Schlecht gelaunte Musik für schlecht gelaunte Menschen?

Schlecht gelaunte Musik für schlecht gelaunte Menschen?

Das war auf jeden Fall das (nicht ganz ernst gemeinte) Statement von Alexander Veljanov zum Konzert von "Deine Lakaien" im Rahmen der "April Skies"-Tour am 24.4. im Jolly Joker. Tatsächlich wurde fantastische Musik von ausgesprochen gut gelaunten Musikern vor einem nicht gerade vor Energie sprudelnden, aber fasziniert lauschenden und keineswegs missgelaunten Publikum geboten.


Der Beginn des Konzertes war überraschend: Nicht nur, dass mit "Falling" ein Titel als Opener gewählt worden war, den es nur auf einer exklusiv von einer großen Elektrohandelskette vertriebenen Sonderedition gibt (die nach "Supermarket" mit dem Kommentar von Alexander: "Das war für die Kaufsüchtigen unter Euch - Geiz ist geil!" noch einen kleinen Seitenhieb abbekommen sollte) - ungewöhnlich auch, dass man den Frontmann hörte, lange bevor man ihn sah ... erst zur Mitte des Liedes schritt er gemessenen Schrittes auf die Bühne, um den Rest des Liedes mit dem Rücken zum Publikum zu absolvieren. Die relativ kleine Bühne des Jolly Joker war allerdings auch ohne Sänger gut gefüllt: Neben Ernst Horn war die gesamte von der "White Lies" Tour bekannte Truppe, die ja auch an der CD "April Skies" beteiligt war, vertreten: Ivee Leon und Sharifa (Geigen und Backgroundgesang), B. Deutung (Cello) und Robert Wilcocks, der neben der Gitarre streckenweise auch die Keyboards bediente.


Weiter ging es dann mit deutlich bekannteren Klängen, der aktuellen Single "Over and done". Es folgte eine ausgewogene Mischung aus neuen und alten Songs. Alexander Veljanov war eher wortkarg (man erinnerte sich mit leiser Wehmut an die launigen Ansagen vorhergehender Touren), aber ganz fantastisch bei Stimme, und die restlichen Akteure auf der Bühne hatten sichtlich ihren Spass. Immer wieder ein Phänomen: B. Deutung, meines Wissens der einzige Musiker, der Cello und Bassgitarre spielt - auf dem selben Instrument ...


Eine wahre Meisterleistung hat die Lichttechnik vollbracht - die perfekte Untermalung der Musik durch wunderbare Lichteffekte trug in Verbindung mit der Musik das Ihre dazu bei, das Publikum fast in einen Trancezustand zu versetzen, was allerdings zu gelegentlichen Nachfragen ("Hallooooo?") des Frontmanns führte.

Mit dem Klassiker Colour-Ize endete der Hauptteil des Konzerts - und man ließ sich ziemlich lange (zugegebenermaßen auch eher zaghaft) bitten, bis es dann doch die ersehnten Zugaben gab.



Nun fand der bislang ungewöhnlich schweigsame Alexander Veljanov doch noch zur "alten Form" zurück und suchte das Spiel mit dem Publikum. "Wollt Ihr noch mehr? ... Wirklich? ... Warum eigentlich?" (unverständliches Durcheinander aus dem Publikum) "Aber das ist doch kein Argument!" Aber er ließ sich "erweichen", und mit dem wunderbaren Titel "Heart made to be mine" von der aktuellen CD und den Klassikern "Overpaid" (hier kam dann doch noch Bewegung ins Publikum), "Where you are" und "Love me to the End" fand ein fantastisches Konzert einen würdigen Abschluß.

Besonders interessant eine Randbemerkung von Alexander: Die Frage nach Hannoveranern im Publikum, gefolgt von der Bemerkung, man sähe sich doch hoffentlich zum "Concert that never happened before". Es scheint uns also dieses Jahr noch ein Konzertereignis der besonderen Art ins Haus zu stehen ... neben dem M'Era Luna, auf dem Deine Lakaien ebenfalls auftreten werden.

Ein Wiedersehen, auf das man sich freuen kann!

Text: Michaela Suchlich

Fotos: Michael Vogel