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2003/2004 war er verdienterweise ganz oben angekommen: Peter Heppner. Der ganz große Durchbruch für Wolfsheim (Platin für „Casting Shadows“, die Single „Kein zurück“ in den Top 10, Echo als beste Alternative Band), Riesenerfolg mit Schiller (Gold für „Leben“), Riesenerfolg mit Paul van Dyk („Wir sind wir“). Dann wurde es stiller um Peter. Und dann wurde es verdammt still.
2008 dann endlich die langersehnte Solo-CD „solo“(ja, ich weiß, dass das dumm klingt – aber ich hab die CD nicht benamst ;-)). Und nun auch endlich wieder auf der Bühne. Ein seltenes Ereignis also und Anlass genug für ein Double Feature: Peter Heppner in Oberhausen und in Köln.
Oberhausen, Turbinenhalle, 22.01.09
Ein ungewöhnliches Raumkonzept ist das erste, was auffällt. Für die ersten paar Zuschauerreihen hat man ein Holzpodest errichtet, dann kommt eine Art „natürlicher Graben“ (logisch, hier sieht man überhaupt nix) und dann der Rest der Zuschauer. So ähnlich wie die Drängelgitter bei großen Open Airs also - ob die Veranstalter mit ausflippenden Massen rechnen?
Wäre nicht nötig, das Publikum hört zu, wiegt sich im Takt, klatscht mal ein bischen mit, ist aber nicht grade überbordend bewegungsfreudig – „Stehparty“ haben böse Stimmen schon die Konzerte von Wolfsheim genannt.
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Doch damals wie heute trifft das nicht den Kern. Zwischen Partystimmung und gepflegter Langeweile gibt es schließlich noch was anderes, und genau das trifft Peter Heppner. Die Leute wirken verzaubert, viele singen jedes Wort mit, schauen wie hypnotisiert auf die Bühne...auf der es allerdings, auch das kennt man aus Wolfsheim-Zeiten, nicht die ganz große Show zu sehen gibt. Vier Musiker (Dirk Riegner (miLù, Secret Discovery) und Lothar Manteuffel (Rheingold) an den Keyboards und Carsten Klatte und Achim Färber von Project Pitchfork an Gitarre bzw. Schlagzeug), eine LED-Wand mit bunten Lichtern (nett, aber weit von den spektakulären Effekten auf den letzten Wolfsheim-Touren entfernt) – ja, und Peter, sein Textbuch und sein Notenständer. Fertig. Und nach den ersten zwei Zeilen des Openers „Easy“ wäre es mir persönlich völlig egal gewesen, wenn jemand das Licht ausgemacht oder einen Vorhang vor die Bühne gezogen hätte. Hauptsache, ich darf zuhören. Endlich wieder Peter live singen hören. Inklusive Textaussetzern und verpatzen Einsätzen. Stört kein Stück. Der darf das.
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Was sofort auffällt: Man hat sich Mühe gegeben mit der musikalischen Vorbereitung. Da wird nicht einfach die CD runtergespielt, da sind sehr schöne Liveversionen ausgearbeitet worden. Was dem Zuschauer die Möglichkeit bietet, mit sich selber oder dem Nachbarn lustiges Melodienraten zu spielen - und den dringenden Wunsch nach einer Live-CD weckt. Besonderes Highlight: Die Flut. Duett ohne Duettpartner...aber mit einer sehr schönen zweiten Stimme im Refrain, Carsten (der sich übrigens faszinierenderweise mit einer einzigen Gitarre durch den ganzen Abend spielt!) hilft aus. Sehr hörenswert! Schade, dass man dieses Experiment nicht noch auf weitere Duette ausgedehnt hat. Ich hätte so vieles gern mal live gehört: Glasgarten, Aus Gold, Lieber Gott...
Dafür gab es die „solo“ fast komplett („Walter“ fehlt) plus die größten Hits feat. Peter Heppner plus ein bischen was von Wolfsheim, allerdings erstmal ausschließlich aus den beiden letzten Alben. Was ich übrigens auch sehr schade fand, ein paar der alten Klassiker wären schön gewesen, auch das eine oder andere nicht tausendmal gespielte Stück... Wer weiß schon, ob es nicht die letzte Chance war, Wolfsheimstücke noch einmal live zu hören? Mit jeder weiteren Solo-CD sinkt schließlich der Bedarf an „Füllmaterial“, und was sonst draus wird, steht bekanntlich in den Sternen, wenn nicht sogar unter keinem guten...
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Aber zurück zu erfreulicheren Themen: Das Konzert. Mit „Das geht vorbei“ schaffte man sich einen in mehrfacher Hinsicht gelungenen Abgang (wenn man davon absieht, dass Peter scheinbar durch die Wand wollte oder in Gedanken in einer ganz anderen Halle war, auf jeden Fall Abgang links probierte, wo Abgang rechts gefragt war) – und kehrte mit einer Überraschung (zumindest für mich) zurück: Mr. Blue. Dass es ein Lied dieses Titels zu irgendeiner Download-Version der „solo“ dazugab hatte ich gelesen (und mich entsprechend geärgert, aber ich boykottiere Downloads und Versionenwahnsinn, da bin ich eisern, so!). Unerwarteterweise kannte ich es trotzdem. Es ist eine Coverversion des alten Yazoo-Titels...und damit offiziell das erste Cover von und mit Peter Heppner, wo ich mich nicht frage, was um Himmels Willen ihn/ sie da bei der Auswahl geritten hat. Wunderschöner Song, wunderschöne Version, die sich hinter dem Original wirklich nicht verstecken muss, und das will was heißen. Und ich als CD-Käufer fühle mich jetzt noch ungerechter behandelt als vorher...
Nach „Leben...I feel you“ (Schiller fehlt bei den Schiller-Titeln übrigens erstaunlich wenig, was ich nicht gedacht hätte) noch mal kurze Pause – und dann gab es doch noch was aus der Wolfsheim-Frühphase: Ohne „The Sparrows and the Nightingales“ging es natürlich nicht.
Fazit: Wer mit Wolfsheim-Konzerten nichts anzufangen wusste, kann und sollte zu Hause bleiben. Die anderen erleben einen Peter Heppner, der extrem gut bei Stimme ist und sehr gut gelaunt wirkt, mit einer ebenfalls gut gelaunten Band. Also doch nicht GANZ so wie bei den letzten Wolfsheim-Konzerten...
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