!distain im Underground Köln

!distain im Underground Köln

„Wo seid ihr?“ ruft der Künstler an sich ja gern mal in die Menge. An einem Samstagabend in Köln – zugegeben, einem regnerischen Herbstabend, an dem man es sich natürlich auch gut zu Hause gemütlich machen kann – musste man sich das tatsächlich fragen. !distain (den Älteren von uns auch noch als distain! bekannt...) machten mitsamt der Vorgruppe Channel East gute Miene, gute Show und guten Synthpop zum Trauerspiel.

Ein Parkplatz direkt vor dem Underground? Das ist entweder ein kleines Wunder oder man ist am falschen Tag unterwegs...oder viele andere am richtigen Tag nicht. Am 16.10. war letzteres der Fall – was schade ist, es war nämlich ein gelungener Konzertabend.


Schon die Supportband „Channel East“ haben sich sportlich gezeigt und auch vor kleinem Zuschauerkreis alles gegeben. Gut, die zwei jungen Männer aus dem Osten haben den Synthpop nicht neu erfunden, aber die Musik geht in die Beine und Sänger Toni hat neben einer wirklich guten Stimme auch einen guten Draht zum Publikum zu bieten. La Ola-Wellen auf Zuruf als Vorgruppe in luftig besetzter Halle schaftt nicht jeder! Sehr nett die Ansage des ersten deutschen Songs: „Ein bischen schmalzig für die gehobene Gruftiszene“. Ich würde mich nicht als gehobenen Szenegänger bezeichnen, aber ehrlich? Muss nicht, Englisch ist doch eine schöne Sprache. ;)


Das !distain-Konzert begann überraschend früh – und sehr unerwartet: Manfred entert die stockdüstere Bühne, verkündet „Guten Abend Köln“ und los geht es... Der Lichtmann schien etwas überrascht, Sänger Alex kam dazu, war erstmal auf der Suche nach den Tönen seiner Wahl – aber ab dem ersten Refrain lief es, und dann klang es klasse! Gerne auch A cappella, zum Beispiel beim Camouflage-Cover „Love is a shield“, oder zweistimmig wie beim wunderschönen „Goddess of Spring“. Streckenweise stimmte leider die Abmischung nicht so ganz, zum Beispiel bei „Sounds like a melody“. Das Lied lebt nun mal von der Kopfstimme im Refrain – Alex tat sein bestes, gehört hat ihn keiner.


Ansonsten fiel mal wieder der sehr expressive Tanzstil von Manfred auf, Mandragore wurde natürlich gefeiert (und hätte, wenn es Gerechtigkeit auf dieser Welt gäbe, eigentlich spätestens der kommerzielle Durchbruch für die Band werden müssen), und Live-Unterstützer Rick fiel durch boygroup-tauglichen Auftritt, gute Stimme und ein sensationelles güldenes Jäckchen beim Soloauftriff „East End Boys“ auf. Zum krönenden Abschluss gab es noch das herrlich bizarre „Metal Rules“ – wie gesagt, Spaß haben kann man auch im kleinen Kreise...




Text und Fotos: Michaela Kaebe