The Mission: The Last Chapter, Köln

Fan-Shirt

Fan-Shirt

Es gibt Abschiedstourneen, da sagt man sich hinterher: 'Hätte nicht sein müssen...Eine nette Pressemitteilung hätte es auch getan.' Und es gibt solche, da fragt man sich, warum in aller Welt sich eine Band auflöst, deren Mitglieder solche Auftritte auf die Bühne bringen.

Die 'Last Chapter'-Tour von The Mission gehört definitiv in die zweite Kategorie.

Auch technische Probleme, die zu einer Wiederholung des Soundchecks und damit zu deutlich verspätetem Einlass der zahlreich erschienenen Fans zwangen, taten der Stimmung keinen Abbruch, weder auf noch vor der Bühne.



Als Special Guests haben sich The Mission für die gesamte Tour die 'Dead Guitars' mitgenommen. Merkwürdiger Name für eine Gitarrenband, die zudem nun wirklich nicht leblos klingt und noch nicht mal gruftig-morbide ist...das ist aber auch schon das Einzige, was es da zu bemäkeln gibt. Wer sich je gefragt hat, wie The Cure klingen würden, wenn sie grade mal nicht das gesamte Leid der Welt geschultert hätten, sondern einfach das Frühlingserwachen genießen würden, dem sei diese Band wärmstens ans Herz gelegt. Und allen anderen auch...vor allem live. Professionell und ungemein sympathisch, man möchte kaum glauben, dass es sich um eine Newcomer-Band handelt (ok, damit ist der müde Gag für diesen Bericht verbraten, die Mitglieder des Trios sind alle schon ein Weilchen musikalisch tätig, unter anderem bei Twelve Drummers Drumming und The Convent).


Der Hauptteil des Abends begann mit sehr ungewohnten Tönen. Wen es übrigens interessiert, das Stück heißt 'The Dambuster's March' (ja, ich bin ein musikalisch unbemein vielseitig gebildeter Mensch, fragt nicht... ;-)) Das folgende klang vertrauter und angenehmer: mit 'Beyond the Pale' ging es gleich mal ganz weit in die Vergangenheit. So war es auch ganz passend, dass Wayne Hussey sich beeindruckt zeigte, wie viele Kölner lieber ihn als HIM sehen wollten, die Erklärung aber direkt selbst lieferte: "You and me, we are waaay to old..."


Gut, Wayne mag zu alt sein, sich Texte zu merken (sehr nett die Bitte nach mehr Licht, um lesen zu können...), zu alt für einen richtig guten zweistündigen Auftritt ist er nicht! Und auch das Publikum ließ sich nicht hängen, konnte auch ohne Text lauthals mitschmettern und feierte die Band nochmal so richtig.


Und mitten im Konzert passierte dann etwas, was sich wohl auch die wenigsten Bands trauen würden - man ließ die Setlist Setlist sein und das Publikum Wünsche äußern. DAS muß man auch erst mal hnkriegen. Übrigens, ich hab die Setlist gesehen, das war kein Gag, die sah tatsächlich anders aus.

Der Hauptteil endete mit Deliverance - gut geplant, ich finde es immer schöner, wenn das Publikum was hat, dass es statt des drögen 'Zu-ga-be' einfach weitersingen kann.

Und die Zugaben hatten es dann noch mal richtig in sich! Zuerst gab es etwas, was es so live noch nie gab ...O-Ton: "If I fuck this up, you sing along, alright?" War nicht nötig, die Version von 'Garden of Delight', nur Wayne, begleitet von Streichern (leider vom Band) war zum Niederknien. Der Block blieb gefühlvoll, in der zweiten Zugabe gab man dafür noch mal Dampf (Blood Brother) - und dann RICHTIG Dampf (1969 und Shelter from the storm).




Tja, und dann verließ die Band kommentarlos die Bühne. Ende des letzten Kapitels? Noch nicht ganz...als nun wirklich allerletzten Song gab es 'Tower of Strength'...und ein Dankeschön von einem auf die Knie gesunkenen Wayne Hussey an die Fans für 'a fantastic journey'. Das kann man nur so zurückgeben!

Ach ja: Ein drolliges Outro gab es auch noch. Übrigens von keinem Geringeren als Frank Sinatra, 'High hopes' heißt das Liedchen...

Text und Fotos: © Michaela Kaebe