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Bergheim, Medio.Rhein.Erft, 3. Februar 2011
Schiller-Altfans werden sich erinnern - es gab mal eine Zeit, da war Christopher von Deylen ausgesprochen bühnen-unaffin. Zu Zeitgeist gab es gar keine Live-Auftritte, zur Weltreise dann immerhin einen vor geladenen Gästen, zu Leben sollte es einen einzigen Live-Showcase in Berlin geben... Tja, und seither ist der Mann von der Bühne scheinbar nicht mehr runterzuzerren. Zum Glück!
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Vor allem auch deshalb, weil er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht, sondern immer nach neuen Spielarten sucht, seine Musik zu präsentieren. Nun also, nach der Atemlos-Tour 2010 in der großen Halle mit Band und zahlreichen Gastsängern "Elektronik pur", in relativ kleinen Sälen und bestuhlt. "Ich möchte dem Klang einen Raum geben", beschreibt Christopher von Deylen das Konzept.
Und das ist gelungen. Es passt auch wirklich alles zusammen: Atemberaubender Surround-Sound trifft auf minimalistisches Bühnenbild. Schönes Licht, aber sehr zurückgenommen, keine Diashow, kein visueller Schnickschnack. Nur vier schwarzgekleidete Menschen auf der Bühne (neben Christopher: Christian Kretschmar an den Keyboards sowie Ralf Gustke und Cliff Hewitt an den elektronischen Drums) - und die Musik
Und eine spannende Erkenntnis: Konzerte im Sitzen sind gewöhnungsbedürftig, wenn es nicht gerade Klassik ist. Bei den schnelleren Stücken kämpften einige Zuschauer, so schien es, gewaltig mit ihrem Bewegungsdrang - was sich dann in heftigem Kopfnicken, -schütteln und -drehen niederschlug. Und irgendwie hatte man das Gefühl, jeder wartet, bis sich ein anderer traut, aufzustehen.
Entspannter sass es sich bei den ruhigen Stücken. Da hatte es viel schönes, sich einfach bequem (ok, relativ bequem, wir sprechen vom Stadthallen-Standardstuhl) zurückzulehnen und die Musik auf sich wirken zu lassen. Oder mal etwas zu tun, wozu man selten die Gelegenheit hat: Schlagzeugern bei der Arbeit zugucken. Normalerweise stehen die ja immer irgendwo im Hintergrund rum, hier waren sie mal ganz vorne. Und dann gleich zwei. So konnte man beobachten, dass es sowohl die Variante "Konzentriert und weltentrückt" (Ralf) als auch den Typ "locker mitswingend und mit Spass bei der Sache" (Cliff ) gibt.
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Ebenfalls ungewohnt: Nach einer Stunde verließen die Musiker die Bühne. Und im Zuschauerraum guckte man sich einigermaßen ungläubig an, bis es hieß: Pause von 15 Minuten. Hätte ich persönlich nicht gebraucht, aber es wird sich schon jemand was dabei gedacht haben.
Nach der Pause schien alles noch etwas intensiviert. Die Lautstärke hatte sich gesteigert, die Lichteffekte wurden ausladender (hatte streckenweise was von Suchscheinwerfern durchs Publikum) und das Mithibbeln auf den Plätzen ausgeprägter. Bei Glockenspiel hielt es endlich die erste Dame auf den Rängen nicht mehr auf ihrem Platz: Jubelnd sprang sie auf und begann zu tanzen. Was ihr einen erfreut-belustigten Blick von Christopher einbrachte - aber keine Nachahmer. Zumindest traute sich das Restpublikum aber - nachdem es applaudierenderweise in die "In diesem Lied ist eine Pause versteckt"-Falle getappt war - einfach weiter mitzuklatschen. Was optisch ein bischen was von Musikantenstadel hatte.
Und dann kam der große Auftritt der Reihe 1: Hei mat ha fen stand auf den Plakaten, die sich hochhielten. Und sie bekamen ihren Wunsch erfüllt (den Namen verdankt der Song übrigens der Location des ersten Elektronikkonzertes, nicht dem derzeit herrschenden Trend zu Maritimen). Sprangen begeistert auf - und rissen einen Großteil der Halle mit. Endlich!
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Text und Fotos: Michaela Kaebe
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