
Der Abend begann für viele Fans im wahrsten Sinne des Wortes „frostig“. Trotz Minusgraden hatte sich lange vor Einlass eine große Zahl erwartungsvoller Fans eingefunden und bibberte dem Konzert entgegen. Der von einer mitleidigen Seele aus dem Jolly Joker gestiftete Kaffee wurde sehr gerne angenommen. Leider wurde dieser erste positive Eindruck später für viele Fans dadurch geschmälert, dass Kameras konfisziert wurden und diejenigen, die nicht „erwischt“ worden waren, beim Versuch, Bilder zu machen von der Security barsch zurechtgewiesen wurden...untypisch für Schillerkonzerte und, wie Christopher von Deylen nach dem Konzert erläuterte, von ihm weder angeordnet noch gewünscht.
In der Halle empfing die durchgefrorenen Konzertbesucher schon eine wunderschöne Atmosphäre: das bereits vom ersten Teil der Tournee im Frühjahr bekannte Konzept der Einlassmusik wurde mit neuen Kompositionen fortgesetzt, so dass die Wartezeit angenehm überbrückt wurde.
Plötzlich ein vielstimmiger Schrei aus dem Backstage-Bereich...wer die "Schiller live erLEBEN"-DVD besitzt, kennt das Ritual: die Band stimmt sich ein, es geht los!
"Herzlich willkommen in der neuen Welt von Schiller..." - die Stimme von Franziska Pigulla geht im Begrüßungsapplaus fast unter, und bereits die ersten Töne von Schiller bringen Bewegung in die Halle.
Die Spielfreude und der Spass an der Musik, die die beste Band der Welt auf der ganzen Tour ausgezeichnet haben, schlugen gegen Ende der Tour besonders hohe Wogen...da wurde miteinander und mit dem Publikum geflachst und rumgeblödelt, dass man vor Lachen und Szenenapplaus schon einmal aus dem Tanzrythmus geraten konnte. Der Perfektion der Musiker tat es jedoch keinen Abbruch!

Mit der im Vergleich zu den anderen Konzerten sehr kleinen Bühne kam die Band erstaunlich gut zurecht, wenn man sich auch stellenweise um die Gesundheit der Künstler Sorgen machte...es war beängstigend, den wild hüpfenden Tissy so nah neben dem am Boden seine Gitarre malträtierenden Mickey zu beobachten, zumal er auch dem Bühnenrand gefährlich nahe kam.

Wie immer ein Highlight der Show: die Gastsänger. Kim Sanders, die die Zuschauer mit Charme und umwerfendem Humor in die soulige Welt von Chickenwings und Caiphirinja entführte und die Halle mit „Delicately yours“, unterstützt von Christoph „Sarah B.“ Papendiek, zum Träumen brachte. Anke Hachfeld alias MiLù, die das Publikum mit ihrer wunderbaren Stimme und ihrer Wandlungsfähigkeit verzauberte: mal lasziver Vamp, mal neugieriges kleines Mädchen, dann wieder selbstvergessene Tänzerin...und der frenetisch bejubelte Peter Heppner, der, glänzend gelaunt und ungewöhnlich locker, den Zuhörern einmal mehr Gänsehaut auf die Arme sang.
Aber auch für die Instrumentalstücke galt: wer gedacht hatte, er erlebt hier ein ruhiges, entspanntes Chillout-Konzert, wurde schnell eines besseren belehrt. "Braunschweig rocks" sagte Kim Sanders, und recht hatte sie.
Besonders hervorzuheben die fantastische Klangqualität: ich habe vor Schiller noch nie ein Dolby Surround-Konzert gehört, das ist schon ein Erlebnis der besonderen Art – besonders faszinierend beim "Glockenspiel", als die Glocke wirklich über den Zuschauern zu schweben schien...

Abschlußkonzerte haben oft eine eigene Intensität, aber was im Zugabenblock an Emotionalität aufkam, war schon etwas besonderes: war die Stimmung bei "Ruhe", bei dem die Musiker wirklich das letzte aus sich herausholten, und "I've seen it all", als Kim Sanders die Halle zu begeisterten "Everybody say yeah, everybody say Schiller, everybody say Christopher!"-Rufen anleitete, noch unglaublich ausgelassen, wurde vor der letzten Zugabe den Künstlern und den Zuschauern schlagartig klar, dass nun unwiederbringlich das Ende naht. Peter Heppner bedankte sich bei Christopher von Deylen dafür, dass er den Traum, Schiller live zu erleben, wahr werden ließ, und sorgte für feuchte Augen auf und vor der Bühne, bevor dann letztmals "Dream of you" in der von allen drei Gastsängern gemeinsam vorgetragenen Version folgte. Dass die Tour für alle ein ganz besonderes Erlebnis war, zeigte sich auch daran, dass, wie schon in Erfurt, wieder einige Fans nach dem Konzert die Bühne "enterten", um sich im Namen der gesamten Fangemeinschaft mit kleinen Geschenken persönlich zu bedanken.
Es bleibt das Versprechen von Christopher von Deylen, bis zur nächsten Tour keine vier Jahre verstreichen zu lassen, und die „Schiller live erLEBEN“-DVD und CD zur Erinnerung oder zum Appetit holen für die nächste Tour.
Text: © Michaela Suchlich, Magdalena Pawlas
Fotos: © Magdalena Pawlas
Video: © Michael Vogel