
Blackfield Festival 2011, Tag 2, Sonntag 26.06.2011
Sonne! SONNE!!!! Auf den Rängen zeigten sich aber trotzdem reichlich Schirme, denn nun war es gleich auch RICHTIG warm. So ist das Leben, es gibt immer was zu mäkeln...
Quatsch - es war perfekt. Die Sonne schien, das Wasser glitzerte, die Dampfer tuteten und die Bands machten nach Kräften Krach...soweit es technisch möglich war. ;-)
Aber a propos mäkeln: Ich finde es wirklich gut und lobenswert, wenn auch Leute jenseits der 20 noch was Neues auf die Beine stellen. Von daher Respekt vor den beiden Herren von Blitzmaschine . Allerdings hätte man sich doch gewünscht, dass gewisse Lebenserfahrung und jahrelanges Musikhören oder Musizieren zu einem etwas originelleren Konzept geführt hätten... Als "EBM für die Mittelklasse" bezeichnen die beiden selbst ihre Musik, was immer das auch heißen mag.
Noch eine Band mit Sinn für lustige Opener: Mit "Willkommen in der Dunkelheit" begannen Stahlmann ihren Auftritt. Um kurz vor ein Uhr mittags. Liebevoll silbern bemalt (auch Bandangehörige, die später gar nicht mit auf der Bühne standen - das nenn ich Arbeitsmoral!) gaben sie sich viel Mühe, das Publikum aufzuwecken bzw. zum "Mitarbeiten" zu animieren. Wer wollte, konnte sich auch einen Schluck Bier abholen.

"Hallo, wir sind die Staupiloten!" Sono hätten ja letztes Jahr spielen sollen, sind aber nicht von Hamburg bis Gelsenkirchen durchgekommen irgendwie. Dieses Jahr hat es zum Glück geklappt und der Auftritt bot eine sehr, sehr erfreuliche musikalische Abwechslung. Und obwohl sicherlich viele Fans ganz anderer Musik da waren, war die Stimmung ausgesprochen gut, vom ersten bis zum letzten Song, Keep Control oder in den Worten von Lennart, "unsere Ach, die sind das!-Nummer".

Angemalte Männer machen Krach Folge 2 a.k.a. "Reaper". Vasi trinkt jetzt nur noch aus ganz kleinen Flaschen, um Beschwerden aus dem Publikum vorzubeugen und muß feststellen, dass Schminke und Sonnenhitze sich nur begrenzt vertragen. Außerdem gibt es die erste technische Panne des Tages, irgendwas muß ausgetauscht werden, und eine hinreißende Ballade...nee, nur Spaß. ;-) Aber dafür gab es eine spanische Version von Dirty Cash, gesungen oder sagen wir vielleicht besser dargeboten von Terrolokaust-Sänger Javi Ssagitar.

Hui, das hatten wir noch gar nicht auf diesem Festival: Eine Gitarrenband! Und A Life Divided sind der Guten eine, das machte auch den Nicht-Gitarrenband-Fans Spass. Sänger Jürgen Plangger half denen, die rätselten, wo sie ihn schon mal gesehen haben, mit einem "Schwarze Wittwe"-Shirt auf die Sprünge (richtig, der Gitarrist!) und war rührend besorgt um sein Publikum: "Habt ihr Sonnencreme dabei?" Berechtigte Frage, inzwischen knallte die Sonne wirklich ordentlich ins Amphi-Theater.

