
Köln, Live Music Hall, 11.09.2011: Ein allergiegeplagter Ronan kämpft sich tapfer durch ein trotzdem großartiges Konzert - und Köln streckt die Hände zum Himmel.
Es ist Herbst geworden. Die Zugvögel verabschieden sich gen Süden, und auch die Musiker verlassen die Open Air Arenen und kehren in die winterlichen Höhlen...äh Clubs zurück. Wobei die Wetterlage dort nicht jedem gut bekommt - aber dazu später.
Gesundheitlich durchaus auf dem Damm waren nämlich die Herren von Straftanz, a.k.a. die Band mit dem pinkfarbenen Einhorn. Zumindest ging es munter und gut gelaunt zu auf der Bühne, und es wurde auch schon mal mit dem Publikum wechselseitiges Schreien (Geld - TURBO, Macht - TURBO usw.) geübt. Sollte sich im Laufe des Abends noch als wichtig erweisen.

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Ein ordentliches VNV Nation-Konzert beginnt mit einem Instrumental-Intro, so auch auf der Automatic-Tour. On-Air heißt es und bescherte dem Zuschauer feierlich-erhabene Momente, garniert mit Pfeif- und Quietschtönen (am 16.09. erscheint das Album, dann kann sich jeder selber einen Eindruck verschaffen - auf der Tour wird es übrigens schon verkauft, noch ein Grund mehr, hinzugehen). Aber dann ging es mit Chrome musikalisch gleich richtig zur Sache - und der geneigte Fan merkte sofort: Da stimmt was nicht. Heiser war Ronan, so krächzig, dass man im ersten Moment befürchten musste, dass er keine zwei Lieder durchhält. Aber halb so schlimm, beruhigte er die besorgten Fans, nur eine Allergie - gegen Bühnennebel! Zum Glück nur eine ganz bestimmte Sorte, wäre ja schade, wenn der Meister berufsunfähig würde. Und er versprach tapfer, trotzdem sein Bestes zu geben. Hat er gemacht. Und trotz allem beim Singen zu bleiben und nicht zu rappen. Hat er nicht gemacht.
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So beruhigt konnten die Fans dann anfangen zu feiern - und gefeiert haben sie! Alte Lieder wie neue. Davon gab es einige, Space & Time (in der, wie Ronan meinte "Black Metal Vocal Version", die wohl exklusiv diesem Abend vorbehalten bleiben wird), Resolution, Gratitude und das grandios-sentimentale Nova. Überhaupt gab es erstaunlich viel zu kuscheln an diesem Abend, was die Pärchen auch genossen. Der Rest konnte ja schunkeln, macht der Kölner immer gern. Und die Hände zum Himmel strecken.
"Share this moment" riet Ronan seinen Fans. Und sie taten es. Ob es nun darum ging, akkustische La Ola-Wellen durch den Club zu jagen, oder abwechselnd recht und links zu singen ("Klingt ein bischen wie die Teletubbies" meinte Mr. Harris). Und zum oben erwähnten Wechselgebrüll kam es auch noch: I WANT - CONTROL!!! Übrigens die neue Single. Hat allen viel Spass gemacht, der Stimme von Ronan aber fast den Rest gegeben.

Und so überlegte er kurz, ob er den Rest des Konzertes nicht als Stummfilm abhalten sollte - er bewegt die Lippen und macht ein dramatisches Gesicht, und jemand hält Texttafeln hoch. Könne er sich bei Nemesis besonders gut vorstellen. Finde ich eigentlich eine interessante Idee - als Bonus für die nächste DVD?
Aber er presste seiner geplagten Kehle dann doch noch einige Songs ab, eine neu arrangierte Version von Legion, Beloved natürlich und Perpetual.
Alles in allem ein gelungener Abend, trotz Handicap. Wobei man ja ehrlich sagen muss, die Faszination von Ronans Stimme macht sich ja nicht unbedingt am glockenrein gesungenen hohe C fest. Aber trotzdem muss man ihm recht geben: Auf der CD klingen die neuen Songs besser. Aber mehr Spaß macht es live!
Text und Fotos: Michaela Kaebe