Putzige Kerlchen und fieses Pfeifen

Putzige Kerlchen und fieses Pfeifen

Solar Fake: Broken Grid Tour

Köln, Underground, 18.10.08

Er ist momentan der Hansdampf in allen Gassen…oder besser auf allen Bühnen: Sven Friedrich. Eben noch mit Zeraphine und/oder den Dreadful Shadows und/oder Solar Fake auf jedem Festival des Sommers und nun schon wieder auf der Clubbühne. In Köln hat er mit "Solar Fake" ein Konzert der Extraklasse abgeliefert.

Ich weiß nicht, wie es anderen geht – die ersten kleinen Konzerte nach der Festival-Saison sind immer etwas ganz spezielles. Nach „ihr da oben – wir da unten“ wieder Musik quasi auf Augenhöhe, das hat was!


Für den Künstler natürlich nicht nur Vorteile. „Der bringt mich total aus dem Konzept“ kommentiert Sven halb lachend, halb verzweifelt seinem „menschlichen Vocoder“ * gegenüber einen sehr aktiv partizipierenden Anhänger in der ersten Reihe, der immer für eine Zwischenbemerkung gut war.

(* Man lernt ja nie aus…ich dachte wirklich, Sprachverzerrung geht inzwischen über Knöpfchen am Mikro, aber bei Solar Fake gibt es dafür einen eigenen Bühnenschaffenden.)



Doch es sollte noch ärger kommen für den sympathischen Berliner. Plötzlich zuckte er zusammen, die Hand schoss an den Rücken – Hexenschuß? Nein, „fieses Pfeifen“ aus dem In Ear Monitor. Zum Glück war ein Ersatzgerät zur Hand, das allerdings auch nicht tat, wie es sollte… Also weg mit dem Kram, kurzer Sicherheitshinweis ans Publikum „Wenn ick jetzt keenen Ton mehr treffe, kann ick nüscht dafür“ und weiter im Text. Nun, er traf – die Töne und auch einen Nerv beim Publikum, das nach diesem kleinen Zwischenfall deutlich aufgelockerter schien. Zumal es auch einen sehr sympathischen „Stargast“ gab: Bei „I keep my Eyes shut“ wurden die Stropen von einem computeranimierten Männchen auf der Leinwand „gesungen“, Sven kam immer nur zum Refrain auf die Bühne. Hübsche Idee und sehr niedlich umgesetzt.



Überhaupt wurde Konzertkunst auf hohem Niveau geboten. Schönes Licht und fantastisch gemachte, abwechslungsreiche und sehr originelle Videoprojektionen schufen eine Bühnenatmosphäre, an der sich manch größere Produktion eine Scheibe abschneiden kann. Und dazu natürlich Sven. Tolle Stimme, sympathische Ausstrahlung, umwerfende Mimik, da passt einfach alles. Insbesondere „Stigmata Rain“ war sehenswert – wenn jemand für einen Spielfilm einen überzeugenden „netten Psychopathen“ sucht, mir fiele einer ein! Weitere Sonderpunkte für spektakuläre Effekte gibt es für den beherzten Sprung auf die Bühne bei „Lies“. Sowas sieht man normalerweise nur bei Bands, die mit Tanzcoach üben…da allerdings nicht, weil sie ihren Einsatz verpassen. ;-)


Leider ist dem Auftritt einer Band mit erst einer CD ein recht frühes naturgemäßes Ende gesetzt, oder mit den Worten des Künstlers: „Wer mitgezählt hat, das waren jetzt 11 Lieder. Auf unserer CD sind 12. Wir kommen jetzt also zum letzten Song.“ Es sei denn natürlich, man spielt als Zugabe einfach das halbe Album noch mal. Und wäre es nach dem Publikum gegangen, wären die restlichen Songs auch gern noch mal genommen worden…

Text und Fotos: © Michaela Kaebe