Neuwerk Festival 2009, Essigfabrik Köln

Neuwerk Festival 2009, Essigfabrik Köln

26.12.09: Zweiter Weihnachtsfeiertag hin oder her - nun ist es wirklich gut mit "Stille Nacht" und "In der Weihnachtsbäckerei". Schön, dass man das bei neuwerk auch so gesehen und VNV Nation, S.P.O.C.K., Reaper, Solar Fake, Noisuf X und - kurzfristig eingesprungen für This Morn Omina - Straftanz auf die Bühne gestellt hat.


Sven a.k.a. Solar Fake hatte zur Feier des Tages Geschenke mitgebracht...na ja, nicht wirklich, kaufen musste man die EP schon, aber immerhin ist sie limitiert und war nur auf den Festivals zu kriegen. Live zu hören gab es Resigned natürlich auch. Auch die neue Coverversion im Programm ist auf der EP, diesmal hat sich Herr Friedrich Time to say goodbye von Placebo vorgeknöpft. Schöner Auftritt, allerdings schien mir Sven stimmlich ein wenig angekratzt zu sein, wofür auch der dekorative Schal spricht, mit dem er die Bühne betrat. Aber er war definitiv auftritts-fit. Was man, wie er dem Publikum verkünden „durfte“, von This Morn Omina nicht behaupten konnte, die fielen krankheitsbedingt aus. „Hey, det is nich meine Schuld“ konterte er inhaltlich natürlich völlig zutreffend Unmutsäußerungen aus dem Publikum und machte die Bühne frei für Straftanz, die die Krankheitsvertretung übernahmen.






Lustigerweise waren grade die am besten auf den Tag vorbereitet: Weihnachtliches Intro und Nikolausmützen (zumindest bei 66% der Band, Jing hatte sich alternativ für einen „Ja, ich find das auch peinlich“-Gesichtsausdruck entschieden ;)) Und die erste Motto-Ansage: „Wir spielen jetzt was langsames, wir können nämlich auch lieb sein – es ist schließlich Weihnachten.“ Allerdings gab es auch Anleihen bei Ostern (tanzende Häschen), Karneval (Kamelle!!!) und rosarote Einhörner, eine abwechslungsreiche Show also. Allerdings mit etwas zuviel Kokettiererei, wie ungeliebt man sich doch fühlt – ok, es ist ungewöhnlich, dass ein Sänger durchs Publikum geht und zumindest die hinteren Reihen so tun, als merken sie nichts...aber im großen ganzen war die Stimmung gut, kein Grund also für bewegende Klagen wie „Jetzt macht doch mal ein bischen mit, gleich seid ihr uns ja los“.


Auch die nächste Band hat sich des Weihnachtsmottos angenommen – der Reaper alias Vasi und Keyboarder Georg kamen im Weihnachtsbaum-Look mit blinkenden Lichtlein. Vasi trug dazu noch kleidsame Federn, die ihn wohl auch ziemlich beflügelt haben...auf jeden Fall hat er allerhand Strecke zurückgelegt während des Auftritts. Und er hat seine Musikerschar gehörig aufgestockt, um einen Gitaristen und eine Schlagzeugerin, genauer gesagt. Das Schlagzeug auf der Bühne nutzte Vasi auch gleich, um selbst ein bischen Krach zu machen, was er mit „Funktioniert immer noch – ist aber anstrengender, als hier nur rumzuschreien“ kommentierte. Der Meister über sein Schaffen – wie könnte ich es da wagen, zu widersprechen? ;) Auch das ein amüsanter Auftritt bis hin zum „letzten Song mit dem romantischen Namen She’s a devil and a whore“. Sang (schrie?) es und machte die Bühne frei für die Invasion vom Planeten IKEA.




S.P.O.C.K. steht für „ Star Pilot On Channel K“ (bzw. eigentlich für „Paramount wollte nicht, dass wir unsere Band nach Mr. Spock nennen, aber die dürfen uns mal“). Wenn mich nicht alles täuscht, haben die irgendwann um die Jahrtausendwende aufgehört, unter dem Namen Musik aufzunehmen, was sie aber nicht daran hindert, die Welt live mit „Spock’n’Roll“ zu beglücken. Und vor allem mit einer sehr abgedrehten und sehr sehenswerten Show. In Kostümen aus drei Epochen des Bandschaffens gekleidet, ziehen sie ihr Thema „der Weltraum, unendliche Weiten“ sehr konsequent durch, da werden dann die Aliens a.k.a. Publikum auch mal mit einer Pumpgun beschossen. Klingonen sind halt nicht die einzigen, denen man nie trauen sollte. ;)





VNV Nation wurden zu später Stunde mit Riesenjubel empfangen. Auch Ronan und Mark hatten ein kleines Geschenk an die Fans: Über die Setlist des Abends durfte im Vorfeld auf der deutschen Website der Band abgestimmt werden, und wenn es auch nicht die ganz großen Überraschungen gab (ich finde Ronans Idee mit dem Britney Spears-Cover übrigens ausgesprochen überdenkenswert ;)) so gab es doch einige willkommene Abwechslungen zur Tour (die ich leider versäumt habe, von daher ist das Hörensagen). Ronan wie immer ständig in Bewegung und rührend erfreut über jedes Knicklicht, auch die „zweite Reihe“ glänzend gelaunt, sehr schicke Lichtshow und ein begeistertes Publikum – immer wieder schön halt. Bis zur ersten Zugabe dauerte es ewig, es gab wohl technische Schwierigkeiten...gelöst waren die allerdings nicht, das Piano-Solo von Ronan bei Where there ist light wäre ohne die verstimmten Töne bestimmt noch bewegender gewesen. Aber das dicke Ende sollte noch kommen – der Zugabenblock endete mit Perpetual, eigentlich ein klassischer letzter Song. So entstand auch Unruhe im Publikum, was dazu führte, dass Ronan und Mark im gestreckten Galopp wieder auf die Bühne kamen, sie hatten nämlich noch einen. Electronaut. Und bei Instrumentals ist es halt besonders blöd, wenn eines der Instrumente nur Krach von sich gibt. Was dazu führte, dass Ronan doch noch mal zum Mikro griff...allerdings nur, um irgendeinen armen Technikmenschen formschön zur Schnecke zu machen.






Irgendwie kam man aber doch über die Runden, Ronan bekam von Fans Weihnachtsschokolade geschenkt (was ein bischen unfair war, er hat beeindruckend abgenommen), bedankte sich noch mal bei der „beautiful bunch of people“ und schloss den Abend mit den bewegenden Worten: „Gutes neues Jahr oder wie man auf Deutsch sagt kommt gut rein. Which is an interesting expression if you come to think of it.“



Ähm, ja.

An dieser Stelle möchte ich natürlich auch im Namen des gesamten stagePRESS-Teams allen Lesern ein frohes neues Jahr und Jahrzehnt (ja, ich weiß, wir sind schon drin, olle Besserwisser :P) wünschen – wir lesen uns hoffentlich 2010 wieder.

Text und Fotos: Michaela Kaebe