Wir sind wir - Festkonzert zum Tag der deutschen Einheit

Wir sind wir - Festkonzert zum Tag der deutschen Einheit

Festkonzert zum Tag der deutschen Einheit...ein feierliches Ereignis, und auch musikalisch war etwas ganz besonderes angekündigt, Popmusik aus Deutschland in konzertanter Umsetzung unter dem Motto „Wir sind wir“.

Feierlich war auch der Beginn der Veranstaltung geplant...untermalt von den Klängen des Filmorchesters Babelsberg erzählte ein Sprecher – ja, was?


Es wird wohl um die neue deutsche Geschichte gegangen sein, gehört hat der Besucher, zumindest vor der Bühne, nur ein ohrenbetäubendes Kreischen und „Tokio Hoteeeeel“-Rufe. Und so blieb einem nur, sich die Bilder der Wiedervereinigung auf der Großleinwand zu betrachten und sich an die bewegenden Ereignisse zu erinnern, die inzwischen 15 Jahre her sind – während die erste gesamtdeutsche Generation, die Gesichter mit Tokio-Hotel-Logos und „I love Bill“-Schriftzügen bemalt, bewaffnet mit Stofftieren, Luftballons und Bannern, lautstark nach „ihren“ Stars verlangte...


Zunächst aber gab es Wieprecht...drei zugegebenermaßen attraktiv anzuschauende junge Damen mit zugegebenermaßen schönen Stimmen, die (sorry!) zwei Songs darboten, die so gar nicht im Ohr hängen bleiben wollten, zumindest nicht in meinem – zu stark erinnerte das an Dinge, die man von anderen attraktiven Damen mit schönen Stimmen schon zu oft gehört hatte.



Im Vergleich dazu waren Tokio Hotel, die unter infernalischem Fangetöse als nächste auf die Bühne kamen und die ich bislang nur aus der Klingelton-Werbung kannte, eine positive Überraschung. Nicht, weil sich mein musikalischer Horizont wesentlich erweitert hätte, dafür erinnert das ganze dann doch zu sehr an Juli und Co. – aber die Jungs haben auf der Bühne etwas erfrischend „ungecastetes“ an sich, man merkt ihnen die Schülerband-Vergangenheit an, sie beherrschen ihre Instrumente und Frontjunge Bill Kaulitz legte, für seine jungen Jahre von der Menschenmenge erstaunlich unbeeindruckt, eine sehenswerte Show hin...unter der Rubrik „Teenieband“ gab und gibt es weitaus Schlimmeres!


Danach wurde es vor der Bühne etwas ruhiger – alle, die zum Mauerfall noch nicht geboren waren, verzogen sich hinter die Bühne, um noch einen Blick auf ihre Helden zu erhaschen, was ihnen, wenn das gelegentlich aufbrandende Gekreische ein Indiz ist, das eine oder andere Mal auch gelang – und es gab „Musik für Erwachsene“, angefangen mit Joana Zimmer. Sehr schöner, sehr emotionaler Auftritt, Wahnsinnsstimme, und erstmals drangen auch leisere Klänge des Orchesters an die Ohren des geneigten Publikums.



Und dann war der erste der beiden „Präsentatoren“ an der Reihe, Peter Heppner, zunächst mit Wolfsheim-Kollegen Markus Reinhardt, beide hatten sich dem Anlass angemessen in schicken schwarzen Zwirn geworfen (hat was, nebenbei bemerkt) und boten Musikalisches der Extraklasse! Insbesondere Peter war in unglaublicher Form, da saß jeder Ton und das in einer unglaublichen Intensität. Der erste Titel „Wundervoll“ wäre allerdings nicht mein Favorit für eine „konzertante Version“ gewesen, ich fand sie auch nicht wirklich aufregend (die Wahl dürfte allerdings erfreulicherweise auf eine weitere Single hindeuten), aber „Kein zurück“ mit Orchester...das war einfach nur unsagbar schön und kann mit der legendären Praha Edit von „Künstliche Welten“ mühelos mithalten.




Der Präsentatoren zweite Hälfte, Paul van Dyk, brachte seine neue Single „The other side“ und seinen neuen Gastsänger Wayne Jackson mit...und was will man sagen, der Mann hat ein Händchen für gute Sänger und natürlich auch für gute „Remixe“, der Dance Track im klassischen Gewande war richtig gelungen, und von Herrn Jackson gerne mehr!


Ausgesprochen gelungen, sehr gefühlvoll, sehr leise und nachdenklich, auch die Klassik-Version von „Wir sind wir“, mit der das Konzert endete. Kompliment an alle Künstler, junge und schon etwas ältere, ost- und westdeutsche, aus der Pop- und der Klassikecke, es war wirklich ein Fest!

Text und Fotos: © Michaela Suchlich