
Kirchenkonzerte sind etwas wunderschönes. Konzerte, bei denen Anke Hachfeld alias miLù singt, auch. Ein Konzert von miLù in einer Kirche? Fast so schön wie Weihnachten...
Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen, in denen (auch) "weltliche" Kultur stattfindet, ist die Kulturkirche in Köln ("hauptberuflich" die Lutherkirche in Nippes) auch noch eine sehr schöne alte Kirche, das Ambiente war also wirklich vom Feinsten. Und damit absolut dem Anlass angemessen.
Ungewöhnlich: Die Bühne. Ein rosengeschmückter Mikroständer, ein goldverhangenes Tasteninstrument, ein Kerzenständer, eine große Leinwand - soweit, so gut. Desweiteren aber ein Barhocker, ein Teddybär und ein Fernseher...ein bischen fühlte ich mich an Goethes Erben erinnert und war gespannt, was es damit auch sich hatte.
Um die Auflösung vorweg zu nehmen: Nein, es gab keine Aktionskunst, der Teddy war nur Zuhörer und die Glotze blieb aus. Lediglich ein Paar Schuhe kamen noch dazu - die von miLù nämlich, die sie bereits beim ersten Song abstreifte.
Es wäre aber auch selbst von einem Plüschtier ungehörig gewesen, bei diesem Konzert fernzusehen! Viel zu verzaubernd ist das, was da passiert, und viel zu variantenreich: Stimmlich wechselt miLù so mühelos von Belcanto über Jazz, Pop und Rock zu silberheller Kinderstimme, wie sie sich auf der Gefühlspalette zwischen traurig und fröhlich, verzweifelt und optimistisch, düster und verträumt bewegt. Und auch textlich ist die ganze Palette abgedeckt, mal bissig, mal tottraurig, mal ausgelassen und lebensbejahend, aber immer genau beobachtet, sehr emotional und exakt auf den Punkt gebracht.
Trotzdem: Am tiefsten berührt haben mich die neuen Titel, die miLù wieder in ihrer ganz persönlichen, aus Mila Mar-Zeiten bekannten "Geheimsprache" singt, die man vielleicht grade deswegen so gut begreift, weil man sie nicht versteht.
Ganz zum Schluß hat miLù ihrem Publikum dann noch mit ein Wiegenlied gesungen...eigentlich paradox, mit einem Schlaflied wieder "geweckt" und aus einem Beinahe-Trancezustand wieder in die Realität entlassen zu werden...
Text und Fotos: © Michaela Suchlich
