Deine Lakaien acoustic (Köln)

Deine Lakaien acoustic (Köln)

Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen den Acoustic Konzerten von Deine Lakaien und denen anderer Bands: Andere Bands heuern zu solchen Konzerten Streicher an, die Lakaien lassen die ihren zu Hause. Deine Lakaien Acoustic bedeutet Alexander Veljanov, Ernst Horn, ein Flügel, ein Holzstöckchen und ein Barhocker. Doch, der hat auch zur Klangkulisse beigetragen, aber dazu später.


Die Halle war bestuhlt, das Publikum lauschte gebannt – zu gebannt für den Geschmack des glänzend gelaunten Alexander, der sich zwischendurch immer mal über die Stille beschwerte („Das ist ja wie beim Vorsingen hier“). Folgerichtig brach er beim einzigen Ton, den er an diesem Abend so richtig verfehlte, einfach ab und sang den Takt noch mal...es gibt Dinge, die gehen nur in Kleinstbesetzung. Bei „Mirror Man“ wurde es dank massiver Prügel für die Klaviersaiten dann mal etwas lauter – hier kam dann auch der Barhocker zu musikalischen Ehren, als Alexander sein Mikro mit Schwung darauf ablud. Rumms!


Sonst aber gab es viele feine Töne, zu denen sitzen und aufmerksam lauschen sehr gut passte. Und es gab unbekannte Töne! Mit sehr netter Angekündigung: „Das war etwas ganz altes, und nun ins Jahr 2010“ Stimme aus dem Publikum: „2009“ Alexander: „Nein, 2010, vom Album (grinst) Fragezeichen“ Schweigen. Irritierte Blicke. Frenetischer Jubel. Klang gut, das neue Stück, der Text war beim ersten Anhören allerdings recht schlageresk. Sang er da tatsächlich „Night and day I’m in love with you“? Naja, mal abwarten... Und es gab, erstmals live und deutlich experimenteller, A Fish called Prince, den Beitrag der Lakaien zum 2006 erschienen Neil Gaiman-Tribute-Sampler „Where’s Neil when you need him?“ (Der Song basiert übrigens auf der Kurzgeschichte „The Goldfish Pool“ – nur falls jemand nachlesen möchte. Lohnt sich, Gaiman ist großartig.)

Im übrigen gab es so ziemlich alles, was das Herz des Fans begehrt, zum Teil erstmals akkustisch, es wurde munter über das Alter der Band gescherzt („Das ist aus unserem ersten Album aus dem Jahre 1784“, „100 Jahre Deine Lakaien“), Ernst ließ Alexander über die Sprachkenntnisse deutscher Außenminister scherzen (was so aussah: Aus dem Publikum kam eine Frage, Alexander antwortete, sollte das auf Englisch tun und Ernst soufflierte „Westerwelle!“, was prompt umgesetzt wurde), die Herren ließen sich definitiv zu lange bitten, bevor es Zugaben gab und der Abend endete mit stehenden Ovationen, lauten Liebesbekundungen, strahlenden Künstlern und rundum zufriedenen Zuhörern. Wobei, einen Grund zum Meckern gibt es doch: Es war, soweit ich mich erinnere, das erste Lakaien-Konzert überhaupt (zumindest in den letzten 100 Jahren ;-)), in dem es so gar nichts zum Thema Wiedergeburt zu hören gab



Text und Fotos: Michaela Kaebe