Blackfield Festival 09: Sonntag

Blackfield Festival 09: Sonntag

Faun, Frozen Plasma, Letzte Instanz, IamX, Suicide Commando, Mesh, Apoptygma Berzerk, ASP

Der Tag beginnt mit einer Ton-Bild-Schere: Ein (noch) sonniger Tag, ein Park, spielende Kinder auf dem Spielplatz...und als Soundtrack dazu Santa Hates You. Hätte sich ein Regisseur so vermutlich nicht ausgesucht. ;-)


Auch die erste Band, die ich vor der Bühne erlebt habe, mag Widersprüchliches: „Wir singen von Blumen und Pflanzen und vom Untergang der Welt“ beschreibt Frontmann Oliver das Konzept von Faun. Das tun sie auf allerlei alten Instrumenten, gerne auch mal auf Alt-Isländisch, in einem sehr naturnahen Bühnenbild (umwerfend der „holzverkleidete“ Apple!) und mit ausgesprochen viel Spaß an der Sache.



Den hatten sichtlich auch Frozen Plasma. Zu „Bewegung Schrägstrich Tanzen“ forderte Felix Marc die schon erfreulich zahlreiche Zuschauerschar auf und wurde seiner selbstgewählten Rolle als „persönlicher Fitness-Berater“ absolut gerecht. Und gut gesungen hat er nebenbei auch noch. Am Ende des Auftritts hatte er das Amphi-Theater zu Depeche Mode-reifem Armewedeln motiviert. Und auch einen Gaststar zauberte die Formation aus dem Hut: Misery-Sängerin Lis sang, wie auf einem der Remixe auf der Single, bei Earthling mit.


Die Letzte Instanz hatte eine andere Methode, die Menge zum Mitmachen zu bewegen: „Erhebt Euch“ forderte „Richter“ Holly – und tatsächlich, es funktionierte! Kurz zumindest. Später wurde zwar die Frage „Wollt Ihr tanzen?“ durchaus bejaht, was aber nicht jeden dazu motivierte, aufzustehen. Ansonsten wie immer gute Stimmung, viel Bewegung auf der Bühne und ein sehr gewöhnungsbedürftiges Bühnenhintergrundbild.

„Mal ganz was anderes“ kann man den Auftritt von IamX zusammenfassen. Mal keine Band, die man in den letzten Jahren auf gefühlt jedem zweiten Festival gesehen hat, eine Band, deren Musik in so gar keinen Rahmen passt – und das tat auch der Live-Auftritt nicht. Sehenswert! Hörenswert natürlich auch...leider wurde das von der Technik durch extremes Aufdrehen gewürdigt, was nicht der Weisheit letzter Schluss war. Trotzdem: Ein Highlight.







Danach ging es weiter in der Rubrik „immer wieder gern genommen“: Suicide Commando. Wie immer laut und heftig in Wort und Bild und wie immer nichts für mein zartes Gemüt. Dass Eltern, die ihre Kinder dabeihaben, diese an dieser Stelle nicht auf ein Eis oder eine Portion Pommes aus Sichtweite der Bühne bringen ist mir persönlich schleierhaft...aber da scheint der eine oder andere Erziehungsberechtigte ein robusteres Gemüt zu haben als ich.


Deutlich familienkompatibler: Mesh. Es war allerdings nicht einer der besten Auftritte der Briten. Mark schob die Schuld irgendwie auf sein weißes Shirt (wenn mir das jemand erklären kann? mk@stage-press.de , danke!) bzw. auf das Wetter und die Setlist: „Too many songs with rain in it, maybe that’s why?“ Wie auch immer, die Technik wollte nicht so recht und der Funke wollte nicht so richtig überspringen. Erfreulich auf jeden Fall die neuen Songs, die es live bzw. im Vorfeld als Video zu hören gab.

Einen ausgesprochen großartigen Auftritt legten Apoptygma Berzerk hin. Steffen Groth und seine Mannen hatten richtig gute Laune, eine schöne Auswahl aus neuen und alten Songs mitgebracht und wurden durch ausgesprochen gute Stimmung, auch auf den vollbesetzten Rängen, belohnt.





Das letzte Wort bzw. die letzten Töne gehörten ASP. Ein ausgesprochen schönes Bühnenbild tauchte das Amphi-Theater noch einmal in stimmungsvolles Licht, auch hier gab es neue Songs, angekündigt mit einem lakonischen: „Wir probieren es jetzt mal – wenn es nicht klappt, bleiben wir trotzdem Freunde?“ Frenetischer Jubel zeugte davon, dass die Kombi sich um die Treue ihrer Fans keine Sorgen machen braucht.

Das zweite Blackfield –Festival hat den extrem guten Eindruck vom ersten nicht nur bestätigt, sondern übertroffen. Ein besonderes Lob übrigens an Veranstalter und Bands, dass man die knappe Zeit optimal genutzt hat, rasend schnell umgebaut und sich das lustige „Wir tun jetzt mal so, als ob wir fertig wären, und ihr ruft ganz laut „Zugabe““-Spiel komplett geschenkt hat. Wo 45 Minuten Auftritt draufstand, waren auch 45 Minuten Musik drin, nachahmenswert!

Bitte noch schnell den Kalender zücken: 12. und 13. Juni 2010, Gelsenkirchen Amphitheater, 3. Blackfield Festival. Bislang bestätigt: Oomph!

Text und Fotos: © Michaela Kaebe

Warm-Up Showcase: www.stage-press.de/reportagen/blackfield_warmup_09.html

Blackfield Samstag: www.stage-press.de/reportagen/blackfield09_samstag.html