The Crüxshadows: Dreamcypher-Tour

The Crüxshadows: Dreamcypher-Tour

“Look at your life. Who do you want to be before you die?” heißt es in der aktuellen Crüxshadows-Single “Birthday”. Keine Ahnung, welche Antwort Rachel McDonnel sich auf diese Frage gegeben hat - Fakt ist nur, dass sie leider nicht mehr Violinistin der Band sein möchte und am 9.8. in Krefeld ihren wohl letzten Club-Auftritt in Europa absolvierte.



Aber bevor der geneigte Fan sich anständig verabschieden konnte, gab es eine relativ lange Wartezeit (technische Probleme?) und dann eine Vorgruppe. Beim Bandnamen “Behind the Scenes” klingelte es ganz dunkel, und der Goth Rock/Electro/ hat-irgendwie-was-von-Fischer-Z-Sound und v.a. die prägnante Stimme von Michael Roeder bestätigten es: die fanden wir Ende der 90er schon mal gut. Zwischendrin die übliche traurige Geschichte: ausgestiegene Bandmitglieder und v.a. eine Plattenfirma, die das Zeitliche gesegnet hat. 2006 dann das neue Album “Pure” (ich gestehe, an mir ist es auch vorbeigegangen, was nach den Live-Eindrücken schade ist!), ein Re-Release des Debuts “Fragment” ist für Ende des Jahres geplant. Gelungener Auftakt, auch wenn der Mann für meinen Geschmack - allerdings auf eine sehr sympathische Art und Weise- zuviel redet, wo er lieber noch sänge.

Die Umbaupause war extrem fix - zum einen weil “Behind the Scenes” schon in der Crüxshadows-Deko gespielt haben, zum anderen weil Übung einfach den Meister macht, CXS sind ja seit Jahren fast nonstop auf Tour… Und ja, noch immer legen die Künstler selbst Hand mit an, daran hat auch der Tophit “Sophia” nichts geändert.


Dann ging es aber endlich los, die Band betrat die Bühne und der erfahrene CXS-Konzertbesucher ließ seine Blicke suchend durch die Menge schweifen: Wo würde er auftauchen? “Er” ist natürlich Virgil Roger DuPont III, besser bekannt als „Rogue“ und seines Zeichens Frontmann der Band. Natürlich ließ er es sich auch diesmal nicht nehmen, durchs Publikum auf die Bühne zu kommen…neu ist allerdings, dass es dafür einen speziellen Treppenaufbau gab. Aber keine Sorge, der Mann hat die Kletterpartien, die sein Markenzeichen sind, nicht aufgegeben, er kommt noch immer auf jeden Lautsprecherturm.


A propos körperliche Leistung: Auch die Tänzerinnen gaben wieder alles, da wurde das gesamte Spektrum der rhythmischen Sportgymnastik (fast: Bälle haben gefehlt) mit erotischem Einschlag dargeboten - und dazu noch gesungen, tiefer Respekt vor der Kondition der beiden Damen!



Rogue spielte derweil in altbekannter Manier lebendes Suchbild, war viel und gern im Publikum - aber dank Leuchtkörpern an der Jacke ziemlich leicht zu entdecken. Den Trick, auf einem Barhocker stehend diesen zu drehen, muß ich bei Gelegenheit mal üben, das ist ein echter Hingucker. Ansonsten gab es neu venezianische Masken bei „Wake the white queen“ und altbekannt die Fliegerbrille bei „Winterborn (This sacrifice)“. Und natürlich die Rede ans Volk in Landessprache.

In der wir dieses Mal lernten, dass bedingungslose Anbetung nicht unbedingt Sympathie beim Objekt der Begierde weckt („Er mag mein Deutsch…er mag alles.“), Sprachen sich doch manchmal sehr ähneln („Wie sagt man Version auf deutsch?“) - und dass es tatsächlich noch junge Frauen gibt, die nicht wissen, was es geschlagen hat, wenn sie bei einem Konzert auf die Bühne gerufen werden. Noch nicht mal, wenn das Wort „Frage“ fällt… Ja, es gab wieder einen Heiratsantrag - und auch dieses Mal gab es keinen Korb. Dafür aber sichtlich weiche Knie, war schon irgendwie romantisch.





Und nachdem grade alle so schön gerührt waren, zog Rogue gleich noch mit der Vorstellung der Band nach - ohne einen Kommentar zu Rachels Aussteigen, was aber auch nicht nötig war. Es gab frenetischen Applaus, der ein strahlendes Lächeln auf das sonst immer so ernste Gesicht der Violinistin zauberte.


Das Main Set endete sehr stimmungsvoll mit dem wunderschönen “Eye of tue Storm” - die langsame Schlußpassage, nur Gesang und Geige, war für sentimentale Geister wieder was zum feuchte Augen kriegen.

Und in den Zugaben ging es direkt weiter mit emotionalen Momenten: Zu “Marilyn my Bitterness” holte sich Rogue die ersten Zuschauerreihen komplett auf die Bühne. Wer sich nach hinten geflüchtet hatte, durfte dafür mit Jessica und Sarah tanzen, die ihre Aktivitäten in den Zuschauerraum, wo inzwischen deutlich mehr Platz war als auf der Bühne, verlegt hatten.




Die zweite und letzte Zugabe absolvierte die Band dann ohne die beiden “Funkenmariechen”. Nach einer (im Vorfeld bereits “angedrohten”) A cappella-Version des Jefferson Airplanes-Klassikers “White Rabbit” endete das Konzert mit “Don’t follow me”-Wechselgesängen, aka “Euridyce“. Wie immer haben die sympathischen Amerikaner ein extrem gelungenes Konzert abgeliefert, das neben Wehmut Neugier auf die Zukunft geweckt hat.




Text und Fotos: © Michaela Suchlich