On your stage again - Deine Lakaien auf Indicator Tour

On your stage again - Deine Lakaien auf Indicator Tour

Deine Lakaien begeistern in Stuttgart vor vollen und bestuhlten (!) Rängen.

Das Theaterhaus in Stuttgart ist groß.

Vier Säle hat der schicke Kulturtempel zu bieten. Wenn man da in ein Deine Lakaien-Konzert will und bestuhlte Ränge vor sich sieht, guckt man schon erstmal, ob man richtig ist. Ja, man ist. Publikum passt auch. Also gut, mal sehen, wie es wird...

Zur "Vorsängerin" (wie nennt man eine Ein-Frau-Vorgruppe? Vorschläge?) Vic Anselmo passte die Atmosphäre gut. Man scheint doch einfacher zu sein, sich auf neues einzulassen, wenn man nur zwei potentielle Quatsch-Nachbarn hat und unangenehm auffällt, wenn man noch mal ein Bier holen geht. Und das Zuhören hat sich gelohnt. Wie gesagt, ganz allein saß sie am Keyboard und sang. Sehr sehr schön und sehr intensiv, schöner eigentlich als auf CD.



Im Gegensatz zu Vic hatten Ernst und Alexander ihre Musiker mit - es fehlte allerdings Violinistin Sharifa, die Babypause macht. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle! Ivee Leon und B. Deutung schienen aber auch in kleiner Runde großen Spaß zu haben, spielten Marionetten, umtanzten sich, schunkelten beim Spielen und hatten an manchen Stellen selber Schwierigkeiten, ernst zu bleiben.





Erstaunlich ernst blieb dagegen das Publikum. Geradezu ergriffenes Schweigen herrschte während der Songs...berechtigterweise natürlich, aber doch erstaunlich. Und, auch wenn mir bestuhlte Konzerte nicht liegen, auch mal schön. Man kann sich doch besser auf die Arrangements konzentrieren, wenn es still ist im Saal und die Leute die Texte lautlos mitsprechen statt lauthals mitgröhlen. Und das lohnte sich natürlich wieder, gerade die neuen Songs haben allerlei Haken und Ösen, gerade auch in der Live-Version, die beim konzentrierten Hören richtig Spass machen.


Neben den neuen Songs gab es auch viel älteres, erfreulicherweise auch vieles, was man lange nicht gehört hat, Fighting the Green zum Beispiel. Dass der Beleuchter sich das für zwei der drei "Fotos erlaubt"-Titel zum Motto genommen hat, war allerdings ein wenig schwierig. Aber gut, man kann nur die Realität widergeben...



Wie immer gab es auch gewohnt originelle Ansagen von Alexander . So wurde die Vorabsingle Gone zum Beispiel zum "Lied, das ins kalte Wasser springen musste". Und die erste Zugabe eine "Maschine, die uns seit vielen Jahren begleitet und uns immer viel Freude macht". Die Mind Machine natürlich. Ivee legte die Geige weg - die Frau war mit Singen beschäftigt, und da hatte sie wirklich zu tun! Robert Wilcocks kroch derweil auf dem Boden rum und erzeugte allerlei sehr interessante Geräusche - umwerfend. Doch noch immer blieb das Publikum stoisch sitzen. So ist der Lakaien-Fan das ja auch von Accoustic-Konzerten gewöhnt...wenn man einen Stuhl hingestellt kriegt, dann bleibt man gefälligst auch hocken. Zumindest bis nach der zweiten Zugabe - nach "Return" sprang alles auf, hochverdiente Standing Ovations. Und dann blieb die erste Reihe einfach stehen für die letzte Ansage "Eigentlich sind wir so oft in Stuttgart, aber es lohnt sich immer wieder" und den letzten Song des Abends. Und wie "On your stage again" der prädestinierte Einsteiger war, so konnte es eigentlich auch nur einen Schlußsong geben: Along our Road.



Text und Fotos: Michaela Kaebe