Thank God for Amazon! Marc Almond auf Stardom Road-Tour

Thank God for Amazon! Marc Almond auf Stardom Road-Tour

07.03.09, Köln, Gloria

Marc Almond meldet sich eindrucksvoll bei seinen deutschen Fans zurück und wird frenetisch gefeiert.

Ein schwerer roter Vorhang, unzählige künstliche Teelichter über die ganze Bühne verteilt...Marc Almond hat ein Händchen für große Auftritte. Dazu gehört wohl auch, dass er seine Zuschauer eine geschlagene halbe Stunde warten lässt. Doch als er dann erscheint, hat er die Halle vom ersten Augenblick an in seinen Bann gezogen.

Wüßte man nicht um seinen schweren Unfall vor fünf Jahren, davon, dass er danach nicht mehr sprechen, geschweige denn singen konnte...man käme niemals auf die Idee, wäre nur einfach voller Bewunderung dafür, wie fantastisch der inzwischen über 50jährige bei Stimme ist. Gut, einige der ganz hohen Töne sitzen nicht ganz – aber damit geht er mehr als souverän um. „I’m not a star child anymore“ grinst er, als er im gleichnamigen Titel einen Ton nicht trifft...und liefert ihn einfach nach.





Es ist ein Konzert der großen Gesten. Ich habe selten in einem Konzert so gelacht wie über die schauspielerischen Textuntermalungen bei „My Love“ oder „Jackie“...und hätte losheulen mögen bei „If you go away“, gegen dessen Intensität das Orginal von Jacques Brel deutlich abfällt! Gänsehaut auch, als Marc das Publikum bittet, „Something’s gotten hold of my heart“ zu Ehren des 2006 verstorbenen Gene Pitney mitzusingen.

Die Instrumentierung wechselt. Mal mit Klavier, Gitarre, Drums und Bass, dann nur vom Gitarristen, später nur vom Pianisten begleitet und dann wieder in Komplettbesetzung singt sich Marc durch so gut wie jede Musikrichtung.


Zwei neue Songs gibt es zu hören, „Variety“ und „Friendship“. Die neue CD wird im Frühjahr erscheinen, erzählt Marc. Leider, wie auch schon das letzte Album und die DVD, nicht in Deutschland: „But you can get them via Amazon! Thank God for Amazon.“ Warum es „Stardom Road“ und DVD aber auch am Merchandise-Stand nicht gibt, bleibt ein Geheimnis.

Das Ende des Abends steht dann ganz im Zeichen von Soft Cell. „Tainted Love“ (natürlich!) und „Say hello, wave goodbye“. Mit einem bis zum letzten Mann singenden, winkenden Publikum und einem Wunderkerzen schwenkenden, händeschüttelnden Marc Almond. Gelungener Abschluß eines großen Konzertabends. „One day I will have a records available in Germany again“ verspricht Marc sich und seinen Fans. Mehr als verdient wäre es.



Text und Fotos: © Michaela Kaebe