Nocturnal Culture Night - Elektronisches in idyllischer Umgebung

Nocturnal Culture Night - Elektronisches in idyllischer Umgebung

Schon das zweite neue Festival dieses Jahr, und schon die zweite gelungene Premiere! Der Kulturpark Deutzen bot eine reizende Kulisse und die Anreise war von den Veranstaltern auch liebevoll und akribisch beschildert - was allerdings nichts hilft, wenn man sich bereits kurz vor Leipzig verfährt ... So konnte ich leider die gebotene Chance, sich einige Nachwuchsbands auf einer "großen" Bühne anzuschauen, nicht nutzen und war erst zu "Destroid" vor Ort - und direkt angenehm überrascht!


Musikalisch ausgesprochen vielseitig ist es, was Daniel Myer und seine Mannen am Keyboard da veranstalten, von harten Tönen bis zu sehr nachdenklichen Klängen war alles dabei, und wie es ein mir unbekannter Mensch hinter mir sehr treffend ausdrückte: "Wenn er nicht schreit, kann er richtig gut singen." Das Publikum ging leider wenig mit, von zwei, drei Bewegungsfreudigen abgesehen saß man so rum und harrte der Dinge, die da kommen.


Bei "Invincible Spirit" wurde es dann auch nicht lebendiger, und es mag auch daran gelegen haben, dass die beiden Herren einen sehr lustlosen Eindruck hinterliessen. Musikalisch? Wer sich an "Push" (also die Älteren unter uns, wir sprechen von 1987!!!) erinnert, hat einen Eindruck ...



"Rotersand" hatten sich das müde Treiben im Publikum angeschaut und waren wohl ein wenig besorgt - auf jeden Fall bedankte Rasc sich fast überschwänglich dafür, dass sich die Leute nun doch endlich vor die Bühne bewegten. Und die "Anstrengung" wurde belohnt! Die Band präsentierte brandneue Songs aus ihrer zu Recht hochgelobten zweiten CD "Welcome to Goodbye", bot wieder einmal eine brilliante und amüsante Liveperformance, und das ganze ist, von gelegentlichen sehr schönen Balladeneinlagen ("Wer keine Balladen mag, darf sich jetzt ein Bier holen gehen") ungemein tanzbar. Und das, leider noch immer nicht übertrieben zahlreich erschienene, Publikum hatte seinen Spass - sogar die übliche Publikumsgesangseinlage bei "Merging Oceans" führte diesmal nicht zu "Fluchtinstinkten", sondern die beiden auserwählten jungen Männer schlugen sich tapfer und lautstark.


Ausgesprochen vergnüglich und "interaktiv" ging es auch weiter mit den "Armageddon Dildos". Frontmann Uwe Kanka liebt sein Publikum – und zeigt dies auch gerne dadurch, dass er in die Menge springt und jeden, der nicht schnell genug zur Seite springt, innig in die Arme schließt. Der eine oder andere junge Mann im Publikum mag sich gewünscht haben, dass seine ausgesprochen hübsche Gesangskollegin sich von der Begeisterung anstecken lässt, aber im Leben bekommt man nicht immer, was man sich wünscht ... Was man allerdings bekam, waren 90 Minuten tolle Show, klasse Musik, gute Laune und ein Ständchen für ein verliebtes Paar auf der Bank, und die Fangemeinde dankte es durch aufmunternde Bier- und Zigarettenspenden und hohem Bewegungseinsatz.




Und nun wurde es endlich auch richtig voll, erstmals kam Gedränge in den ersten Reihen auf – Mesh, die sich dieses Jahr sonst leider sehr rar machen, waren an der Reihe! Da sich den ganzen Tag das Gerücht, es habe Schwierigkeiten mit der Gemeinde wegen der Länge des Festivals gegeben, hartnäckig gehalten hatte, konnte die Ansagerin mit dem traditionellen Scherz: "Ich habe jetzt eine ganz schlechte Nachricht für Euch ..." für echtes Erschrecken sorgen, und der zweite Halbsatz "... jetzt kommt die letzte Band des Abends" führte zu erleichtertem Jubel. Die Briten hatten, bis auf die zwei bereits aus dem letzten Jahr bekannten Songs, leider nichts von der mit Spannung erwarteten neuen CD dabei, aber sonst boten sie in knapp zwei Stunden alles an alten und neuen Hits, was das Fanherz begehrt, Mark Hockings hat eine ganz neue Mütze (na ja, Geschmack ist etwas Individuelles…) und verzog wie immer keine Miene - im Gegensatz zu den fröhlichen Kollegen an den Keyboards - erfreute die Fans aber dafür mit einigen Gitarreneinlagen. Ein ausgesprochen gelungener Ausklang eines schönen und sehr langen Festivaltags, der Refrain "It’s never enough" der letzten Mesh-Zugabe "Leave you nothing" kam vielen Fans, trotz der sehr späten Stunde (inzwischen fast 2 Uhr!) aus tiefster Seele.

Fazit: Tolle Location, fantastische, sehr fanfreundliche Organisation (vom Campingplatz über günstige Preise bis hin zu schön gestalteten Orginaltickets wurde wirklich an alles gedacht), Bands, die mehrheitlich alles gegeben haben und die man diesen Sommer nicht "an jeder Ecke" sieht - ein ausgesprochen gelungenes Debüt, das leider vom Publikum nicht so angenommen wurde, wie man sich das gewünscht hätte. Wo waren sie denn, die Leute, die immer jammern, dass das WGT so groß geworden sei und man auf dem "M’Era Luna" immer dieselben Bands und keinen Nachwuchs zu hören kriegt usw. usw.? Hier ist nun eine echte Alternative geboren worden, und es bleibt zu hoffen, dass sich das bis zur, hoffentlich stattfindenden, Nocturnal Culture Night 2006 auch rumspricht!

Text und Fotos: © Michaela Suchlich