
01.11.2006, Prime Club Köln. Der kleine Club ist noch von der Halloween-Party der vergangenen Nacht in Spinnweben gehüllt und mit Kreuzen verziert, und die, mehrheitlich schwarz gekleidete, mehrheitlich weibliche und überdurchschnittlich junge Besucherschar wartet auf Zeraphine. Leider wartet sie relativ lange (geplanter Beginn: 20 Uhr, Ist: 20.30 Uhr), und leider hat man nur eine CD im Tagesangebot - nichts gegen Evanescence, wirklich nicht, aber Dauerrotation muss nicht sein.
Endlich betreten Entwine die Bühne, was in Anbetracht der Größe der Band (5 Leute) und dem geringen Platzangebot auf der Bühne (die nicht grade groß und mit zwei kompletten Schlagzeugen gut gefüllt ist) schon fast "Wetten dass..."-Format hat. Entwine kommen aus Finnland und wandeln musikalisch (es scheint unvermeidlich zu sein) deutlich auf den Spuren von HIM. Gut, es klang nicht schlecht, und es war auch lustig anzuschauen (besonders der Kontrast zwischen den 4 Mannen, die sich so richtig verausgabten, und Keyboarderin Riita, die meist feenhaft-verträumt ins Weite blickte) - aber irgendwo im Land der 1000 Seen muss es doch noch eine Band geben, die irgendwie was anderes macht? Wie dem auch sei, der Menge gefiel es, es wurde eifrig mitgesungen und mitgerockt, und eine kurzweilige halbe Stunde später waren wir wieder bei - erraten - Evanescence angelangt.
Dann aber wurde es dunkel, und 4 schemenhafte Gestalten schlichen im blauen Gegenlicht auf die Bühne. Nach dem Intro gab es dann wieder mehr Licht, Sven und Die Macht in Dir. Optisch waren (schließlich war grade Halloween) Totenköpfe das beherrschende Thema, zumindest trug Michael einen auf dem Shirt und Sven drei auf dem Hosenboden spazieren - ich persönlich würde zukünftig wieder zum Rock raten, aber das ist Geschmackssache, und schließlich waren wir zum Musikhören da und nicht zur Modenschau.

Und die war wieder mal einfach gut, auch wenn es einige kleine Aussetzer gab, so zum Beispiel bei Still, wo der gemeinsame Einsatz nicht klappen mochte (hinreißend und urberlinerisch kommentiert von Sven: "Zum Glück habt ihr det ja noch nich so oft jehört"). Die aktuelle CD wurde fast komplett abgehandelt (wenn auch mit Out of the void und Gib mir Dein Gift zwei der meines Erachtens stärksten Stücke leider fehlten), und natürlich gab es auch die "Must Haves" wie Be my rain, Kaltes Herz, Die Wirklichkeit und den traditionellen "Rausschmeißer" Wenn Du gehst (mit wesentlich prägnanterem Schlagzeug genial neu interpretiert), der diesmal allerdings bereits den Hauptblock beendete.
 |  |
|
Vorher gab es aber noch zwei echte musikalische Highlights: Zum einen die wunderschöne Ballade Halbes Ende aus dem neuen Album, sehr schön neu arrangiert für drei Gitarren (Kommentar von "Gastgitarrist" Sven: "So, jetzt spielen wir Johnny Cash") und natürlich die traditionelle Coverversion, die auf keiner Tour fehlen darf. Dieses Jahr "vergriff" man sich wieder an Depeche Mode, es gab Walking in my shoes - und die doch ziemlich großen Schuhe aus Basildon passten, Respekt!
 |  |
|
Bei Sterne sehen im Zugabenblock leuchteten wie immer die Wunderkerzen im Publikum, und beim letzten Refrain lieferte Manuel, der den ganzen Abend wunderbare Backing Vocals gesungen hatte, eine zweite Stimme zum Staunen. Dieser hatte auch immer wieder versucht, mehr Bewegung ins Publikum zu bringen, was leider immer nur kurzzeitig gelang, so dass seine Frage zu Beginn der zweiten Zugabe: "Ist das hier der berühmte Kölner Karneval?" nicht unberechtigt war, aus dem Publikum aber mit einem "Der fängt erst am 11.11. an, Du Depp" sehr unhöflich abgeschmettert wurde. Die "Strafe" folgte auf den Fuß: die eigentlich geplante letzte Zugabe, For a moment, entfiel. Schade...
Text und Fotos: © Michaela Suchlich