
Die Samplerreihe "Advanced Electronics" feierte die fünfte Folge am 3.2. mit einem Festival in der KuFa Krefeld, und das Line-Up hatte wirklich für Fans aller Richtungen von Elektromusik etwas zu bieten.
Allerdings empfingen den Besucher gleich am Eingang große Schilder mit einer traurigen Botschaft: Ronan Harris war erkrankt. Damit entfiel sowohl sein Soloprojekt Modcom als auch sein anschließendes Gast-DJing - doppeltes Pech für Fans und Veranstalter, die mit Soman aber schnell für kompetenten Ersatz gesorgt hatten. Respekt hierfür ebenso wie für die offene Kommunikation!
Dennoch, die Stimmung war bei vielen getrübt, und wie so oft erwischt das die erste Band des Abends besonders hart, in diesem Falle Unter Null. Hinzu kam, dass Erica Dunham der Verwendung von Kunstblut auf der Bühne abgeschworen hat (sehr lesenswert auf ihrer HP unter "News" erläutert), die Show also sehr viel "puristischer" war als gewohnt. Und dann war auch noch der Sound, es muß in aller Härte gesagt werden, jenseits allen Irdischen. Und so sprach, schrie und sang sie tapfer gegen ein doch recht lustloses Publikum an und wurde dann auch noch nach den ersten Takten der letzten Nummer mittendrin recht unsanft von der Bühne geordert, vermutlich war ihr Zeitfenster ausgeschöpft.
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Ersatzmann Soman dagegen brachte das erste Mal Stimmung in den Laden. Der Mann strahlt aber auch eine gute Laune, eine Energie und einen Spass an dem, was er tut, aus... da ist es schon verdammt schwer, sich nicht anstecken zu lassen. Er hatte neues Material mitgebracht - und er brachte seine letzte Nummer geschickt so unter, dass sie niemand abbrechen konnte, nämlich mit der Ansage "Für einen guten Freund, der heute leider nicht hier sein kann", gefolgt von seinem Remix zu VNV Nations "Chrome".
Anschließend gab es dann was für die "Mädchen", wie böse Stimmen behaupten würden...ich gehöre dazu, und es gibt NICHTS gegen harmonische Melodien mit etwas weniger BPM und Menschen, die singen statt zu "growlen" zu sagen ;-) Schon gar nicht, wenn es sich um die Melodien von Vasi Vallis und die Stimme von Felix Marc handelt, sprich um Frozen Plasma. Bedauerlicherweise hatte die Tontechnik ihr kleines Soman-Zwischenhoch wieder überwunden, so dass liebevolle Feinheiten wie veränderte Melodieführungen fast untergingen. Dass dem armen Felix der Mikroständer unter den Händen zusammenbrach, war da nur die Spitze des Eisbergs. Egal, schön war es doch, auch die (im Vergleich zu nnb-Zeiten doch recht puristische) Videoprojektion, und auch Felix bewies, dass man das Festival auch beinahe "Männer mit unglaublicher Kondition" hätte nennen können.
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Ebenso wie Johan Van Roy, seines Zeichens Frontman des Headliners Suicide Commando - dem Mann merkt man 20 Jahre Musikgeschäft auch nicht an! Den Saal brachte er in bekannter Manier in Nullzeit zum Toben, und wie immer waren dafür, dass doch härtere Klänge angeschlagen wurden, erstaunlich viele junge Damen vor der Bühne versammelt. Also eigentlich alles wunderbar, die Zeichen standen gut für einen fröhlichen Tanzabend - nur das, was von der Videoleinwand auf den Besucher einprallte, war für mich (und ja, vielleicht bin ich etwas zart besaitet) doch ziemlich grenzwertig. Nichts gegen Kunstblut, nichts gegen ein nettes Horrorfilmchen...aber bei realer Gewalt und ihren Folgen liegt meine Ertragen-Können-Schwelle doch niedriger als das, was hier gezeigt wurde.
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So war für mich dann auch bei "One Nation Under God" Schluß - und um empörten Aufschreien vorzubeugen: Ja, ich weiß, dass der Künstler uns damit etwas sagen will, ich glaube auch zu verstehen was, ich stimme ihm teilweise auch zu und ich erkenne an, dass er sein möglichstes getan hat, diese Botschaft an den Zuschauer zu bringen...aber es wurde mir persönlich schlicht zu viel, einige der erschütternsten und schrecklichsten Szenen, die die menschliche Geschichte wohl auf Film zu bieten hat, anzuschauen, während um mich herum Menschen fröhlich feiern. Und so zog ich mich denn mit einem ganz miesen Gefühl im Magen in die Nebenräume zurück...und ja, das was ich von dort gehört habe, war eine gut zusammengestelltes, brilliant vorgetragenes Programm, gar keine Frage. Und die meisten Zuschauer und -hörer hatten ersichtlich ihren Spass...vielleicht bin ich doch einfach nicht "advanced" genug?
Text und Fotos: © Michaela Suchlich