Midge Ure: Move me +

Midge Ure: Move me +

Er kann mit eigenen Liedern einen ganzen Best of 80s-Abend bestreiten. Spielt Synthpop auf der Gitarre. Hat einen umwerfend trockenen Humor. Vor allem aber ist und bleibt er "The Voice". Am 16.4. gastierte Midge Ure im Luxor in Köln.

Seine Hände seien zum Arbeiten nicht gemacht, erzählt Midge in Köln. Das mag erklären, dass es leider lange nichts Neues von ihm zu hören gab. Und selbstironisch, wie der Mann ist, nennt er seine Tour nach dem 06er Re-Release seines Albums 'Move me' schlicht 'Move me +'. Womit die Plakate aus dem letzten Jahr dann auch direkt sinnvoll recycelt sind.



Ob an der sprichwörtlichen Sparsamkeit der Schotten doch was dran ist?


Was natürlich hauptsächlich an dieser unglaublichen Stimme liegt. Die so 'pur' eher noch emotionaler und ausdrücksstärker wirkt - und die in all den Jahren nichts von ihrer Schönheit verloren hat. Auch nichts von ihrem Umfang. Da kann man sogar einer 70er-Schmonzette wie "Man of the world" andächtig lauschen, übrigens das einzige Lied des Abends, das nicht aus der Feder von Midge Ure stammte. Ein Cover-Album droht der Mann ja seit Jahr und Tag an, auch jetzt wieder. Ich persönlich bräuchte keins, mir wäre was Neues aus eigener Produktion lieber... Aber man nimmt, was man kriegt.


Sein Publikum hat der Schotte von Anfang an in der Tasche, es arbeitet auch tatkräftig mit, zum Beispiel als Background-Chor. Mit gemischten Ergebnissen allerdings. Das "ohooohooohooooooo" bei 'The Voice' funktioniert ganz hervorragend, bei 'Lament' wirkt es eher spontan (und nicht grade gelungen) improvisiert, und bei 'If I was' dauert es doch ein Weilchen, bis man sich auf eine Tonart geeinigt hat.


Den Meister freut und amüsiert es. Wohlverdiente Applaus-Stürme wehrt er dagegen gerne mit der trockenen Frage, ob er jetzt weitermachen dürfe, ab. Aus der Ruhe bringt ihn sowieso nichts - allzu gesprächige Konzertbesucher werden mal eben zur Brust genommen, und plötzliche Dunkelheit im Saal sorgt nicht mal für einen schiefen Ton. Aber natürlich zu der Frage, ob ihm irgendjemand durch die Blume mitteilen möchte, er möge sich von der Bühne verziehen.

Aus dem Publikum war es jedenfalls keiner, das geht mit bis zum letzten Ton. Und manch einer mag sich überlegen, ob ein Sommerurlaub in Großbritannien dieses Jahr nicht eine gute Idee wäre, da könnte man dann nochmal... Oder zum Christmas-Shopping? Eine Unplugged-Version von 'Do they know it's Christmas' wäre ja auch mal was.



Text und Fotos: © Michaela Kaebe

Weitere Termine in Deutschland und Großbritannien: www.midge-ure.com