Das tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch, auch nicht bei Assemblage 23. Auch der extrem krachige Sound vor der Bühne störte die Fans nicht. Tom Shear hatte statt Stammkeyboarder Paul zwei Ersatzmänner mit auf der Bühne, darunter X-Divide-Keyboarder Jens, der das Festival moderierte. Vielleicht war ihm die Bühne sonst zu leer? An der großen Zuschauermenge hatte er sichtlich Spass, bewegte sich weit mehr als beim Clubkonzert am Mittwoch und schoss Erinnerungsfotos von der Bühne.
Nun aber schlug die Stimmung von "gut" zu "sensationell" um: Die Letzte Instanz . Da ist was los - nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Zuschauerraum! Da werden Buchstaben mit den Händen geformt, da wird getanzt und gesprungen, da kniet man sich auf Bitte von der Bühne hin!!! Nur die Anregung, sich doch, ebenso wie die Band, nach und nach auszuziehen, wenn es zu warm wird, wollte, soweit ich es gesehen habe, keiner aufgreifen - aber das war auch optional. Auf jeden Fall hatten alle viel Spass, Band wie Publikum...kein Wunder, dass die Ansage: "Nun kommt unser letzter Song, der dauert 64 Minuten..." mit donnerndem Applaus quittiert wurde. Aber ganz so lang ist "Wir sind allein" natürlich nicht.

Im Nachhinein betrachtet wäre die Zeit aber da gewesen, der Auftritt von Combichrist fiel nämlich ausgesprochen kurz aus. Genauer gesagt drei Songs lang. Dann waren nur noch einigermaßen ohrenbetäubende Geräusche zu hören - gut, ich gebe zu, ich habe relativ lange gebraucht, um mitzubekommen, dass das nicht so sein soll... Auch Andy kommentierte die Kakophonie mit einem halb anerkennenden "I cann not remember writing that song, but I fucking like it". Leider ließ sich die technische Panne, die für die Komposition zuständig war, nicht beheben, was bei Herrn LaPlegua zu einer kleinen Bußübung führte ("I feel so bad now for all the time I laughed about technical problems of other bands"), das Publikum eine Welturaufführung von Combichrist-Songs unplugged und ein eigenwilliges Cover von A-has "Take on me" bescherte und die Erkenntnis: "What is so great about being in an industrial band? NOTHING!"

Eisbrecher wären vielleicht lieber am Samstag aufgetreten..."Eiszeit" stilecht in Winterklamotten wäre sicher angenehmer gewesen. Alexx beschloss dann auch, das nächste Album "Wüste" zu nennen und dann mit "Adiletten und Boxershorts" auftreten zu können. Auch das ein ausgesprochen gelungener Auftritt mit viel Spass, einer Schnapsrunde fürs Publikum, einer (nicht ganz unangebrachten ;-)) Warnung an Eltern, ihre Kinder vielleicht nicht mitzubringen, weil die Dinge ja "falsch" verstehen könnten, und dem lustigsten Cover des Tages: "Mei Vater is a Appenzeller", komplett mit Jodler, als Einleitung zu "This is Deutsch"! Und zum Schluß gab es noch Rosen für die Mädels, zu den Klängen von "Total Eclipse of the Heart"...leider vom Band, nicht gecovert.

Auch bei der letzten Band des Festivals ist live immer allerhand geboten - womit die Gemeinsamkeiten allerdings auch enden: Schandmaul beendeten einen sehr elektronischen Tag mittelalterlich. Und zum zweiten Mal kniete die Masse vor der Bühne auf Kommando nieder... Außerdem wurde Polka getanzt - ja, richtig von links nach rechts, mit der Regieanweisung durch Sänger Thomas: "Wer nicht mitmacht, ist doof...oder geht wenigstens aus dem Weg!" Er selber hatte eine Ausrede - er trug den Arm in Gips, angeblich ein Unfall beim Purzelbaumschlagen. Und so endete das Festival ausgesprochen ausgelassen - bis es ganz am Ende mit "Mein Anblick" noch richtig romantisch wurde, passend zur mondhellen Nacht am Fluss...


---------------------------------------------------
Im Rahmen des Festivals wurden Spenden für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) gesammelt. Es kamen 548 Euro zusammen, die Veranstalter haben auf 700 aufgerundet. Gute Sache! Wer helfen möchte: Unter www.dkms.de kann man Geld spenden oder sich als potentieller Spender registrieren lassen - auch online/ per Post!
Text und Fotos: Michaela Kaebe