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Am 8.12.2006 war es endlich soweit. Barbara Clear, die Rebellin des Musikbusiness, lud zu ihrem einzigen Konzert in Norddeutschland in den AWD-Dome in Bremen. Nachdem das Konzert ursprünglich schon im Spätsommer stattfinden sollte, waren nun etwa 1000 treue Fans ihrem Ruf in die Halle gefolgt, die das 14-fache an Zuschauern aufnehmen könnte.
Vielleicht lag es an der Bewegungsfreiheit des Publikums, vielleicht lag es am Publikum selber - man merkte schnell, dass dies kein normales Konzert eines normalen Künstlers war. So wurde sie von einem Ansager vorgestellt, der den Hinweis gab, dass - obwohl eigentlich nur eine Person auf der Bühne sein würde - sich auf der Bühne zwei Personen befinden würden: Barbara und der Zwerg Sam, der erzählen würde, wie er unsere Welt sieht.
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Barbara kam auf die Bühne, nahm ihre Gitarre und ließ den Zwerg erzählen. Dies wirkte auf einen unbedarften Besucher sicherlich ein wenig befremdlich, aber Barbara Clear wäre nicht Barbara Clear, wenn sie alles so machen würde, wie der Rest des Musikgeschäfts.
Barbaras Repertoire umfasst viele Coverversionen bekannter und weniger bekannter Titel, aber auch eigene Schöpfungen sind dabei. Den Anfang machte "Tumbleweed" von Peter Rowan. Von der ersten Sekunde an war man gefangen von dieser kräftigen Stimme, die zusammen mit dem Gitarrenspiel eine atmosphärische Stimmung erzeugte.
Bei weiteren Titeln, wie "Rosie" von Jackson Brown bat sie das Publikum um Mithilfe als Taktgeber. Diese Aufgabe durften die Zuschauer dann auch bei ihrem eigenen Titel "7 Tage" unter Beweis stellen, als sie den Takt mit den Fingern schnipsen mussten. (und es auch bereitwillig taten). Dies steigerte sich zum darauf folgenden Titel "Dirty old Town", bei dem die Zuschauer einen Teil des Refrains singen mussten - was zeigte, wie gut Barbara ihre Zuhörer beherrscht.
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Bei "Locomotive Breath" von Jethro Tull zeigte sich die Existenzberechtigung des Gitarrenständers auf der Bühne - denn eine Gitarrensaite riss. Dies nahm sie zum Anlass, sich über Musiker zu amüsieren, die im Vollplayback arbeiteten, namentlich erwähnte sie dabei Milli Vanilli (die 1990 einen Skandal ausgelöst hatten, als sie zugaben, keinen einzigen ihrer Titel selber gesungen zu haben)
Die Breitseite gegen die Musikindustrie ging weiter, als sie Witze über Klingeltöne mit "rülpsenden Fröschen" machte. Nach "Me And Bobby McGee" von Janis Joplin folgte dann auch ihr Titel "Der Wurm". In diesem Stück äußert sie sich kritisch über die Vermarktung neuer Künstler durch Castingshows und dem schnellen, aber auch schnell vergänglichem Ruhm.
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Nach diesem etwas nachdenklichem Titel brachte sie mit "Was wollen wir trinken" die Leute wieder in Schwung. Nach insgesamt vierzehn Titeln ging es dann in die Pause. Vorher gab sie jedoch den Hinweis auf zwei Stände im Foyer. Ihr eigener Stand, wo ihre CDs verkauft wurden, aber auch der Stand des Vereins "Verwaiste Eltern und Geschwister Bremen", der im späteren Verlauf des Konzerts noch eine wichtige Rolle spielen würde.
Die zweite Hälfte des Konzerts begann mit "May morning due", einem 300 Jahre altem irischen Lied. Dieses Lied fanden nicht nur die Zuschauer mitreissend, sondern auch eine Gitarrensaite.
Es folgten in rascher Folge Titel wie "Turn of a friendly card" von Alan Parson's Project, "Revolution" von Tracy Chapman, sowie "Ruby Tuesday" von den Rolling Stones. Erst später fiel auf, dass sie den Zwerg Sam anscheinend im Pausenraum zurückgelassen hatte. In der Folge beschränkten sich ihre Wortbeiträge auf Kommentare zu den einzelnen Stücken sowie persönliche Äußerungen.
Bei "Rock'n Roll Hunter", einem ihrer eigenen Titel, musste das Publikum wieder Instrument spielen, beim folgenden Titel ("any man of mine" das in "we will rock you" überging), bat sie die Leute darum, rhythmisch zweimal auf den Boden zu treten und einmal zu klatschen. Man sollte sich dabei vorstellen, dass im Apartment unter einem Dieter Bohlen wohnen würde. Die Kritik am Musikgeschäft führte sie bei "When a blind man cries" von Deep Purple fort. Sie kritisierte die Regel, dass heutzutage jedes Lied eine Normlänge von etwas über drei Minuten haben müsse, um im Radio und im Fernsehen gespielt zu werden.
Zu "Sag mir, wo die Blumen sind", einem Antikriegslied, das unter anderem von Marlene Dietrich interpretiert wurde, erwähnte sie, dass die Presse sie gerne als übrig gebliebener Hippie titulieren würde. Sie widersprach dieser Darstellung nicht - im Gegenteil. In Bezug auf ihre Meinung zu Krieg und Militär wäre sie ein Hippie. In diesem Zusammenhang äußerte sie ihr Missgefallen an der derzeitigen deutschen Politik, die die Bundeswehr zu Auslandseinsätzen schickt.
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Nach "Dead skunk" (wo die Zuschauer den Refrain "Dead skunk in the middle of the road" sangen), "Proud Mary" und "Hotel California" war das Konzert beendet, aber natürlich gab es noch mehrere Zugaben. eine der Zugaben "Candle in the wind" widmete sie dabei den Monrose (Die Gewinner der letzten "Popstars"-Staffel) aus zweierlei Gründen. Zum einen wegen der Namensähnlichkeit, schließlich geht es in "Candle in the wind" um Marilyn Monroe, zum anderen geht es dort aber auch um die Vergänglichkeit des Ruhms. Zu diesem Titel leuchteten auf einmal überall Wunderkerzen auf, die der oben erwähnte Verein "Verwaiste Eltern und Geschwister Bremen" vorher verteilt hatte.
Noch ein letztes Mal amüsierte sich Barbara - diesmal über "wetten dass", die auf dem selben Gelände eine kleinere Halle für ihre Sendung am folgenden Tag gemietet hatten - dann war das Konzert zu Ende.
Barbara Clear polarisiert, das hat dieser Abend deutlich gezeigt. Sie unterstreicht in allem was sie tut, dass sie es tut, eben weil sie es tun kann. Es ist unvernünftig, eine Halle mit 14.000 Plätzen zu mieten, wenn selbst bei den größten Erfolgen bislang knapp 7000 Zuschauer gekommen waren - aber sie tut es, weil sie es so mag. Auch halten sich viele Musiker stark zurück, was politische Meinungen oder Kritik am eigenen Geschäft angeht - Barbara hält hier kein Blatt vor den Mund. Sie beweist immer wieder ihre Einmaligkeit im deutschen Musikgeschäft.
Text und Fotos: © Michael Vogel
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