Mörderische Freunde - Mordballaden

Mörderische Freunde - Mordballaden

Keine Angst, wenn am 21.04. etwas getötet wurde, dann war es ausschließlich die Langeweile. Vince Bahrdt hatte ins St.Pauli Theater geladen und hunderte seiner Freunde (und Freunde seiner Musik) waren dem Ruf gefolgt. Er behauptet ja gerne von sich, dass er nicht gut singen würde (was das Argument dafür ist, dass er bei Orange Blue bislang nur ein einziges Lied gesungen hat und sonst Volkan Baydar diese Arbeit überlässt).

Nun konnte er sich aber ein ganzes Konzert lang nicht verstecken - und am Ende musste man sagen, dass er seine Sache gut gemacht hatte. Wobei - neben der Musik (17 Musiker, davon 10 Streicher) - seine Kommentare zwischen den Titeln auch eine besondere Note hatten.

Für die Statistik: Die 17 Musiker waren Klavier (Ob Vince den Abend lang ein Kribbeln in den Fingern hatte? Schließlich sitzt er ansonsten immer vor dem Instrument), Schlagzeug, Bass, Gitarre, Percussion, Vince und Birgid Jansen als Vocals, sowie sieben Violinen und 3 Celli. Und alles zusammen ergab Musik, gute Musik. Teilweise ruhige Balladen, teilweise schnellere Stücke. Teilweise im Rap-Stil ("Habsucht"), dann auch mal Englisch ("You Are"). Vince hat selber Probleme zu erklären, was das eigentlich für Musik ist, die er da spielt. Und da er sowieso etwas dagegen hat, in Schubladen gesteckt zu werden, einigen wir uns einfach darauf, dass er eine einzigartige Atmosphäre geschaffen hatte.




Zur Einzigartigkeit trug - neben der Musik - allerdings auch seine besondere Moderation zwischen den Stücken bei. Man muss ihm eins lassen: Er nimmt kein Blatt vor dem Mund. Was er da zum Beispiel von seinem Steuerberater erzählte, das war dann doch schon etwas unterhalb der Gürtellinie - wirklich. Und auch vieles andere, was er erzählte, hatte schon komödiantischen Charakter.


Zeitweise hatte man das Gefühl, dass drei Viertel der Besucher seine persönlichen Freunde waren, kamen schließlich immer wieder Rufe aus dem Publikum oder Vince sprach gleich direkt einige Leute an. Wie zum Beispiel die Jungs vom HSV Handball oder dem VfL Bad Schwartau, der einen Tag zuvor den Aufstieg in die zweite Handballbundesliga geschafft hatte. (Wo Vince es extrem bedauert hatte, nicht mitfeiern zu dürfen, schließlich hatte er am Folgetag ein Konzert zu geben)



Und da sind wir wieder bei der Musik. Mit dem Titel "Sackgasse" gab er einen Ausblick auf das zweite Mordballaden-Album, das schnellere Stücke enthalten soll. Er war noch nicht wirklich textsicher (schließlich hatte er den Titel erst vor zwei Tagen geschrieben) und trotz des Spickzettels am Boden (Zitat: "Nein, das ist nicht der Text, das ist eine zweite Setlist") leistete er sich einen groben Textpatzer, den er gekonnt ("Lalalala") überspielte. Dieser Titel hat, wenn er als Single rauskommen sollte, durchaus Chancen auf eine gute Plazierung, was die bisherigen Auskopplungen leider nicht geschafft hatten. Dazu passend wünschte sich Vince auch, dass er im Jahre 2030 einen Titel in den Top 800 haben würde. Hoffen wir mit ihm, dass es schon eher der Fall sein wird. Der nächste Titel, der den Versuch wagen wird, ist "Habsucht" (erscheint am 23. Mai).



Text: © Michael Vogel, Fotos: © Magdalena Pawlas