
Bei "Apoptygma Berzerk" ist das einzig Stabile die Wandlung. Gestartet als Ein-Mann-Projekt sind sie mittlerweile eine Gruppe um Mastermind Stephan Groth. Und genauso wie sich die Gruppe verändert hat, hat sich auch von Album zu Album ihre Musik geändert.
Einen grossen Teil dieser Vielfalt konnte das Publikum im Capitol in Hannover erleben, als APB am 25.11.05 den Abschluss ihrer "You and me against the world"-Tour feierten.
Und es war ein Fest. Das Publikum bestand wie immer aus den üblichen Verdächtigen, deren Lieblingsfarbe ein fröhliches Schwarz ist. Dem zum Trotz waren sie wirklich ausgelassen dabei. Schon beim ersten Titel, "Eclipse" (einer der Top-Titel aus dem Album "Welcome to earth"), war das Feuer entfacht. Die Zuschauer hüpften und sangen mit. Dazu trug sicherlich auch die Instrumentalisierung dabei, mit Fredrik Brarud an den Drums, Angel Stengel und Anders Odden an den Gitarren und Geir Bratland am Keyboard - und nicht zu vergessen Stephan Groth als Sänger, dessen Stimme sich im Laufe der Jahre immer weiter gesteigert hat.

Die ausgelassene Stimmung beruhigte sich etwas bei "You keep me from breaking apart" und "tuning in to the frequency of your soul" aus dem aktuellen Album. Sowieso war zu beobachten, dass insbesondere bei den älteren Stücken die Stimmung ausgelassener war. Dies zeigte sich beim nachfolgenden Titel "Spiritual reality", einem wahren Klassiker (Stephan bezeichnete es auf der Bühne als "Oldschool Classic") aus dem zwölf Jahre alten Debutalbum "Soli deo gloria".
Dass aber nicht nur Altes die Massen bewegte, zeigte sich anschließend. "In this together" hat das Zeug dazu, ebenso ein Klassiker zu werden. Stephan hatte bei diesem Titel musikalische Unterstützung. Lennart A. Salomon, der Sänger der Gruppe "Sono" die das Vorprogramm der Tour bestritten, betrat die Bühne und sang mit. Er bedankte sich im Anschluss bei den einzelnen APB-Mitgliedern für die fantastische Zeit, die sie als Support von APB während der Tour gehabt hatten.
In einem musikalischen Fest voller Höhepunkte folgte eine der Top-Titel des Abends überhaupt, "Starsign" in einer neuen Version. Genauso wie dieses Stück, spielten sie viele andere in neuen, häufig noch längeren Versionen. und so erblühte auch "Deep Red" in neuem (roten) Glanz, denn die Bühne wurde zu Ehren des Titels in blutrotes Licht getaucht.

Nach "Mercy Kill" zeigte sich die Begeisterung für die älteren Stücke anhand von "Kathy's Song", einer der erfolgreichsten Titel, wenn nicht sogar der erfolgreichste Titel von APB überhaupt. Im Gegensatz zu den anderen Liedern waren hier nur Stephan und der Keyboarder Geir alleine auf der Bühne, was man sogleich merkte, denn irgendwie fehlte etwas.
Bei "Lost in translation" waren sie wieder vollständig auf der Bühne und konnten beim "oldschool stuff" (Burning heretic) wieder richtig aufdrehen.
"Shine on", die aktuelle Single, läutete die Endrunde des Konzerts ein, der Hintergrund der Bühne wurde nun als Videoleinwand verwendet. Auch bei "Unicorn" wurde das passende Video abgespielt, zusätzlich sorgten Stroboskopblitze dafür, dass die Menge kochte. Und das ist nicht nur sprichwörtlich gemeint, denn die Temperatur im Innenraum hatte gefühlte tropische Grade erreicht.
Diese wurden mit "Until the end of the world" endgültig überschritten als Hunderte von Zuschauern klatschten und ausgelassen hüpften.
Und dann war es zu Ende. Nun, nicht ganz. Nach den Zugabe-Rufen trat der Schlagzeuger auf die Bühne und spielte nicht nur mit den Drums, sondern auch mit dem Publikum, indem er immer wieder Stücke anspielte. Und wer dachte, der Höhepunkt sei bereits gelaufen, wurde bei "Nonstop violence" eines Besseren belehrt. Die Zuschauer wurden aktiv eingebunden, indem sie "violence" an den passenden Stellen riefen. Bei "love never dies" wünschten sich sicherlich viele, dass dieser Abend nie zu Ende gehen solle, einschließlich der Musiker, die ihr Bestes gaben.
Aber alles hat einmal ein Ende, auch dieses Konzert. Noch einmal durfte Fredrik Brarud mit den Drums (und dem Publikum) spielen, dann wurde uns das Ende durch "Bitch" versüsst.
Es war ein grossartiges, ein herausragendes Konzert, wenn nicht sogar das Beste, was APB in fünfzehn Jahren Bandgeschichte abgeliefert haben. Ob neue Stücke oder alte Stücke in neuem Gewand - alles passte zusammen und alles ergab ein Ganzes. Mancherorts wurde ihnen vorgeworfen, sie seien zu kommerziell geworden oder sie hätten sich zu ihrem Schlechten verändert. Wenn die Folge dieser Veränderung solche Konzerte sind, kann man nur sagen: Weiter so!
Text: © Michael Vogel
Fotos: © Magdalena Pawlas