohl es sich nach wie vor lohnt, genau hinzuhören und sich an der einen oder anderen Stelle ein paar Gedanken mehr darüber zu machen, was genau uns der Dichter mit diesen Worten sagen möchte…
Und die Musik? Mit einem Wort: wunderschön. Sehr ruhig, verträumt, melancholisch, eingängig, aber mit genug Ecken und Kanten und lustigen Kapriolen versehen, dass man schon nach dem zehnten Hören sagen kann, dass es einem wohl auch beim 100sten Hören nicht langweilig wird. Und obwohl eine ganze Menge Leute mitkomponiert haben, ist Musik „aus einem Guss“ entstanden.
Und nur weil es bei Kritiken zum guten Ton gehört, wenigstens ein bischen zu meckern: „I hate you“ finde ich persönlich weniger gelungen, und der Refrain von „Being me“ ist mir persönlich ein bischen zu bombastisch geraten (und definitiv zu laut)
Aber wenn ich dran denke, die Lautstärke an der betreffenden Stelle etwas zurückzunehmen, habe ich meine Musik für lange Spaziergänge durch den Herbst (und Winter vermutlich) für dieses Jahr gefunden. Unbedingte Kaufempfehlung!
Wer sich jetzt noch nicht langweilt, hier noch ein paar Worte/ Eindrücke zu den Titeln im Einzelnen:
Easy: Ja! Jaaaa!!!! Genauso hab ich mir das vorgestellt! Tolle Nummer, fantastischer Text. Und ein wunderschöner Schluß.
Alleinesein: Da kann man zu schunkeln! ;-) Nette Sommernummer, aber eben NICHT das, was ich mir so vorgestellt habe. Das können „Wir sind Silberjuli“, ehrlich und in aller Härte gesagt, besser.
Suddenly: Das wiederum kann kein anderer besser. Emotional, tottraurig, unglaublich schöner Text. Und kann bitte mal jemand Dirk Riegner einen Orden für die schönsten Balladen überhaupt verleihen? Für mich die schönste Nummer des Albums.
Vorbei: Für Streicher bin ich ja immer zu haben. Für gute deutschsprachige Titel auch. Eine Nummer, die man sich hundertmal anhören kann und immer noch eine neue musikalische Spielerei entdecken. Meine Lieblingsstelle im Moment: Der abgewürgte Ton vor „Es ist vorbei“. Großartig!
Being me: Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust. Die Strophen find ich zum Niederknien schön, musikalisch wie textlich. Der Refrain ist mir in Musik und Text zu drastisch, zu plakativ.
I hate you: Peter Heppner kann ja kalten Hass in seine Stimme packen, dass man sogar als unbeteiligter Zuhörer das Genick einzieht. „Auf ein Wort“ ist DAS Paradebeispiel. Dagegen ist das hier für mein Empfinden eher ein „Ich find Dich irgendwie nicht nett“. Und der Text? Nö, die Latte für Peter Heppner liegt einfach höher. Schade.
No matter what it takes: Na bitte, doch noch was für die Romantiker unter uns. Wobei ich noch am Rätseln bin, ob in der Kombination „I never make a promise that I can not keep“ und dem Versprechen im Refrain nicht doch etwas Ironie versteckt ist. Wer versteht schon einen anderen Menschen?
Walter: Sagen wir es so: Diese Rezension wäre früher online gewesen, hätte ich nicht auf einmal das Bedürfnis gehabt, mich bei der einen oder anderen Freundin aus frühester Kindheit mal wieder zu melden…
Wherever: FAST hätte er mich gehabt! Die verträumte Melodie (erinnert das nur mich an den Herbig Mix von „Blind“?), die samtweiche Stimme…es hat ein bischen gedauert, bis ich dahintergestiegen bin…
Das geht vorbei: Ein legitimer Nachfolger von „Kein zurück“. Ein Titel, der einen je nach Tagesform hoch- oder runterziehen kann. Und ein schöner Schlusspunkt. Und wenn mir einfällt, wo ich die Streicher schon mal gehört habe (es liegt mir auf der Zunge und macht mich irre…kennt ihr das?), trag ich es nach.
Text: © Michaela Kaebe
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