Amphi Festival 2010: Der Samstag

Amphi Festival 2010: Der Samstag

Köln, Theater am Tanzbrunnen, 24.7.2010

Komplett ausverkauft, fast regenfrei, friedlich, abwechslungsreich und mit einem ausgesprochen üppig gefüllten Programm mit Musik, Party, Lesungen Vorträgen und Kleinkunst, präsentierte sich das sechste Amphi-Festival einem begeisterten Publikum.


Eröffnen durfte das Festival der Gewinner des New Talent Wettbewerbs, der am Freitag abend ermittelt worden war. Zin heißt die Gewinnerband, kommt aus Leipzig und klingt wie Placebo zu ihren schrägeren Zeiten – ein durchaus angenehmer Start in den Tag also und ein Name, den man sich merken kann.

Freuen über den Erfolg dieses Wettbewerbs kann sich vor allem auch der Verein Dunkelziffer e.V., der sich über 3.000 Euro freuen durfte.


Weit weniger begeisternd fand ich DIN/A/TOD, deren Auftritt bei mir eher durch knapp bekleidete Männerbeine als durch Musik oder gar Performance einen Eindruck hinterlassen hat. Und ganz ehrlich, Shorts sollte auch Mann nur tragen, wenn er die Beine dazu hat.

End of Green sind die wahrscheinlich finnischste Band, die Baden-Württemberg zu bieten hat. Tiefe Stimme, jede Menge Kajal, laute Gitarren und fliegende Haare...alles da.





Auf dem Amphi-Festival gibt es nicht „nur“ Bands, es wird auch was für die Kultur getan. Auf der Theaterbühne gab es dieses Jahr unter anderem den Kabarettisten Oliver Klein mit zwei Programmen zu sehen, am Samstag mit der „Rocky Horror Picture Show“. Das war so weit, so nett – richtig lustig wurde es erst, als er die Songs anderen Künstlern (Prince!) in den Mund legte. Und Dennis wird sich vermutlich nie wieder irgendwo in eine erste Reihe setzen...


Auch Dr. Mark Benecke hielt an beiden Tagen Vorträge. Und zwar über Untote, nicht Verwesende und den Unterschied zwischen Silikon- und echten Leichen. Auch sonst konnte man allerlei lernen, unter anderem, dass Leichen nicht giftig sind, da man ja sonst keine Leichenwürfelchen (Gulasch) oder Leichengeschabtes (Döner) essen könnte. Und immer dran denken: „Das grüne sind Bakterien, das weiße sind die Maden.“ Außerdem gab es allerhand Feenkalender, Seifenblasen und finnische Bücher abzugreifen...faszinierend, was Leute alles brauchen können.


„Schwarze Butterfahrt“ nannte Autor Christian von Aster das, der im Anschluß die gar erschröckliche Geschichte von der „Apocalypse au chocolat“ zum Besten gab. „Ich find teuflische Krapfen mordslustig, aber ich hab auch einen Scheisshumor“, meinte er zu seinem Werk. Fand das Publikum nicht, oder zumindest teilte es ihn.

Dann wurden im Theater in Windeseile die Stühle weggepackt, dort legten im Anschluss verschiedene DJs auf. Derweil tummelte sich auf der Bühne Chris Pohl mit allerlei tanzenden Damen (und nur einer singenden diesmal), was nett anzuschauen war...ach, lassen wirs dabei. Blutengel halt.







Im Staatenhaus gab es im Anschluss auch tanzende Damen...so langsam könnten die sich auch mal was neues einfallen lassen, ehrlich gesagt. Die Crüxshadows haben sich in der niedrigen Halle, die Rogue nicht gerade viel Bewegungsfreiheit ließ, vor allem aber auf einer Bühne fast ohne Licht, deutlich unter Wert verkauft, da hatte ich schon mal mehr Spass.


Auf der großen Bühne derweil Anne Clark mit einem Accustik Set. Immer wieder gerne, und der beste Beweis dafür, dass es auch genügen kann, sich einfach auf die Bühne zu stellen und zu singen...oder zu sprechsingen.


Lauter zur Sache ging es im Staatenhaus, hier standen inzwischen Project Pitchfork (ohne den erkrankten Dirk Scheuber, gute Besserung) auf der Bühne. Erstaunlich wenig vom neuen Album gab es zu hören, es war mehr ein „Best of“-Programm, inklusive Timekiller, laut Peter Spilles dem besten Song von And One.

Und die coverten es kurze Zeit später auf der großen Bühne tatsächlich. Ansonsten gab man sich militärisch und liess sich von den Massen feiern. Und als der Strom um 10 abgeschaltet wurde, ging es noch ein bischen accoustic weiter...



Derweil spielten im Staatenhaus, für viele sicher das Highlight des Tages, Skinny Puppy. Hier könnte man, wäre das Wort nicht so unglaublich blöde, sogar einmal sagen, sie „performten“: Ausgefallene Kostüme und eine fantastische Lichtshow schufen eine surreale, fast alptraumhafte Stimmung. Sehenswert!



Text und Fotos: Michaela Kaebe