|
Lange wurde an diesem Projekt gefeilt und nun sind die Piraten auf Tour. René Baumann, alias "Kchäptn", ist gemeinsam mit seiner 25 köpfigen Crew unterwegs durch Deutschland und die Schweiz.
Betritt man die TUI-Arena fallen einem zuerst die Menschenmengen auf. Mit etwa 6000 Besuchern ist das Konzert beinahe ausverkauft. Klingt wenig. Ist es für diese Halle im Grunde genommen auch, jedoch ist Pirat Bobo da selber schuld. Schaut man nämlich in die Halle, so wird einem bewusst welch umfangreiches Programm einen erwartet. Ein 32 Meter langes Piratenschiff ragt in den Zuschauerraum hinein. Eine Bühne wie man sie wohl selten sieht.
Nach etlichen Minuten Werbung taucht Nicole da Silva aus dem Schiff auf. Im Vorfeld der Tour, als es um die Auswahl der Vorgruppen ging, war DJ Bobo noch ein wenig skeptisch als er Nicole da Silva in die engere Wahl zog. Erst als das Management von Nicole erklärte, mit eigener Band auftreten zu wollen, sodass nichts vom Band kommt, war René überzeugt, dass die junge Portugiesin mehr als nur für den Playboy posen kann.
|
Die zweite Vorgruppe ist schon ziemlich erfahren im Business. Ehemals als "Magic Artists" unterwegs, traten sie nicht nur als Vorgruppe auf, "Virus Incorporation" unterstützen die Piratencrew während der kompletten Show. Neben dem bekanntesten Release von Virus Inc. "Heaven is a place on earth" (Cover von Belinda Carlise) sorgten die Tänzer. Erst in einem Trainingsanzug angezogen, später in Jeans und einem schlichten "Unterhemd" (Feinripp von Schiesser?!), standen sie am Ende des ersten Songs oben ohne da. Die zerrissenen Hemden waren in den ersten Reihen heiß begehrt. Heiß war ohne Zweifel auch die Performance. Jedoch hatte ich ein wenig Sorge um die jungen Herren auf der Bühne. Feuerspuken mit einem Feuerzeug ...
|
Nach einer kurzen Werbepause begann die Piratenshow. Auf den Leinwänden rechts und links von der Bühne wurden die Zuschauer über eine Präsentation begrüßt und angeheizt, bis auf einmal DJ BoBo auftauchte. Los ging die Show - wie soll es auch anders sein - mit "Pirates of Dance". Bereits beim ersten Song war das Publikum voll bei der Sache. Spätestens bei "I belive" hatten sich alle Zuschauer mindestens einmal von ihren Sitzplätzen erhoben. Nach zwei Song folgte eine persönliche Begrüßung des Oberpiraten folgte und sorgte für ein breites Schmunzeln im Publikum. Als die Zuschauer auf die Frage "Geht's euch gut?" mit einem Applaus und gemischten Geschrei diverser Wortlaute antworteten gab es von Bobo eine Ermahnung. "Piraten ... Ihr seid zwar wilde Piraten auf unserer heutigen Insel, aber das heißt 'Ai, ai Captain'."
|
Das soll es an Comedy aber noch nicht gewesen sein. Immer wieder wurde Bobo zum "Märchenerzähler" und las von seiner Schatzkarte (die man für 20 Euro am Merchandising stand kaufen konnte ... das Tourbuch) eine kleine Geschichte - über die Reise nach Garunga, der verwunschenen Pirateninsel. Immer wieder durfte sich während dieser kleinen Geschichte das Publikum einbringen, in dem es immer den letzten Satz mit einer entsprechenden Tat untermalt. Als es um Blitz und Donner ging durften alle Zuschauer gleichzeitig mal in Richtung Bühne blitzen - da wurde der Lichttechniker neidisch ... Als es ums Frieren ging war aber die Piratencrew definitiv im Vorteil, entsprechend auch die Einweisung von Bobo "Ihr habt in Hannover wohl keinen richtigen Winter? Also bei uns hinter den Bergen in der Schweiz friert man so: Bzrzrzrzzzzrz".
Die Auswahl an Musikstücken war neben der amüsanten Zwischeneinlagen aber natürlich nicht außer Acht zu lassen. Sehr bewegend die Worte vor dem Stück "No matter what people say". René hat diesen Song für ein behindertes Mädchen geschrieben, das er vor einigen Jahren getroffen hat. Ihr Schicksal hat sie zu dem Song bewegt. Musikalisch war für mich persönlich der zweite Konzertteil ein Highlight. Überwiegend wurden hier die "alten" Stücke gespielt und das Publikum war in Feierlaune. Die Eurodance Klassiker wie "Somebody dance with me" hoben alle Zuschauer von den Sitzen und so ging es auch weiter, manchmal sogar in Zeitlupe. Ja, Zeitlupe. Da Schweizer ja so langsam sind, musste das Publikum ganz langsam die La-Ola-Welle durch die Halle schwingen, damit Bobo das ganze besser genießen konnte. Besonders groß waren die Lacher als es auf einmal links wieder losgehen sollte, obwohl es dort gerade aufgehört hatte ...
|
Nach einer Akustiksession ging es dann endgültig über in absolute Feierstimmung und Faszination. "Shadows of the night" bestand einzig aus Nancys Leadgesang aus einer höheren Etage des Schiffes. Der Rest der Bühne ging ein wenig im dunklen unter, jedoch kamen an dieser Stelle wieder die Magic Artists ins Spiel. In Skelettkostümen und diversen Jonglierutensilien erzeugten sie eine unglaubliche Show, in Schwarzlicht getaucht - eine perfekte Untermalung des Titels. Es folgten die Sommerhits "There's a party", "It's my life" und "Chihuahua". Das Publikum feierte immer noch - stehend. Als absoluten Höhepunkt - wenn auch beinahe am Ende des Konzertes - kann man die Präsentation des Titels "Pray" bezeichnen. Wenn man sagt, das Feuer mit im Spiel war untertreibt man. Fast während des gesamten Songs schoss immer irgendwo eine Flamme aus dem Schiff. So konnte man wenigstens nicht frieren ...
Insgesamt kann man von einem sehr gelungenen Abend sprechen. Wann erlebt man schon mal im hohen Norden ein so stimmungsgeladenes Publikum!
Text/Fotos: Magdalena Pawlas
![stagePRESS - stories from beyond the [what you want]](/data/template/main/images/leer.gif)




