
Sonntag. Frühsport mit EXT!ZE. Cyber-Trance-Industrial, aha. Böse Stimmen würden sagen Kirmes-Techno. Und schon wieder Mädels, die sich redlich bemühen, irgendwelche Männerfantasien in Tanzbewegungen umzusetzen. Ja, muß es denn sein...?
Welche eine Wohltat dagegen Escape with Romeo im Staatenhaus. Klasse! Band hatte Spass, Zuschauer hatten Spass, es gab mal richtig ausgiebige Gitarrensolos zu hören und Thomas Elbern kann live noch gänsehauterzeugender singen als auf Platte. Und er kommt dabei so herrlich britisch-unterkühlt daher, wie man es einem Kölner gar nicht zutrauen würde, während hinter dem Keyboard jede Gemütsregung durch heftige Mimik unterstützt wird. Gelungener Auftakt für drinnen!

Draußen im Anschluß Mono Inc. Klingen auch richtig gut, haben aber, ich kann mir nicht helfen, einen extremen „Hab ich doch schon mal irgendwo gehört?“-Faktor. Lustig die Idee, Iggy Pops Passenger zur Klampfe darzubieten und das dann für Youtube filmen zu lassen. Die etwas andere Präsentation einer Elektronikband auf einem schwarzen Festival...
Frank the Baptist wurden von Carsten Klatte unterstützt und machen Musik, die irgendwie Lust auf Pub und Guiness macht, ohne wirklich in die Folk-Ecke zu gehören. Spassig. Und netter Zylinder.

Rabia Sorda ist ein Solo-Projekt von Hocico-Frontmann Erk Arcraig. Folgerichtig machten wild angemalte Mannen ordentlich Krach.

Blitzkid in der Halle machen Horrorpunk, sagen sie selber. Müsste ich ein Label erfinden, wäre es Speed irgendwas, eine bunte Mischung aus Hardrock, Rock’n’Roll und allerlei anderen Einflüssen geben sie da zum besten. Dazu singen die Herren recht harmonisch zweistimmig, was ausgesprochen ungewohnt wirkt. „We are from America, we like things loud and stupid“, fasste TB Monstrosity das Konzept zusammen. Spassig und echt mal was anderes.
Bei Leaves’ Eyes gab es im Anschluß die allseits beliebte Mischung „feengleicher Soprangesang zu wildem Gitarrengeschrammel“, die auf keinem Festival fehlen darf, Sängerin Liv Kristine sollte vielleicht mal drüber nachdenken, sich die Haare wachsen zu lassen, beim allgemeinen Headgebange wirkt sie im Vergleich zu den Kollegen etwas verloren.

Im Staatenhaus blieb man bei „mal was anderes“: Coppelius boten schräge Musik auf klassischen Instrumenten, vor allem aber allerhand fürs Auge.

Mesh. Definitiv immer ein Highlight, auch heute. Schöne Videoprojektionen, schöne Musik und eine immer noch nervöse Gastsängerin Julia bei „Who says“. Sehr schöner Auftritt, wenn auch in meinen Augen etwas sehr „Perfect Solution“-lastig für einen Festivalgig, jeder zweite Song kam vom aktuellen Album.
„One of our favorite bands in the world...is not playing tonight. Instead, we give you Combichrist.“ Diese reizende Ansage stammte von VNV Nation Sänger Ronan, der wieder mal seiner heimlichen Leidenschaft fürs Durchs-Programm-Führen frönte. (Anmerkung an die Veranstalter der Nation: Nun LASST ihn doch mal moderieren, er macht das echt nett, und er hat doch soviel Spass dabei... ;-)) Dann wurde es wieder laut. Drei Drummer auf der Bühne taten ihr übriges dazu und legten sich so ins Zeug, dass ein geplagter Roadie fast ununterbrochen über die Bühne hetzte, um heruntergefallenen Kram wieder hinzustellen.
ASP fiel wie immer durch extrem stimmungsvolles Licht und extrem begeisterte Fans im Publikum auf. Schöne Geste: In Erinnerung an den im April verstorbenen Type o’Negative-Sänger Peter Steele gab es „I don’t wanna be me“ als letzte Zugabe.

Der Auftritt von Diary of Dreams war zeitlich ausgesprochen blöde platziert. Ich kann nicht der einzige Mensch sein, der sowohl Diary als auch VNV Nation sehen wollte. Ging halt nicht. Und so musste ich die diesmal optisch ungewohnt schlicht daher kommende, musikalisch aber wie immer gänsehauterzeugende Band leider mitten in „She and her darkness“ verlassen, was schon einer Höchststrafe gleichkam. Aber Fotografenpflicht und Vergnügen zogen nach draußen, zu...
...VNV Nation. Mal wieder im Regen, wie gefühlt jeder zweite Festivalauftritt der Band. Macht nichts. Es hat einfach wie immer einen unglaublichen Spass gemacht. Auch Ronan lobte die „ganz tolle Stimmung“. Nur die Pizza, die er sich zwischendrin bestellt hatte, kam nicht. Böses Versäumnis der Fans eigentlich. Die wurden dafür beim letzten Song, „Perpetual“, für unbefugtes Singen erst mal gemaßregelt. „Let’s do this properly. Hands... Now everybody.“ Und dann da-da-da-da-da-ten auch wirklich alle los. Schöner Abschluss eines wunderbaren Wochenendes! Für die ganz unermüdlichen gab es noch Eisbrecher im Staatenhaus und Party bis um 4 im Theater...

Text und Fotos: Michaela Kaebe