miLù: Longing speaks with many tongues-Tour

miLù: Longing speaks with many tongues-Tour

Köln, Blue Shell, 10.04.08

miLù ist zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und hat sich doch wieder völlig neu erfunden - und verzaubert mehr denn je.

'Longing speaks with many tongues' heißt das zweite Soloalbum von miLù, Sehnsucht spricht viele Sprachen. Sehr oft ist es wieder Anke Hachfelds eigene, aus Mila Mar-Zeiten bekannte Fantasiesprache. Aber auch englisch und - in Titel aus der ersten Solo-CD 'No Future in Gold' -deutsch. Doch auf die Sprache kommt es gar nicht so sehr an - was ankommt, einen im innersten trifft, ist die Stimme, die Musik.

Und das eigentlich sogar immer dann am stärksten, wenn man den Text nicht versteht, oder besser gesagt, nicht mit dem Kopf. Wenn man gedankenverloren Klangsilben mitsingt, die keinen (logischen) Sinn ergeben - und trotzdem fühlt, worum es geht...versunken in einer Klangwelt, in den eigenen Gefühlen und Assoziationen.




In einer Musik, die wie immer in keine Schublade passt, sich aus vielen Stilrichtungen das holt, was grade gebraucht wird, ohne irgendwo abzukupfern. Das neue Album ist ruhiger, melancholischer als 'No Future in Gold', und auch aus dieser CD gab es eher die ruhigen Lieder zu hören, die auch thematisch passen, Sehnsucht ausdrücken nach verlorengegangenen Menschen, Chancen, Gefühlen.


Dass diese Musik live noch um ein vielfaches mehr berührt als auf CD, liegt natürlich an miLù selber, die zu ihrer großartigen Stimme auch noch eine unglaubliche Bühnenpräsens hat, der man wahrscheinlich auch ohne Ton ansehen könnte, worüber sie grade singt, die ihr Publikum verhext...und sich freuen kann wie Bolle, wenn die Begeisterung zurückkommt. "Ick gloob, ick mag Euch" rief sie den Kölnern in breitem Berlinerisch zu.


Das Publikum mochte sie auch. Die Reaktionen reichten von versunkenem, großäugigen Lauschen bis zu manchmal recht ungewöhnlichen Folgen des Ausdruckstanzes, aber auf seine Art begeistert war wohl jeder, der da war.

Und zum Abschluß singt die Frau einfach mal so einen Song, von dem ich geschworen hätte, dass man sich mit einer Coverversion nur blamieren kann: Atmosphere von Joy Division. Und singt ihn so schön, dass es kaum fassbar ist.



Text und Fotos: © Michaela Kaebe