
In Klassik-Rezensionen liest man oft die Floskel „ein Feuerwerk schöner Stimmen“...ich gebe zu, es ist abgedroschen, man hätte es aber auch als Motto über das Konzert setzen können, das es am 1.10. im K17 in Berlin zu genießen gab.
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Dabei fing der Abend gesangstechnisch wenig melodisch an: Painbastard boten zwar gut gemachte und ausgesprochen tanzbare elektronische Klänge, aber mir persönlich (Achtung: subjektives Eigenempfinden und damit automatisch unfair!) liegt es einfach nicht, mich vocoder-verzerrt anschreien zu lassen... Zumal ich es auch schade finde, wenn Lieder mit Ansagen wie „aktueller denn je“ versehen werden, die andeuten, dass man sich mit den Texten durchaus Mühe gibt, und der geneigte Hörer dann nichts versteht außer ein gelegentliches „war“ oder „hate“ (was von einigen gutgelaunten Mädels hinter mir zu spontanen „Adriaaaaaan“-Rufen genutzt wurde). Aber wie gesagt, das ist subjektiv, die Musik war gut, sie war tanzbar, nur ob es die richtige Wahl als Support von Diary of Dreams war?
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Ausgesprochen gut gefallen hat mir dagegen Silence! Die beiden Slowenen haben ein kurzes, aber ganz fantastisches und rein akustisches (!) Programm hingelegt...und Boris Benko hat eine unglaubliche Stimme! Ausdrucksstark, melodisch, streckenweise fast schon „jazzig“ – schwer zu beschreiben, aber ungemein hörenswert. Leider sind ruhige Akustik-Klänge nicht jedermanns Sache und werden gerne mal als Hintergrund für nette Gespräche mit dem Nachbarn genutzt... Die „Traumtänzer“ im Publikum aber waren begeistert und hätten wohl gerne noch mehr gehört – ein Wunsch der, um vorwegzugreifen, erfüllt werden sollte!
Aber zunächst einmal gab es ungewöhnliches zu bestaunen – den Aufmarsch der „Gladiatoren“ aus dem Zuschauerraum auf die Bühne, über die Bühne, von der Bühne in den Backstage-Bereich...das sorgte für verblüffte Ausrufe und Lacher, auf jeden Fall aber für hohe Aufmerksamkeit! Kurze Zeit später ging es dann aber auch „richtig“ los – und wie immer schafften es Adrian Hates und seine Mitstreiter, das Publikum quasi vom ersten Ton an in ihren Bann zu ziehen, in dieser ganz speziellen Gefühlsmischung aus Angst und Trauer, Melancholie, Verzweiflung und kalter Wut, die live immer noch etwas intensiver ist als auf den CDs, abtauchen zu lassen. Das Konzert begann mit einigen schnelleren, druckvollen Nummern wie „Giftraum“ und dem fantastischen „Soul Stripper“, wobei Adrian auch wieder selbst Kollegen Gaun:A an der Gitarre verstärkte, der sich im Gegenzug neben „Dauergast“ Torben Wendt auch gesanglich hervortat.

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Dann aber wurde es feierlich: der angekündigte Akkustik-Block begann, und was Adrian und Torben, später noch unterstützt von Gaun:A, da zu Gehör brachten, lässt nur einen Wunsch offen: diese „Sondereinlage“ möge der Grund sein, dass die angekündigte Live-DVD später erscheint! Die hinreißende Akustik-Version von AmoK ist ja zum Glück schon auf der neu erschienenen CD „Alive“ verewigt, aber auch den Rest möchte man doch gerne zu Hause im Regal stehen haben.
Was natürlich auch für das „reguläre“ Programm gilt. Wie schon auf dem ersten Teil der Tour wurde die Musik zudem durch ausgesprochen stimmungsvolles Licht untermalt, das Stimmung schuf, ohne durch große Effekte abzulenken.
Der Zugabenblock hatte dann noch zwei besondere Highlights zu bieten...zum einen, wie erwartet, „Traumtänzer“, vom Publikum so begeistert mitgesungen, dass Adrian die Menge noch eine gesangliche „Ehrenrunde“ drehen ließ – und dann, völlig unerwartet, das „große Finale“: Adrian, Torben und Boris und Primoz von Silence brachten gemeinsam den Uralt-Titel von Tuxedomoon „In a manner of speaking“ (bekannter in der Version von Martin L. Gore) zu Gehör...zwei Pianos, drei Stimmen und ein einziger Hörgenuß!

Text und Fotos: © Michaela Suchlich