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Eines muß man Steve Naghavi und seinen Mannen lassen: der Fan kriegt allerhand geboten für sein Geld! 2 1/2 Stunden haben sie gespielt und dazu noch zwei Vorgruppen mitgebracht, für jeden Geschmack etwas, Obscenity Trial für die, die an And One eher die melodischere Seite schätzen, und Spetsnaz für die, die es gerne krachiger haben. Als Sahnehäubchen gab es noch extrem fixe Umbauten und einen wirklich fantastischen Sound, auch bei den Vorbands. Da kann man nicht meckern, und da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass einem die Bühnengestaltung doch von der letzten Tour recht bekannt vorkam...
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Den Anfang machten Obscenity Trial, die mich nochmals extrem angenehm überraschten. Das Releasekonzert zur aktuellen CD "Here and now" hat mir schon sehr gut gefallen, aber Oliver Wand und seine Liveunterstützung Frank Hass haben sich nochmal extrem gesteigert! Vor allem letzterer hat seine Präsens deutlich verstärkt, und man hat sich Bühnenoutfits zugelegt (wenn es auch ein bischen was von einem modernen Theaterstück hat, wenn ein Mensch auf der Bühne steht, der groß als "Wand" beschriftet ist und wahrscheinlich (war leider nicht zu erkennen) ein anderer mit "Hass"). Vor allem aber hat man an der musikalischen Liveumsetzung der Songs nochmal eifrig gefeilt, und das Ergebnis ging extrem ins Ohr und in die Beine, das könnte man sich durchaus mal einen ganzen Abend lang anhören. Zumal sowohl die Single "Here and now" als auch das Cover von "Seven Nation Army" rund um mich herum "Ach, DIE sind das?"-Reaktionen hervorriefen, die vermuten lassen, dass beide Songs sich berechtigterweise zu echten Club-Hits gemausert haben. Zudem bot Oliver (Steve, der natürlich auch ein ganz anderes Pensum zu absolvieren und vom Vorabend noch in den Knochen hatte, möge mir vergeben) die beste Gesangsleistung des Abends.
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Weiter ging es mit Spetsnaz, und ich muß gestehen, ich hatte im Vorfeld ein bischen Angst um meine Ohren, meine Zehen und meine Kamera. Alles unberechtigt...was zum einen daran lag, dass das Publikum nicht übertrieben bewegungsfreudig agierte (übrigens den ganzen Abend lang nicht, was später am Abend noch zu Publikumsschelte führen sollte), zum anderen daran, dass man sich das Ganze musikalisch weniger "radauig" rüberkam als befürchtet und der Auftritt zudem einen hohen Unterhaltungswert bot, was v.a. am lockeren Mundwerk von Pontus in Verbindung mit der stoischen Ruhe von Stefan lag (Vorbild Charlie Watts?). Es hat schon eine gewisse Größe, nach dem ersten Stück (!) die Frage aller Fragen zu stellen, die vielen Vorgruppen schon den einzigen lauten Applaus eingebracht hat: "Are you ready for And One?", den Jubel mit einem trockenen "Fine" zu kommentieren und dann locker weiter aufzuspielen. Insbesondere "Perfect Body" mit der Ansage "I have not much hair, but I'm working on it...so the next song is about me", flankiert von einem T-Shirt-hebenden Stefan (wer ihn kennt, weiß die Ironie der Geste zu schätzen ;-)) und, in bester And One-Tradition, garniert mit einem musikalischen Ausflug, und zwar in die ganz finsteren Tiefen der 80er (Hit that perfect beat, boy), sorgte für Heiterkeit und brachte eine nette Abwechslung in die übliche pain/war-Thematik.
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Nach der wieder extrem kurzen Pause war es dann soweit...nachdem sich das "Bodenpersonal" in seine Bretterverschläge an die Elektronik verzogen hatte, betrat Meister Naghavi gemessenen Schrittes (und mit breitem Grinsen) die Bühne und begann das Konzert mit (eben sag ich's noch...) "Stand the pain". Zu "Traumfrau" gab es dann eine dieser typischen Steve-Ansagen, die man durchaus mal in ganzer Länge für die Nachwelt wiedergeben kann: "Das nächste Lied haben wir grade geschrieben, für alle Kölner Frauen. Gestern haben wir übrigens einen Song für alle Berliner Frauen geschrieben. Es geht um tote Rebhühner - so hab ich sie am liebsten. Das ist übrigens unsere neue Single - ich kauf sie mir, ich hab's ja." Es gibt Momente, da bewegt sich der Mann schon fast auf Helge Schneider-Niveau (und bevor ich jetzt böse Leserbriefe kriege: Das war ein Kompliment!).
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Im Anschluß durfte Chris Ruiz aus seinem Käfig raus, sich ein bischen die Beine vertreten und auch was Stimmliches zur Musik beitragen (ja, ich mogel mich hier um den Begriff "Gesang" herum...). Es gab "Metalhammer" und "Panzermensch" und allerlei zurückgelegte Bühnenmeter, und auch das Publikum, das zwischenzeitlich in einen etwas ruhigeren Im-Takt-Wiege-Rhythmus verfallen war, kam wieder etwas in die Gänge.
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Danach durfte, im Sinne der sozialen Gerechtigkeit und zur Erhöhung des Team Spirits, auch Gio van Oli mal ans Mikro und gab "Consequence of Time" zum Besten. Das machte er gar nicht mal schlecht, aber ich glaube, ich häng mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich davon ausgehe, dass da in absehbarer Zeit keine Solokarriere ins Haus steht.
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Steve nutzte seine Gesangspause, um sich neu in Schale zu werfen, und tauschte Anzug und die (wunderbar zum Bühnenbild passende und Vorfreude auf Halloween hervorrufende) orangene Kravatte gegen Jeans, Lederjacke und schwarzen Schlips, bevor er dann für "Krieger" wieder das Mikro übernahm. Kurz darauf erklärte er bei "Speicherbar" die Party offiziell als eröffnet, was in Verbindung mit dem allseits beliebten Ruf: "Wo seit ihr?" alle Hände nach oben brachte, wo sie bei meinem persönlichen All Time Favorite "Wasted", angereichert um "Personal Jesus", was der Bewegungsfreude des Publikums ja auch nie schadet, auch blieben.
Es folgte eine weitere Demonstration, dass And One aus derzeit drei Personen besteht - auch Chris durfte allein ein Lied zum besten geben, "Fernsehapparat". Meister Naghavi ging sich allerdings nicht nochmal frischmachen, sondern schwang sich hinters Keyboard. Um es ganz hart zu sagen...es muß vielleicht doch nicht jeder singen wollen, ich persönlich hätte diese Einlage zumindest nicht gebraucht.
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Weiter ging es im Duett, "Strafbomber", garniert mit der oben bereits erwähnten Strafpredigt von Steve, wenn ich nochmals weitgehend wörtlich zitieren darf: "Ihr seid ein müder Haufen...Könnt Ihr noch? WOLLT Ihr noch??? ICH hab kein Geld bezahlt, ICH kann auch nach Hause gehen." Nach Hause gingen sie allerdings nicht, nur in eine (erfreulich kurze) Pause vor dem (erfreulich langen) ersten Zugabenblock, der gemütlich-poppig mit "Movie Star" und "Sweety Sweety" endete. Dem "Versprechen": "So, jetzt habt Ihr es geschafft", mit dem die Band sich nun verabschiedete, folgte allerdings noch ein weiterer Zugabenblock mit 7 (!) Songs...wie gesagt, ein ausgesprochen löbliches Preis-Leistungs-Verhältnis!
Text und Fotos: © Michaela Suchlich
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