
Ein Blick aus dem Fenster verriet es sofort: auch an diesem Tag sollte Sonnenbrand und Hitzschlag nicht zum Problem werden …
Da half nur eines: Gute Musik hören und warmtanzen, und die ORKUS-Newcomer des Jahres, "Staubkind", legten sich auch gleich vor schon erfreulich gut gefüllter Kulisse richtig ins Zeug. Eine ausgesprochen gute Liveband, von der man sicher noch einiges hören wird, und die sich, wenn man nach dem "T-Shirt-Barometer" geht, auch schon eine ganz ordentliche Fangemeinde erspielt haben. Dazu mag natürlich auch beigetragen haben, dass die abgedruckte Textzeile "Komm zu mir und knie nieder" nicht unklug gewählt war … ;-)
"Psyche", die kurzfristig für "NamNamBulu" eingesprungen waren, sind live immer ein Erlebnis, der Auftritt in Gelsenkirchen war keine Ausnahme. Die Band mit dem "Ach die sind das"-Effekt, vor allem bei den Jüngeren, bot Vielseitiges für die Freunde elektronischer Musik aus dem langen Bandschaffen, Darrin Huss stimmlich und mimisch gewohnt ausdrucksstark, und wie immer gab es auch lustiges Musikzitateraten. Ich bin diesmal mit "Let your body learn" von Nitzer Ebb und "Get into the Groove" von Madonna (!) nur auf zwei gekommen … Dass der leider "von uns gegangenen" Band "NamNamBulu" ein Song gewidmet wurde, ist eigentlich ein netter Zug, die Wahl von "My Sanctuary" ("Nothings going to tear us apart") bewies allerdings recht schrägen Humor …
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Für viele wohl ein besonderes und sehr ersehntes Highlight: die Ansage von Andy Krüger, dass es wieder Zigaretten gäbe ... Außerdem gab es wieder etwas für die Freunde "hausgemachter" Musik – "Lacrimas Profundere". Laute Gitarren, fliegende Mähnen, ein Leadsänger mit einer sehr schönen, tiefen, ausdrucksstarken Stimme (kleine Kritik: Christopher Schmid hat auch eine ganz wundervolle Sprechstimme, am Inhalt seiner Ansagen könnte er noch etwas feilen…) – sehr gut gemachter Goth Rock wurde hier geboten, hinter der ausländischen Konkurrenz müssen die Bayern sich nicht verstecken. Gitarrenfreunde und Fans "richtiger" Drumeinlagen kamen auf ihre Kosten ...
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... bevor es elektronisch wurde: Welle Erdball gingen "auf Sendung". Gutgelaunte Synthpopmusik mit NDW-Anklängen und eine extrem sehenswerte Show mit Ballons und Papierfliegern und der berühmten Öltonne, gepaart mit oft kritischen und bitterbösen Texten und durchaus ernstzunehmenden Anmoderationen – es macht einfach Spass! "Bandmitglied" C64 hat leider die "Spontanverlosung" per Weitwurf nicht unbeschadet überlebt und zerschellte auf dem Boden, zum Trost gab es noch eine Runde Girlie-Shirts hinterher.
Und wer immer noch nicht wach war, der wurde es jetzt, es blieb elektronisch, jetzt kamen mit "Suicide Commando" die Freunde der härteren Klänge auf ihre Kosten. Spätestens bei "Hellraiser" war richtig Bewegung im Publikum, die paar Regentropfen dienten dann eher der Abkühlung, und wenn es Johan van Roy scheinbar auch ein Bedürfnis war, dem Publikum die Zunge rauszustrecken, musikalisch war dies nicht der Fall!
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Die Legende besagt, man könne Vampire nicht fotografieren…sei es, dass Chris Pohl sein Alter Ego da etwas sehr verinnerlicht hat oder man Sorge hatte, jemand aus der Fotografenmasse könnte, im wahrsten Sinne des Wortes, Feuer fangen - auf jeden Fall galt für den "Blutengel"-Auftritt Bühnengraben-Aufenthaltsverbot, somit entfiel auch die Chance von dort aus Fotos zu machen ... Was schade ist, denn sehenswert ist die Mischung aus Blut, nackter Haut, Pyrotechnik und Konfetti durchaus. Da das Ganze mehr als Performance denn als Konzert zu sehen ist, hielten sich musikalische Überraschungen erwartungsgemäß in Grenzen – bleibt die Frage, warum die Tatsache "Ich trinke jetzt etwas" so erwähnenswert zu sein scheint ...
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Einen ganz großartigen Auftritt legten die "alten Herren" von den "Krupps" hin, da stimmte musikalisch einfach alles, die Stimmung war am Brodeln, und die ungebremste Spielfreude des seelig grinsenden Jürgen Engler (grandiose Percussioneinlagen!) und seiner Truppe lässt hoffen, dass die Band uns hoffentlich bald auch mit neuem Material neben Klassikern wie "To the hilt", "Wahre Arbeit, wahrer Lohn" oder "Fatherland" auf den Bühnen der Nation erfreuen wird.
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Bereits angekündigt ist die neue CD der nächsten "alten Herren": Camouflage. Das Publikum konnte bei wunderschönem, dichten Synthpop wieder "zu Atem" kommen, die Stimmung blieb trotz Regens harmonisch, es gab eine Hörprobe des neuen Materials, die Lust auf mehr macht, allerlei vom wunderbaren "Comeback"-Album Sensor und natürlich auch wieder Musik "von früher" ... spätestens bei "Love is a shield" war jeder Ü30 hin und weg, und zum mehrstimmigen A Capella-Gesang am Ende kann man nur sagen – sie können es einfach! Das haben sie auch mit einer sehr beachtlichen Coverversion des Human League-Klassikers "Being boiled" bewiesen.
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Für das "Grande Finale" waren "In Extremo" zuständig, und auf der Bühne wurde es noch einmal richtig voll, laut und lebendig. Instrumente von Mittelalter bis modern, ein schönes Bühnenbild, nochmals allerhand nackte Haut, diesmal in der männlichen Variante, die gewohnte Mischung aus Mittelalter und rockigeren Klängen und jede Menge Feuerwerk - ein furioses Ende für ein grandioses Festival!
Text und Fotos: © Michaela Suchlich
So lief der erste Tag