
Mediaeval Baebes/ Spiritual Front/ The Lovecrave/ Spectra*Paris/ Letzte Instanz/ Cinema Strange/ Das Ich/ L'Ame Imortelle/ Clan of Xymox/ Project Pitchfork/ And One/ Diary of Dreams/ Die Krupps
So krachig der Samstag geendet hatte, so lyrisch begann der Sonntag: Die Mediaeval Babes boten den stellenweise doch etwas irritiert wirkenden Festivalbesuchern mittelalterliche Chorgesänge zu Laute und Flöte, in zartes Grün gewandet, mit Efeu berankt und gerne auch mal mit fröhlichem Reigentanze. Prädikat: Mal was anderes...
Ruhigere Töne zum langsam Wachwerden auch im Theater, wo Spiritual Front die akustische Klampfe ausgepackt hatten. Auch hier ungewohnte Klänge, streckenweise schon mit leichtem Country-Einschlag, aber durchaus hörenswert.
The Lovecrave starteten derweil auf der Hauptbühne den großen Weckruf, Sängerin Francesca bewies, dass Frauen auf der Bühne auch richtig loslegen können, sowohl stimmlich als auch in Sachen Bühnenperformance. Die Frau ist die personifizierte Lebensfreude, da macht das Zugucken einfach Spass.

Sehr gut gefallen haben mir auch Spectra*Paris . Die Frauencombo um Elena Fossi (Kirlian Camera) überzeugte nicht nur musikalisch, sondern auch mit schicken Videoprojektionen und dem lustigsten Intro des Festivals: einem Filmvorspann (sollte der so verwackelt sein?) zu Tschaikovsky-Klängen.
Gewohnt munter ging es bei der Letzten Instanz auf der Hauptbühne zu. Die Mischung aus Mittelalter, Klassik und so ziemlich jedem anderen der Menschheit bekannten Musikstil ist live ein echter Stimmungsgarant. Ein schöner Moment war das Massen-Händchenhalten bei "Wir sind allein" - und Stunden später fiel mir dann auch ein, wo ich die Melodie herkannte: "You chained me up" von den Inchtabokatables.
Der Auftritt von Cinema Strange begann rätselhaft. War der mit einem Stuhl auf dem Boden umherkugelnde Sänger nun Teil einer Kunstperformance, oder hat er sich schlicht gelangweilt, weil es technische Probleme gab? Aber ich muß ehrlich gestehen, dass ich mich auch, als es dann Musik und Gesang gab, intellektuell überfordert fühlte...
Also weiter zur nächsten Band - die ich zwar auch nicht verstehe, die aber immer ein Garant für schöne bunte Bilder und eine bemerkenswerte Bühnenshow ist: Das Ich

Sonja von L'Ame Immortelle gebührt wieder mal der Sonderpreis für den schönsten Ausdruckstanz des Tages. Beweglich ist die Frau, das muß der Neid ihr lassen! Weit weniger beeindruckend, es muß einfach gesagt werden, die Live-Gesangsqualitäten von Bandkollege Thomas.

Sehr gefreut habe ich mich auf die lange nicht gesehenen Clan of Xymox . Und klasse waren sie! Die Coverversion von "Heroes" fand ich persönlich zwar nicht sooo gelungen - aber stimmlich kann Ronny sich das durchaus erlauben, ohne dass der Hörer sich in Krämpfen windet, und das will bei Bowie-Titeln durchaus etwas heißen! Ich hätte gern bis zum Ende zugehört, aber die Pflicht rief in Form von
Project Pitchfork . Noch ein Best-of-Set, auch mit erfreulich vielen alten Hits und einer sehr gut gelaunten Band. Peter hat sich in Landessitten kundig gemacht und verteilte Kamelle, Sara Noxx kam für "Earth Song" kurz vorbei und der zweite "Timekiller" des Wochenendes überraschte mit "Deutschmaschine"-Einsprengseln.
Die Erfinder derselben, And One gab es dann als Headliner. Ein gut gelaunter Auftritt mit einem dauergrinsenden Steve und allerlei Coverversionen, u.a. "The sun always shines on TV" und - klar! - "Timekiller". Diesmal in der, O-Ton Steve, "regenfreien Version" - und im Duett, Herr Spilles persönlich gab sich die Ehre. Hätte man sich durchaus noch eine Weile angucken können, hätte der Headliner im Theater nicht doch die weit größere Anziehungskraft auf mich gehabt.
Diary of Dreams beschlossen das Programm hier zunächst einmal. Wie immer brilliant, wie immer vor einem Publikum, das vom ersten Moment an gefesselt war - und als letzte Zugabe mit einer Akkustik-Version von "She and her darkness", bei der man die sprichwörtliche Stecknadel im vollgestopften Theater hätte fallen hören können. "So viel Stille bei soviel Leuten - unglaublich" bedankte sich Adrian Hates bei der verzauberten Menge.
Dann galt es irgendwie 1 1/2 Stunden zu überbrücken bis zum "Midnight Special" mit den Krupps . Es wurde dann sogar noch eine halbe Stunde länger, weil beim Aufbau überhaupt nichts klappte. Der Auftritt selber hat sich aber trotzdem unbedingt gelohnt - die alten Herren wissen wie man Stimmung macht und haben ordentlich Gas gegeben, Hut ab!!! Auf die angekündigten neuen Sachen darf man gespannt sein.
A propos Ankündigung: Der Termin für das V. Amphi Festival steht bereits fest: 18./ 19. Juli. Erste Informationen und Tickets (ab 1.8.) unter www.amphi-festival.de. Soviel sei verraten: Der Mann mit der längsten Autogrammjäger-Schlange von allen (und das ohne Auftritt!) wird wieder auf der Bühne stehen, Unheilig sind bereits bestätigt.
Text und Fotos: © Michaela Kaebe
Bericht vom Samstag: www.stage-press.de/reportagen/amphi08_samstag.html