Blackfield Festival 08: Samstag

Blackfield Festival 08: Samstag

Ich habe selten so ein schönes “Frühprogramm” erlebt wie am Blackfield-Samstag! Schon die „Aufwärmer“, Colony 5 waren für mich ein ausgesprochenes Must see. Hat sich auch gelohnt! Gut gelaunter Auftritt, schöne Mischung aus den alten, poppigeren Nummern und Stücken aus dem aktuellen Album „Knives“, auf dem es etwas EBM-mäßiger zur Sache geht. Keyboarder Magnus wirkte allerdings noch etwas müde, den hab ich schon energiegeladener erlebt. Auch die Technik war für meine Ohren nicht ganz auf dem höchsten Stand – aber immerhin, es funktionierte alles.


Das konnten Iris nun nicht grade von sich behaupten. Und wie so oft entstand einer der schönsten Momente des Festivals aus einer Panne. Während Andrew verzweifelt mit der Technik kämpfte, hatte Reagan bald die Nase voll davon, sich ewig zu entschuldigen – und sang einfach los, nur vom Bass begleitet. Und nachdem der Mann wirklich singen kann, war das nicht nur mutig, sondern auch sehr schön anzuhören – oder wie der Texaner hinterher feststellte „kind of cool“. Respekt!


Den nächsten Sänger hatte man vor kurzem schon mal irgendwo gesehen… Sven Friedrich war wieder dran, diesmal elektronisch mit seinem Soloprojekt Solar Fake und bis auf einen Keyboarder alleine auf der Bühne. Und wir stellen fest: Je mehr Platz der Mann hat, desto schneller wird er… Unglaubliche Kilometerleistung, dabei gewohnt eindrucksvoll gesungen – Sven macht Spass, egal mit welcher Formation er grade unterwegs ist.

Für Diorama wurde es dann das erste Mal richtig voll im Zuschauerraum. Voller übrigens als für die nachfolgenden Bands, was von den Veranstaltern meiner Meinung nach getrost als Hinweis gedeutet werden kann, dass diese Band zukünftig später und vor allem länger spielen sollte! Die Reutlinger hatten das Publikum auch von den ersten Tönen des Openers „Advance“ fest im Griff. Brillianter, unglaublich energetischer Auftritt, insbesondere Torben schont sich wirklich nicht – Abstürze werden in Kauf genommen und mit einem lakonischen „Ich lebe noch“ an die nervöse Security kommentiert (die so zumindest schon mal einen ersten Eindruck dessen, was am Sonntag in Sachen bewegungsfreudige Frontmänner noch auf sie zukommen sollte, bekommen hat).






Northern Lite dagegen gaben sich ruhig, fast hypnotisch.


Sehr schön anzuhören, und ein bischen runter vom Gas war bei dem (noch!) wunderschönen Sommerwetter auch kein Fehler – aber davon, dass bei deren Clubkonzerten angeblich die Halle kocht, war nicht viel zu spüren. Der Re-Test steht bei mir noch aus. Wer die Band aber nur von ihrem Bundesvision Song Contest-Auftritt her kannte, dürfte sehr angenehm überrascht gewesen sein.



„20-jähriges Jubiläum…ach Du Scheiße“. So brachte es Eric Burton, Frontman von Catastrophe Ballet kurz und knackig auf den Punkt. Einen ausgesprochen gelungenen Auftritt legte er mit seiner im Tanzkapellen-Look erschienenen Band hin, musikalisch ausgesprochen vielfältig und immer mit einem flotten Spruch vom Frontman untermalt, von einem Duett mit Oswald Henke („Wenn ihr noch auf andere Gäste wartet – Pech gehabt, die haben alle abgesagt. Wir sollten uns vielleicht Sorgen um unsere Beliebtheit machen?“) bis zum Cover der Seague Seague Sputnik-Radaunummer 21st Century Boy („ Ein blöder Song von einer blöden Band zu einer Zeit, als jeder der ernsteste, traurigste, gothicste sein wollte. Wir waren uns sicher, dafür hasst ihr uns auf ewig.“) Hat Spass gemacht, tu ich mir vor dem nächsten Jubiläum gern zwischendurch das eine oder andere Mal an.


Weit weniger unterhaltsam fand ich persönlich Modcom . Bei allem gebührenden Respekt vor Mr. Harris und auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass mir das auch musikalisch nicht allzu viel gibt…ein Mann, ein Biertisch und div. Maschinen, das ist dann doch ein bischen sehr minimalistisch für einen Tagesauftritt, wo man sich nicht mit Videoprojektionen und schönen Lichtern behelfen kann.


Ganz gruselig fand ich Samsa’s Traum . Wenn ich headbangende Radaumacher hören will - und das will ich zugegebenermaßen eher nicht - aber WENN ich das will, dann fallen mir –zig Bands ein, die das überzeugender tun. Streichresultat.



Subway to Sally dagegen waren, obwohl musikalisch auch nicht meins, nett. Lustig anzuschauen und wie immer gute Stimmung verbreitend, ließ sich das durchaus anschauen. Wobei mir „Julia und die Räuber“ nun schon seit gefühlten 10 Festivalsaisons bis Oberkante Unterlippe steht… Aber gut, die Fans stehn drauf, da muß man einfach auch mal Toleranz üben können. Schicke Feuershow auf jeden Fall, und Kompliment an die junge Dame, die Eric sich zum Mitsingen auf die Bühne geholt hat: Wacker geschlagen!





Und dann gab es noch eine Band, die es eigentlich schon nicht mehr gibt, die zumindest eine sehr lange Pause eingelegt hat: Nitzer Ebb . Und die haben dem gesammten EBM-Nachwuchs mal ganz deutlich gezeigt, was eine Harke ist. Wahnsinn! Der schließlich doch noch runterprasselnde Regen vertrieb zwar gegen Ende des Auftritts einige, aber viele hielten durch…und empfanden, abgetanzt wie sie waren, den Regen vermutlich eher als willkommene Abkühlung. Nur ob das ausgezogene Hemd hätte sein müssen, darüber kann man mal wieder streiten. ;-)

Text und Fotos: © Michaela Kaebe

Der Freitag: www.stage-press.de/reportagen/blackfield08_freitag.html

Der Sonntag: www.stage-press.de/reportagen/blackfield08_sonntag.html