Wolfsheim sind momentan erfolgreich wie nie zuvor: Gold für die CD "Casting Shadows", Platin für die Single "Kein zurück", ein Echo und eine ausverkaufte Deutschland-Tournee 2003 sprechen für sich. Am 8. Mai gastierten die beiden Hamburger in London.
Ein erwartungsvolles Raunen geht bei den Klängen von "In Time" durch die Menge und geht in frenetischen Jubel über, als Wolfsheim die Bühne betreten. Markus Reinhardt stellt sich an sein Keyboard, Peter Heppner legt seine Textmappe aufs Stehpult, begrüßt das Publikum und beginnt zu singen. Und da steht er und singt. Ausschließlich, was auf den einen oder anderen, der Wolfsheim das erste Mal live sieht, etwas ungewöhnlich wirkt. Keine Tanzeinlagen, keine Publikumsanimation, kein Hinweis darauf, wann man nun mitklatschen soll? Eine Irritation, die allerdings schnell verfliegt... Die unverwechselbare Stimme, live fast noch intensiver und emotionaler als auf CD, die Musik und die wunderschöne Bühnenbeleuchtung schlagen das Publikum vom ersten Titel an in ihren Bann.
In Sachen Bühnendekoration reisen die Herren mit "leichtem Gepäck": Die von der Deutschland-Tour bekannten Lichttürme (die schnell den Spitznamen "Tetris" weghatten) wurden durch zeltartige Konstruktionen ersetzt, auch auf die eindrucksvollen Windräder und die damit verbundenen pyrotechnischen Effekte musste verzichtet werden. Das wichtigste "Requisit" der Show hatten die Herren allerdings mitgebracht: Carsten Klatte und Achim Färber (beide Project Pitchfork), die einen Teil der neuen Songs und einige der alten Klassiker mit Gitarre und Schlagzeug begleiten und ihnen eine ganz eigene Spannung und Dynamik verleihen.
Musikalisch wurde allerdings alles geboten, was das Herz begehrt: neben allen (!) Titeln der aktuellen CD auch viele der alten Hits, natürlich die alte/neue Single "Blind", das umjubelte "The Sparrows and the Nightingales", "Lovesong", "This time", "Künstliche Welten" ...
Letzteres kam übrigens wie alle deutschen Songs bei den Fans von der Insel sehr gut an, die leise Befürchtung, es könnte ein Fehler sein, mit "Wundervoll" direkt als zweiten Titel etwas "Fremdsprachiges" zu spielen, war unbegründet. Besonders heiß ersehnt und immer wieder durch Zurufe eingefordert: Kein zurück, das die erste Zugabe einläutete.
Leider spielte die Technik, besonders gegen Ende des Konzertes, nicht hundertprozentig mit, was zwar der Stimmung der Zuschauer keinen Abbruch tat, auf der Bühne aber an den Nerven gezerrt haben muss...so sehr, dass man eigentlich nach der ersten Zugabe entnervt aufgeben wollte. Manchmal hilft lautstarkes Betteln aber doch, und so geschah, was eigentlich nie passiert: das Saallicht wurde wieder gelöscht und die Beharrlichkeit der Fans durch "Once in a lifetime" belohnt.
Wer Wolfsheim live erleben möchte, hat dieses Jahr noch einige Male die Gelegenheit dazu:
07.08.: Hildesheim, M’Era Luna Festival
14.08.: Berlin, Museumsinsel (Vorgruppe: Mohnblau)
20.08.: Gelsenkirchen, Amphitheater
Autor: MS / stagePRESS
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