Camouflage auf Relocated-Tour oder: Neulich im Waschsalon

Camouflage auf Relocated-Tour oder: Neulich im Waschsalon

"Fine electronic music since 1983", mit diesem Qualitätsnachweis schmücken Camouflage ohne jede falsche Bescheidenheit ihre aktuelle CD "Relocated". Und noch immer wirken sie auf der Bühne, als hätten sie gerade diesem Auftritt an diesem Abend schon tagelang entgegengefiebert, wenn auch eine Textzeile auf der aktuellen CD "We still dream of the better days" dezent darauf hinweist, dass die Zeit der vollen Säle wohl auch keine schlechte war... Die Kölner jedoch, die den Weg in die Live Music Hall gefunden hatten, hatten bezüglich der Abendgestaltung eine weise Entscheidung getroffen.


"How do you feel?", der Song, der sich auf der CD doch ein wenig ins Endlose zieht, wurde kurz und knackig als Intro abgehandelt, bevor die Band die Bühne betrat und mit "Me and you" gleich richtig loslegte. Man trug Partnerlook (schwarz mit weißen Turnschuhen), dem sich auch Gastgitarrist Volker Hinkel angeschlossen hatte, während Jochen Schmalbach, der Camouflage wieder am Schlagzeug unterstützte, mit PIL-Shirt ein wenig aus dem Rahmen fiel...aber hey, that's Rock'n'Roll, und aus dem Rahmen gefallen ist an diesem Abend auch noch anderes, aber davon später.


Zunächst einmal ging es weit zurück in die Vergangenheit, zu einer Nummer, die laut Ansage von Marcus auf gar keinen Fall fehlen durfte, That smiling face. Die beiden anderen alten Nummern, die nach Meinung vieler Fans auf gar keinen Fall fehlen durften (auf jeden Fall wurden sie während des ganzen Konzerts lautstark eingefordert), gab es erst viel später, zunächst einmal widmete man sich schwerpunktmäßig dem aktuellen Album, u.a. der traumhaften Ballade The perfect key (mit einem schönen Einlage von Oliver an der großen Trommel), und der aktuellen Single Motif Sky.


Dazwischen gab es die eine oder andere kleine Geschichte aus dem Bandleben (u.a. eben die aus dem Waschsalon, wo ein "Mitwäscher" Oli und Marcus anhand der mitgebrachten Musikzeitschrift erkannte und ihnen den Lesestoff großzügig schenkte...auch schön, konnten sie beim Waschen mal lesen, was sie so von ihrer neuen CD halten ;-)), vor allem bei den ersten Songs hektisch hin- und herflitzende Roadies, die sich bemühten, die Lautsprecher vom Krachen abzuhalten (der Sound war, zumindest vorne in der Halle und, wie der eine oder andere ungewohnt schiefe Ton vermuten lässt, auch auf der Bühne nicht die reine Freude), herabfallende Dekoelemente und fliegende Seitenwechsel, kurz, es gab mehr als "nur" gute Musik.


A propos Bühnendeko: Klasse! LED-Wände, die anfangs davorgeklemmte Plexiglasscheiben mit "Relocated"-Motiv farbig beleuchteteten (eines setzte sich wie gesagt mitten im Konzert ins Publikum ab, zum Glück konnte außer einem Becher Bier, der sofort von einem umsichtigen Mitarbeiter durch ein Backstage-Becks ersetzt wurde, jeder ausweichen) und später sehr schicke Projektionen zeigten. Wirklich schön gemacht, aber wie gesagt...nötig wäre das eigentlich nicht, die Show die die Band abliefert würde zur Unterhaltung mehr als genügen (NB: Ich muß echt wieder mehr Sport treiben...HAT der Marcus eine Kondition?!).

Mit The Great Comandment und der Motif Sky B-Seite, Conversation, verabschiedete man sich zunächst, um erfreulich flott zur ersten Zugabe (Suspicious Love, das als zweite Single angekündigte Something wrong und (natürlich) Love is a shield) zurückzukehren. Und ganz zum Schluß wurde es nochmal richtig schön: Man ließ sich gemütlich zu viert auf dem Schlagzeugpodest nieder (Marcus als Leadsänger mußte stehen ;-)) und lieferte eine wunderschöne A capella-Version von Strangers Thoughts ab. Da zeigt sich dann halt doch, wer wirklich was kannh!



Text und Fotos: © Michaela Suchlich

Die Bilder des Abends: