Schiller: Sehnsucht live 2008

Schiller: Sehnsucht live 2008

Köln, Palladium, 18.05.2008

Schiller live - immer ein besonderes Hör- und Seherlebnis. Mit Dolby Sourround Sound, einer fantastische Lichtshow, der 'besten Band der Welt', vier Gastsängerinnen und einem phänomenalen Ben Becker bescherte Christopher von Deylen den Besuchern im brechend vollen Palladium einen unvergesslichen Abend.


"Mein Name ist Christoper von Deylen, und ich bin Schiller". So stellt er sich selber vor. Und erstmals steht er auch optisch im Mittelpunkt. Flankiert von gleich zwei Schlagzeugern, den Rest der Band und die Gastvokalisten 'zu Füßen'. Vorbei die Zeit, als Christopher sich am Bühnenrand 'versteckte'. Verschwunden auch das ungläubige Staunen über begeisterte Fanscharen. Geblieben ist die sichtbare Freude am Musikmachen. Bei ihm, seiner Band und seinen musikalischen Gästen.

Jette von Roth

Jette von Roth

Bei Ben Becker, der Byron nicht nur las, sondern darstellte. Und beim Abgang nach dem ersten Stück plötzlich aus der dramatischen Rolle fiel und grinsen musste wie ein Lausbub. Bei Jette von Roth und Kim Sanders, den beiden 'alten Hasen'. Und bei den 'Neuzugängen', bei Jael und September. Letztere hatte eine ausgesprochene Feuertaufe: technische Probleme bescherten ihr erst eine schräge und dann eine fehlende Instrumentalbegleitung. Aber die schöne Schwedin machte gute Miene (und gute Töne!!!) zum bösen Spiel, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und sang am Ende sogar a capella weiter. Respekt!

DIE Frontfrau von Schiller ist und bleibt aber Kim. Rasend komisch, hocherotisch, ein Temperamentsbündel, eine großartige Entertainerin - und natürlich eine fantastische Sängerin. Ganz ungewohnt sang sie ihre erste 'Staffel' nicht barfuss. Die Schuhe sollten später noch eine ganz besondere Rolle spielen, aber da will ich denen, die die Konzerte noch besuchen, nicht den Spaß verderben.




Trotzdem: Am stärksten ist Schiller instrumental. Mit den alten 'Krachern' wie 'Ruhe' und 'Glockenspiel', bei denen es wieder gehörig abging. Aber auch in den ruhigen Momenten. Ganz besonders in denen, in denen die Elektronik nicht die ganz große Rolle spielte: Christian Kretschmar am Cello bei 'Denn wer liebt', Mickey Meinert mit akustischer Gitarre in einer wunderschönen Version von 'Irrlicht'.


Allerdings war die Stimmung auf der Bühne etwas verhaltener als auf vergangenen Konzerten, so fehlten z.B. die legendären 'Gitarrenduelle', Mickey Meinert schonte sich ein wenig und überließ die Rolle des Anheizers Tissy Thiers alleine. Wofür ich allerdings vollstes Verständnis habe: nach drei Stunden (!!!) Konzert war ich als Zuschauer schon am Limit.

Und dann mussten die armen Jungs (die Damen flüchteten lieber ;-)) am Ende auch noch improvisieren: Ben Becker las, als Überraschung für Schiller, aus dem Johannes-Evangelium und bat um spontane musikalische Untermalung. Ein Auftritt, der hoffentlich auf der DVD für die Nachwelt erhalten bleiben wird...



Ein Wort noch in eigener Sache: Ein herzliches Danke an das Team vom Palladium! Nett, hilfsbereit und geduldig - oder auf neudeutsch: kundenorientiert - das hat man leider nicht überall... Daumen hoch!

Text und Fotos: © Michaela Kaebe