Music goes Cinema:Orange Blue und Martin Kesici

Music goes Cinema:Orange Blue und Martin Kesici

Am 06.04.2005 erlebte das Cinestar in Kassel eine Kinovorstellung der etwas anderen Art. Die Filmprojektoren hatten an diesem Abend nämlich frei. Vor der Leinwand von Kino Drei wurde eine recht übersichtliche BÜhne aufgebaut, mit viel Licht, jeder Menge Verstärkern, Lautsprechern und Mikrofonen. Auf dieser Bühne präsentierten an diesem Abend orange Blue und Martin Kesici einen Mix aus aktuellen Songs und "alt bekannten" Mitsing-Hits.

Den Anfang machten Orange Blue. Sichtlich gut gelaut - wann sind sie es eigentlich mal nicht? - sang Volkan in dem vollen Kinosaal zum Anheitzen "But I do". Das hatte das Publikum auch bitter nötig, denn bis Volkan mit Kassel zufrieden war brauchte es es schon einige Anläufe bis das Fortführen des Satzes "Don't know how to handle it, ...(But I Do)" klappte. Dafür ging es im Anschluß umso besser. Volkan fegte wie gewohnt über die Bühne, lief zwischen den Kinosesseln lang und holte sich sogar eine Zuschauerin aus dem Publikum um mit ihr auf der Bühne zu tanzen.




Vince, der Pianist, erzählte "stolz" von der Eurovisions Song Contest-Vorentscheid Teilnahme mit dem Song "A Million Teardrops" und davon, wie Orange Blue einen Auftritt in der Türkei hatten. Bei der Generalprobe einer Live-Sendung kam Volkan auf die Idee mal ein bisschen schief zu singen. In der Tat - eine sehr lustige angelegenheit, wenn man genau weiß das er es auch besser kann. Die versammelte Redaktion die bei der Probe zugesehen hat, soll wohl ziemlich "interessant" geguckt haben, bevor Volkan alle beruhigen konnte und gesagt hat, dass das ganze nur ein kleiner Spaß war.

Es folgten Songs wie "Heaven knows...", "Can somebody tell me" und natürlich durfte auch "She's got that light" nicht fehlen. Gegen Ende des Sets von Orange Blue, sorgte Vince für den zweiten Lacher. Wenn man so wild auf seinem Piano rumfetzt, passieren manchmal schon komische Dinge. Hat man dann auch noch ein E-Piano vor sich stehen, kann es schonmal passieren das sich das Gerät verselbständigt. Vince muss wohl irgend einen Knopf betätigt haben, der das Piano dazu gebracht hat bei Tastendruck einen Drumm-Rhythmus zu spielen. Schnell war aber die "Sync Reset"-Taste gefunden, und es konnte weiter gehen, bis hin zur Zugabe "Gotta Be", ein Hidden-Track des Albums "In Love with a Dream".





Nach einer kurzen Umbaupause (die zum "Luftschnappen" auch dringend nötig war, die Klimaanlage des Kinos war mit der Hitzeentwicklung durch die Scheinwerfer ziemlich überfordert), trat Martin Kesici mit seiner Band vor leider schon leicht gelichteten Reihen auf.


Wer sich nun auf gefällige Popsongs wie "Angel of Berlin" eingerichtet hatte, wurde sofort eines anderen belehrt: der Berliner liess es ordentlich richtig krachen! Man fragte sich unwillkürlich, warum das Duett "Leaving you for me" mit Tarja Turunen unter einigen Nightwish-Fans für heftige Diskussionen gesorgt hatte – musikalisch stimmt die Richtung durchaus, und wäre Martin Kesici nicht "der aus der Casting-Show", wäre er mit seiner Band auch im Vorprogramm von Nightwish ganz gut aufgehoben, ohne dass jemand das Gefühl gehabt hätte, auf der falschen Veranstaltung zu sein... Aber das ist ein Thema für sich. Ganz außer Frage steht eines: Singen kann er, und wie!


Und er erwies sich sich ebenfalls als begabter Alleinunterhalter. Der geneigte Zuschauer bekam die Grundbegriffe des Berlinerischen nahegebracht, ein Mensch, der über Handy am Konzertgeschehen teilhaben sollte, kam ganz unerwartet in den Genuss, mit dem Künstler zu plaudern, Herr Kesici lieferte sich intensive Wechselgesänge mit dem Publikum (Kompliment übrigens an Kassel, das klang nicht schlecht!) – Berührungsängste zum Publikum kennt der Mann mit dem prägnanten Bart nicht.





Auch musikalisch war für Abwechslung gesorgt: neben Hardrock-Klängen gab es auch "weichere Töne" zu hören, gepaart mit teils ironsischen, teils sehr nachdenklichen Texten – wenn die nachdenkliche Stimmung im Publikum nach "All of my life" durch die Schlußbemerkung "Na, is doch wahr" auch schnell wieder verflogen war... Und ganz am Schluß kam es dann doch noch, "Angel of Berlin", noch dazu in einer sehr gelungenen Akkustik-Umsetzung – ein schönes Ende für einen durchaus gelungenen Konzertabend!

Text: Magdalena Pawlas/Michaela Suchlich

Fotos: Magdalena Pawlas

Bilder des Abends