
16.7.2011, Köln, Tanzbrunnen
Mit: [x] - Rx, Klangstabil, Mind.In.A.Box, Winterkälte, Zeraphine, Frozen Plasma, In strict Confidence, Die Krupps und Deine Lakaien.
Und Regen...
Und einem Lob an die Veranstalter! Nicht "nur" ein tolles Musikprogramm und ein zum Vorjahr noch weiter erweitertes (erweiterteres?) Rahmenprogramm im Theater (mit Sitzplätzen!), neben dem schönen Chilloutbereich im Beachclub (mit Sitzplätzen!) gab es dieses Jahr neu im Staatenhaus das Amphi Café. Ja, mit Sitzplätzen. Man wird nicht jünger, ich find das wichtig! ;) Und mit sehr trinkbarem Kaffee. Und einem Dach über dem Sitzplatz, auch wichtig. Aber kommen wir zur Musik...
Und zu einer Überraschung: Combichrist-Andi als Ansager? Nein, sah nur aus den Augenwinkeln so aus, die Jungs von [x] - Rx haben sich nur von ihm in Sachen Make-up inspirieren lassen. Musikalisch fand ich sie hauptsächlich...laut. Die Cybergoth-Fraktion allerdings tanzte sich munter auf dem kleinen Plateau neben der Bühne warm, an dem man Richtung Staatenhaus vorbeiflitzt, wenn man versucht, soviel wie möglich wenigstens kurz mal zu sehen/ hören/ fotografieren.

Zumal Klangstabil musikalisch auch eher mein Ding sind. Wobei sich schon bei den ersten Takten von "Math & Emotion" eine Frage aufwarf: Warum bitte schreit Herr May live so? Und was genau hat ihm der Bühnenboden getan? Deutlich schöner die Gesangspartien von Maurizio Blanco...und das muntere Sprachengewirr passte natürlich schön ins Staatenhaus. Prädikat: Macht Spass, gefällt mir aber auf CD besser.
Auf Mind.in.a.box war ich gespannt. Und schön wars! Tolles Licht, und trotz nicht ganz optimalem Sound natürlich auch richtig tolle Musik. Aber machen wir uns nichts vor: Eine Rampensau im klassischen Sinne ist Stefan Poiss nicht gerade... ;) Flapsig ausgedrückt: Ohne die Live-Unterstützung an Bass und Gitarre hätte es auch ein Standbild getan. Wieder mal ein Beweis dafür, dass auf einer Bühne nicht Wunder was abgehen muss, damit es ein gelungenes Konzerterlebnis wird.

Winterkälte: So ungefähr muss es klingen, wenn ein wahnsinnig gewordener Fitnesstrainer das letzte aus seinem Kurs rausholen will - extrem schnelle Beats und lautes Gebrüll dazu. Lustigerweise zappeln die beiden Herren auch entsprechend hinter ihren jeweiligen Krachmaschinen rum. Dazu noch hektisches Licht, und fertig ist die "Das tu ich mir nicht an"-Atmosphäre.
Nix wie raus zu Zeraphine. Das Wetter war in der Zwischenzeit nicht besser geworden, musste ich leider feststellen, und natürlich mussten sie es auch noch beschreien, von wegen "Be my rain". Trotzdem hätte ich gern weiter zugehört, aber während Sven laut drüber nachdachte, warum er nach all den Jahren als Sänger immer noch nicht mit Mikrofonständern klarkommt, zog es mich wieder ins Staatenhaus...

...zu Frozen Plasma. Die machen einfach Spass! Schöner Auftritt, viel Spass und Bewegung vor und auf der Bühne, hätte gerne länger dauern dürfen. Und während ich noch überlege, ob es nun eine Coverversion ist, wenn ein Duo einen Song aus dem Soloalbum des einen darbietet (The Muse), brauch ich erstmal einen Moment Ruhe. Hab ich die vielen netten Sitzmöglichkeiten und den guten Kaffee schon lobend erwähnt? ;)

Und während draußen die traditionelle "Wir schmeissen T-Shirts in die Menge"-Verramsche mit Samsas Traum über die Bühne geht, geht es drinnen weiter mit In Strict Confidence. Auf die Mütze von Herrn Ostermann als Bühnenbekleidung muß man erst mal kommen, für die Temperaturen war sie ebenso wenig geeignet wie das hautenge Latex, in das sich Nina gehüllt hatte. Bewegen konnte sie sich darin eindrucksvoll, mit dem Gesang war es leider nicht so weit her an dem Tag, was natürlich dran gelegen haben kann, dass es der Armen richtig warm war. Aber gut, das hätte man wissen können...

Mit Urgesteinen neigte sich der Abend draußen dem Ende zu: Zuerst laut und heftig mit den Krupps, seit 1981 mit dabei (gut daher, dass es für mit den Bands älter gewordene Fans zahlreiche Sitzmöglichkeiten... ;-)). Und immer noch ganz schön energetisch dabei. Und mit viel Spass auf der Bühne. Soviel Spass, dass...nein, greifen wir nicht vor.
Den krönenden Abschluß des Samstages bildeten Deine Lakaien, auch schon seit 26 Jährchen auf der Bühne. Und was hätte es schön sein können...wunderschöne Musik, tolles Licht, romantische Location... Wären da nicht zwei Störfaktoren gewesen: Die Sommergrippe von Alexander, die doch an der einen oder anderen Stelle hörbar war. Und das Wetter, das nun jede Contenance fallen ließ - es goss wie aus Eimern. Und da waren sie dann auch wieder, die wippenden Schirme... Trotzdem schön natürlich, aber es hätte so WUNDERschön sein können...

Text und Fotos: Michaela Kaebe