Mehr als der Zitronenbaum - Fools Garden in Celle

Mehr als der Zitronenbaum - Fools Garden in Celle

"Lemon Tree" - Für "Fools Garden" war das Lied Segen und Fluch zugleich. Segen, weil die Gruppe dadurch bekannt wurde. Und Fluch, weil sie immer wieder auf genau dieses eine Lied festgenagelt werden und sich somit in die lange Reihe der "One Hit Wonder" einreihen.

Aber "Fools Garden" können mehr, was sie eindrucksvoll in einem wunderbaren Konzert in der CD-Kaserne in Celle bewiesen.

Aber noch einmal wurden sie vom "Lemon Tree" eingeholt - In Gestalt der Vorband, deren Name die Zitrusfrucht beinhaltet - "Lemon Jam". Die Gruppe aus dem Celler Raum heizte den sich langsam füllenden Saal mit solidem Gitarrenrock ein.


Lemon Jam

Lemon Jam

Als "Fools Garden" dann die Bühne betraten, hatte sich der Raum über die magische Grenze gefüllt, durch die eine Stimmung entsteht, die dafür sorgt, dass in einem Konzert der Funke überspringt. Einen guten Teil dazu beigetragen haben sicherlich die Mitglieder des offiziellen Fools Garden Fanclubs, die aus vielen Teilen Deutschlands angereist waren und die Band auf ihren Konzerten begleiten. Sie hatten die erste Reihe in Beschlag genommen und sorgten für gute Stimmung, selbst bei den normalerweise recht zurückhaltenden Cellern.


Sänger Peter Freudenthaler

Sänger Peter Freudenthaler


Aber nicht nur dem Fanclub ist es zu verdanken, dass der Abend ein voller Erfolg wurde, die Band tat ihr Übriges. Dies sah zu Anfang gar nicht danach aus. Peter Freudenthaler, der Leadsänger, hatte im Laufe des Tages mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Seiner Aussage nach hatte er tagsüber im Bett gelegen und wollte sich kaum rühren. Dank der grossartigen Stimmung des Publikums und unter Zuhilfenahme diverser Medikamente fühlte er sich den Abend über dann jedoch prächtig.

Die Band zeigte was in ihnen steckte - nicht nur während der Songs, sondern auch dazwischen. Sie scherzten und lachten, ärgerten sich gegenseitig, Peter im Besonderen. Spontan brachten sie musikalische Einlagen, zum Beispiel, als Peter auf das Alter der Zuschauer anspielte, was sich im "Mittelfeld" abspielte. Plötzlich spielten die Band "When I'm 64" von den Beatles.

Dirk Blümlein

Dirk Blümlein


Musikalisch zeigten sie ebenfalls ihre Bandbreite, die von ruhigen, melancholischen Stücken bis hin zu heftigem Rock reichte. Langeweile kam nicht auf. Zum Ende hin kam dann das Unvermeidbare, der "Lemon Tree". Man hatte den Titel bis dahin gar nicht vermisst, aber es gehört einfach zu dieser Gruppe wie das Muttermal zu Marilyn Monroe. Und nach eigener Aussage spielen sie es immer noch gerne.

Volker Hinkel

Volker Hinkel

Und wie sie es spielten. Zuerst recht normal. Aber dann, als es eigentlich zu Ende war, begann der Gitarrist Gabriel Holz auf einmal wie ein Reggae-Sänger zu sprechen und sie verfielen in eine völlig andere, ungewohnte, Fassung des Stücks. Bei den obligatorischen Zugaben coverten sie schließlich die besten Rockstücke der letzten Jahrzehnte, wie zum Beispiel "My Generation" von "The Who", um nur ein Beispiel zu nennen.

v.l.n.r.: Claus Müller, Volker Hinkel, Peter Freudenthaler, Dirk Blümlein, Gabriel Holz

v.l.n.r.: Claus Müller, Volker Hinkel, Peter Freudenthaler, Dirk Blümlein, Gabriel Holz


Ja, "Fools Garden" können wirklich mehr als nur den alten Zitronenbaum hoch- und runter dudeln. Es ist nur schade, dass sich das nicht in den CD-Verkäufen niederschlägt. Verdient hätten sie es auf jeden Fall.

Text © Michael Vogel
Fotos: © Magdalena Pawlas