Live8 - Dies war kein Konzert

Live8 - Dies war kein Konzert

"Das hier ist kein Konzert" Dieser Satz von Campino von den toten Hosen drückte genau das Motto dieses Tages aus. Live8 war eine Demonstration und im Zuge dieser Demonstration wurde viel Musik gespielt und die Massen unterhalten.

Und die Massen waren gekommen. Zum Ende des Tages hatten sich um die 200.000 Zuschauer in Berlin zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule versammelt, um gegen die Armut in Afrika zu demonstrieren - und natürlich um die Musik zu genießen.


Den Anfang machten die toten Hosen, die von der ersten Sekunde an das Publikum mit Titeln wie "Steh auf" oder "wünsch dir was" in ihrer Hand hatten. Das auf den Auftritt folgende Interview nutze Campino für eine flammende Rede gegen Armut und Benachteiligung. Er forderte die Zuschauer auf, möglichst zahlreich bei der in Gleneagles stattfindenden G8-Konferenz zu erscheinen, um dort mit 10.000 Booten vor Ort zu demonstrieren.


Auch die anderen Künstler überbrachten in den von Anne Will geführten Interviews ihre politischen Botschaften und selbst Michael Mittermeyer, der in Berlin durch das Programm führte, machte in den Pausen politische Comedy.

Als Live-Einblendungen von den anderen zeitgleich auf vier Kontinenten stattfindenden Events gezeigt wurden, entwickelte sich bei den Zuschauern spontan ein "wir"-Gefühl. Man war stolz dabei zu sein, man war stolz ein Teil des Ganzen zu sein.


Und welche Namen mitwirkten. Die Liste der Künstler liest sich wie ein "who is who" der aktuellen und der vergangenen Musikszene: A-ha, Audioslave, Bap, Brian Wilson, Chris de Burgh, Crosby Stills & Nash, Die Toten Hosen, Faithless, Green Day, Herbert Groenemeyer, Joana Zimmer, Juan Diego Florez, Juli, Katherine Jenkins, Reamonn, Renee Olstead, Roxy Music, Sasha, Silbermond, die Söhne Mannheims und "Wir sind Helden" waren alleine in Berlin dabei.

Eine besondere Leistung brachte dabei Silbermond zustande. Die Band um Bühnenflummi Stefanie trat an diesem Tag auf zwei Events auf - zuerst bei Live8 in Berlin, dann auf dem 1200. Bistumsjubiläum in Münster. Eine zusätzliche Spannung erhielt dieses Vorhaben, da zum Zeitpunkt des Auftritts von Silbermond schon eine Verzögerung von zwei Stunden im Zeitablauf bestand. Die letzten Künstler traten schließlich mit einer über vierstündigen Verspätung auf.

Bei den Events in London, Paris, Berlin, Rom, Philadelphia, Barrie, Tokyo, Johannesburg und Moskau waren am Ende über 2,18 Millionen Besucher. Und noch eine rekordverdächtige Aktion fand statt. In London spielten U2 und Sir Paul McCartney zusammen den alten Beatles Titel "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". Dieser Titel wurde aufgenommen, bearbeitet und war innerhalb einer Stunde als Download weltweit verfügbar. Nähere Infos dazu sind unter www.live8-download.de verfügbar. Das Guiness Buch der Rekorde überwachte die Aktion und prüfte, ob dies zu einem Eintrag führen könnte.

Der Ertrag kommt hierbei der Aktion zugute und auch die Musikfans haben die Gelegenheit, einen Rekord aufzustellen, indem sie den Song schneller und öfter herunterladen als jeder andere Titel zuvor.

Wie sein Vorläufer vor 20 Jahren, die beiden "Live Aid"-Konzerte, wird auch diese Aktion wieder ein Zeichen setzen. Und selbst in 20 Jahren wird man noch stolz sagen können: "Ich war dabei".

Text: © Michael Vogel
Fotos: © Susann Loessin