Es kann immer schlimmer kommen als ein langer Fußmarsch - ein langer Fussmarsch im Regen zum Beispiel. Aber einmal auf dem Gelände angekommen, wurde man entschädigt, es gab allerlei zu bestaunen, das Wetter klarte auf und zum guten Schluß gab es noch einen ganz besonderen musikalischen Augenblick…


Angefangen hat der Tag optisch wie musikalisch ausgesprochen bunt. Zuerst das Katzenjammer Kabarett, eine ziemlich wilde Mischung aus s/w-Horrorfilm-Soundtrack, Punk, NDW, Kabarett und Soul im Theater. Parallel dazu gab es draußen Szenen aus dem Mittelalter zu sehen - optisch zumindest, akustisch gehören Heimataerde eher in die Electro-Ecke, auch wenn die eine oder andere Flöte zu hören ist. Auch im Theater gab man sich historisch: Emilie Autumn und ihre Mädels bestachen ebenfalls durch sehenswerte Kostümierungen (s.o.).

Im Anschluß gab es für mich die nächste Premiere: Fetisch:Mensch, das neue Projekt von Oswald Henke. Aber um ganz ehrlich zu sein: in erster Linie ist es “Oswald Henke mit Musikern”, der Mann ist stimmlich und vor allem als Bühnenpersönlichkeit so dominant, dass die Formation, mit der er auftritt, doch ziemlich in den Hintergrund gerät. Aber sehens- , hörens- und nachdenkenswert ist es immer. So nachdenkenswert, dass ich aufgrund der ziemlich breiigen Akkustik zwischenzeitlich darüber nachdachte, dass der Lese-Auftritt im letzten Jahr gar keine schlechte Alternative war, da hat man die Texte wenigstens verstanden. Und kaum denk ich so vor mich hin, fällt der Strom aus, und es geschieht eben dieses: Oswald rezitiert. Manchmal sind es grade die Pannen, die die schönsten Momente bescheren.


Die gruselige Luft im Theater erleichterte mir die Entscheidung - ich überließ Fetisch:Mensch (inzwischen wieder elektronisch verstärkt) ihrem Schicksal und machte mich auf nach draußen, um noch etwas vom Mesh-Auftritt mitzubekommen. Und kam grade rechtzeitig, um den nächsten Stromausfall mitzuerleben! Drolligerweise ausgerechnet bei “Crash”, das passte wie bestellt. Die hinreißende A Cappella-Darbietung von Mark, getragen von einem begeistert mitsingenden Publikum, ließ einen schon fast ins Grübeln kommen, ob das nicht Teil des Programms sei - oder werden sollte! Wie gesagt: Manchmal sind es grade die Pannen…

Eine Wiederholung des Auftritts von Samsas Traum aus dem Vorjahr brauchte ich nicht, also mehr Nudelpfanne und Kirschen auf Klamotten ;-) Ich muß allerdings anmerken, dass ich Ansagen wie “Wir hätten gern länger gespielt, wir hätten gern später gespielt” ziemlich überflüssig finde, das geht wohl allen Bands so, oder? Mein Versuch, Zeromancer zu sehen, ist leider erbärmlich gescheitert, zwischenzeitlich war die Luft vor Bühne 2 wirklich nichts mehr für schwache Gemüter. Schade, aber zumindest war damit die große Frage des Wochenendes geklärt: Leider keine Dreadful Shadows, lieber Apoptygma Berzerk von Anfang an und aus nächster Nähe.

Dieser Plan brachte mir allerdings das nächste Déjà Vu ein: Ela steht startbereit in einer Menge, die begeistert von Lieder von Blut saufenden Räubern singt, zu denen vor meinem inneren Auge immer Bill Bo und andere Puppen tanzen (das ist noch nicht mal negativ gemeint, ich bin ein erklärter Fan der Augsburger Puppenkiste!) Dass Subway to Sally die wegen Krankheit ausgefallene Autogrammstunde nachholen wollten, ist natürlich aller Ehren wert - das neben einer Bühne tun zu möchten, auf der noch ein Headliner auftritt, den der eine oder andere ganz gerne sehen möchte, ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht die beste aller Möglichkeiten.



Besagter Headliner waren Apoptygma Berzerk - und die haben einen extrem großartigen Auftritt auf die Bretter gelegt! Eine großartige Setlist mit vielen alten Krachern und gut ausgewählten neuen Stücken (das IMHO ziemlich überflüssige Cambodia blieb uns erspart, mit In this together kann ich mich live durchaus anfreunden - das Ding IST einfach eine Stadionhymne), wie immer Protagonisten, die vor Energie sprühen, ein Publikum, dass, wie übrigens am ganzen Wochenende, begeistert mitging…und ganz zum Schluß gab es noch mal eins dieser Highlights, auf die man eigentlich auf jedem Festival hofft: Apop holten sich Mesh auf die Bühne, um gemeinsam Mourn zu spielen. Schöner kann ein Festival nicht enden…

Wer das Amphi 2008 aktiv mitgestalten möchte, dem sei diese Abstimmung ans Herz gelegt: www.amphi-festival.de/umfrage2007.html

Text: © Michaela Suchlich
Fotos: © Ritti (außer Apoptygma Berzerk), crynool (Apoptygma Berzerk)

So war der Samstag